# taz.de -- Proteste in den USA: Widerstand mit Trillerpfeifen
       
       > Langsam nehmen Proteste gegen das Trump-Regime Fahrt auf, auch wegen des
       > brutalen Vorgehens der ICE-Behörde. Doch wofür steht die Gegenwehr?
       
 (IMG) Bild: Protest mit Trillerpfeife: ein Anwohner im Bärenkostüm protestiert nach den tödlichen Schüssen eines ICE Beamten auf Renee Good in Minneapolis
       
       Als Donald Trump im Januar 2017 das erste Mal in sein Amt eingeschworen
       wurde, kamen in der Hauptstadt Washington, D.,C., eine halbe Million
       Menschen zum „[1][Women’s March]“ zusammen. „So sieht Demokratie aus!“,
       riefen sie dem Präsidenten entgegen.
       
       Acht Jahre später, bei Trumps zweiter Amtseinführung? Kaum eine Regung.
       „War Trumps erste Amtszeit als Präsident von weit verbreiteten Revolten
       geprägt, so zeichnet sich seine zweite Amtszeit bislang durch mangelnden
       Dissens aus“, stellte der [2][New Yorker] fest.
       
       Der Grund für diese Diskrepanz lag wohl in den verschiedenen
       Schockmomenten, die Trumps Wahlerfolge ausgelöst hatten. [3][Das erste Mal]
       war Trump nicht einmal mit der absoluten Mehrheit aller Stimmen gewählt
       worden, und man konnte es als kaum fassbare Abweichung von der Norm abtun.
       Als ein radikalisierter Trump dann 2024 mit einer komfortablen Mehrheit in
       31 von 50 Staaten gewann, lähmte das Demokraten und Linke.
       
       Hinzu kam, dass die gemäßigtere Wählerschaft der Demokraten und der linke
       Flügel im Land gerade eine Phase der Entfremdung durchgemacht hatten. Dann,
       vor allem ab dem Frühjahr 2024, gab es in den USA die größten
       [4][Campusproteste] seit den Vietnamdemos vor 50 Jahren. Sie richteten sich
       auch gegen die regierenden Demokraten und ihre Unterstützung für Israel.
       
       Mittlerweile sind die Campusbesetzungen stark abgeflaut, was an der
       veränderten politischen Lage, aber auch an der Repression durch
       Uni-Leitungen und die Politik liegt. Für Empörung sorgte 2025 vor allem die
       Entführung von propalästinensischen Studierenden durch maskierte
       ICE-Agenten.
       
       Im Frühsommer nahmen Proteste Fahrt auf. Am 14. Juni fanden landesweit in
       den USA und sogar in anderen Ländern die „[5][No Kings“-Demos] statt, bei
       denen laut Veranstaltern mehr als 5 Millionen Menschen gegen Trumps
       autoritäre Politik auf die Straße gingen. Es war eine „Show of Force“, die
       mit ihrem Motto auf den antimonarchistischen Gründungsmythos der USA
       zurückgriff und somit auch gemäßigte Trump-Gegner einbinden konnte. Also
       eine Art Koalition des kleinsten gemeinsamen Nenners.
       
       ## Wofür stehen Linke und Liberale?
       
       Derweil formierte sich auch ein Protest, der ebenfalls in vielen Regionen
       der USA aufpoppte und sich zugleich an die lokalen Gegebenheiten anpassen
       musste: der [6][Widerstand gegen die Abschieberazzien des Department of
       Homeland Security]. Auch wenn es in Trumps erster Amtszeit und während der
       Biden-Administration ebenfalls Proteste gab, ist jetzt eine neue Qualität
       zu verzeichnen.
       
       Im Februar liefen Aktivisten in Kalifornien Patrouille, um ICE-Beamte
       ausfindig zu machen und gefährdete Menschen zu warnen.
       Bürgerrechtsorganisationen gaben Handbücher heraus, in denen sich Migranten
       über ihre Rechte informieren konnten. Große Suchaktionen in Los Angeles
       führten zu Massenprotesten und auch in anderen Landesteilen zu
       Blockadeaktionen gegen ICE-Teams. [7][In Chicago], [8][Minneapolis und
       vielen anderen Städten setzen die Menschen mittlerweile auf Trillerpfeifen
       als Warnsignal.]
       
       Aktuell ist es besonders dieser Widerstand, der sich rasch formiert und
       neue Taktiken entwickelt. Auch nach der Tötung von [9][Renée Good in
       Minneapolis] gibt es keine Anzeichen, dass sich die Menschen abschrecken
       lassen – trotz der eskalierenden Gewalt durch die Trump-Regierung. Oder
       vielleicht gar deswegen. Für Linke und Liberale könnte es aber zum Problem
       werden, wenn sie nur aus der Defensive agieren und sich gegen die neuesten
       Anmaßungen Trumps zur Wehr setzen. Es wäre an der Zeit, nicht nur darüber
       nachzudenken, wogegen man protestiert. Sondern auch, wofür man eigentlich
       steht.
       
       17 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Womens-March/!t5381258
 (DIR) [2] http://www.newyorker.com/news/the-lede/what-happened-to-the-trump-resistance
 (DIR) [3] /Ein-Jahr-Donald-Trump/!5475719
 (DIR) [4] /Harvard-Praesident-Alan-Garber/!6079153
 (DIR) [5] /No-Kings-Proteste-in-den-USA/!6121668
 (DIR) [6] /Unruhen-in-Los-Angeles/!6090091
 (DIR) [7] /Abschiebe-Razzien-Chicago-war-einst-ein-sicherer-Ort-fuer-Migranten/!6062059
 (DIR) [8] /Nach-Toetung-einer-Aktivistin/!6144887
 (DIR) [9] /Proteste-in-den-USA/!6145461
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Leon Holly
       
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