# taz.de -- Todesschüsse von Minneapolis: Grenzschutz-Einsatzleiter Bovino soll Minneapolis verlassen
       
       > Der ICE-Kommandeur Gregory Bovino ist zum Gesicht der harten
       > US-Migrationspolitik geworden. Nun zieht Trump ihn aus Minnesota ab.
       
 (IMG) Bild: Der „inkompetente, rassistische“ Bovino, wie er hier auf einem Protestplakat beschrieben wird, muss gehen, 26. 01. 2026
       
       ap | Im [1][Streit um die von tödlichen Zwischenfällen überschatteten
       Einsätze von Bundesbehörden in Minnesota] scheint die Regierung von
       Präsident Donald Trump nun einzulenken. Der umstrittene Kommandeur der für
       die Grenzsicherung zuständigen Border Patrol, Gregory Bovino, soll die
       Großstadt Minneapolis gemeinsam mit einigen Bundesbeamten noch am Dienstag
       verlassen, wie die Nachrichtenagentur AP aus informierten Kreisen erfuhr.
       Bovino steht im Zentrum des aggressiven Vorgehens der Trump-Regierung gegen
       Migranten in Städten im ganzen Land.
       
       Minneapolis’ Bürgermeister Jacob Frey bestätigte den Abzug einiger
       Bundesbeamter, die an Razzien der Grenzschutzbehörde CBP und der
       Einwanderungsbehörde ICE beteiligt waren. Er habe Trump in einem Telefonat
       gebeten, die Aktivitäten der Behörden in der Stadt zu beenden, teilte Frey
       mit. Trump habe ihm zugestimmt, dass die aktuelle Situation so nicht
       weitergehen könne. Einige der Beamten würden Minneapolis ab Dienstag
       verlassen, erklärte Frey. Er werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass
       andere ebenfalls gehen müssten.
       
       Nach seinen Verbalattacken auf führende Demokraten im Bundesstaat Minnesota
       schlug Trump überraschend sanfte Töne an. Er habe ein gutes Gespräch mit
       Frey geführt, schrieb er in den sozialen Medien, und: „Viele Fortschritte
       werden erzielt!“
       
       ## Trump sieht sich und Walz auf „ähnlicher Wellenlänge“
       
       Auch mit Minnesotas Gouverneur Tim Walz telefonierte Trump am Montag. „Wir
       schienen tatsächlich auf einer ähnlichen Wellenlänge zu sein“, schrieb
       Trump im Anschluss in einem Post. Walz erklärte, das Gespräch mit Trump sei
       „produktiv“ gewesen. Es sei notwendig, die jüngsten Schusswaffeneinsätze in
       Minneapolis unparteiisch zu untersuchen, betonte der Gouverneur. Trump
       erklärte, seine Regierung suche nach „allen möglichen“ Kriminellen, die im
       Gewahrsam der Behörden in Minnesota seien. Walz entgegnete, die
       Strafvollzugsbehörde des Bundesstaates komme Gesuchen des Bundes zu
       Personen in staatlichem Gewahrsam nach.
       
       Noch tags zuvor hatte Trump den Demokraten in Minnesota vorgeworfen, das
       „Chaos“ verursacht zu haben, in dessen Folge zwei amerikanische Bürger
       getötet worden seien. Anfang Januar wurde die 37 Jahre alte Renée Nicole
       Good in Minneapolis in ihrem Wagen von einem ICE-Beamten erschossen. [2][Am
       Samstag kam dort der gleichaltrige Krankenpfleger Alex Pretti] durch
       Schüsse eines Beamten der Border Patrol ums Leben, als Einwohner gegen das
       harte Vorgehen der Bundesbehörden ICE und CBP gegen Migranten
       protestierten.
       
       ## Scharfe Kritik an Bovino
       
       Der Fall Pretti löste im ganzen Land Empörung aus, auch im Lager von Trumps
       Republikanern. Kritik regte sich vor allem an der Darstellung des Hergangs
       durch Bovino, der das Vorgehen des Schützen öffentlich verteidigte, seine
       Männer als die eigentlichen „Opfer“ bezeichnete und dem Getöteten die
       Schuld an der Eskalation zuwies. In Handyvideos von Augenzeugen ist Pretti
       kurz vor seiner Erschießung mit einem Mobiltelefon in der Hand zu sehen,
       [3][in keiner der Aufnahmen ist eine Waffe in seiner Hand zu erkennen].
       Minneapolis’ Polizeichef Brian O'Hara sagte, Pretti sei ein rechtmäßiger
       Waffenbesitzer mit einer Erlaubnis zum Führen einer Waffe gewesen.
       
       Bovino hat Razzien gegen mutmaßlich irregulär eingereiste Migranten
       geleitet, die in Städten wie Los Angeles, Chicago, Charlotte und
       Minneapolis Massenproteste auslösten. Oft wurden die Einsätze von den
       Bundesbehörden mit dramatischen Bildern in Szene gesetzt, sodass der
       Border-Patrol-Kommandeur inzwischen als das Gesicht von Trumps harter
       Migrationspolitik gilt. Die Border Patrol ist die Polizeitruppe der
       Grenzschutzbehörde CBP und ebenso wie ICE dem Heimatschutzministerium
       unterstellt.
       
       Trump schickte am Montag seinen Grenzschutzbeauftragten Tom Homan nach
       Minnesota. Dieser werde ihm direkt berichten, schrieb Trump in den sozialen
       Medien. Nach Regierungsangaben soll Homan künftig die Einsätze von ICE in
       dem Bundesstaat leiten und „der wichtigste Ansprechpartner vor Ort in
       Minneapolis“ sein. Bürgermeister Frey kündigte für Dienstag ein Treffen mit
       Homan an.
       
       27 Jan 2026
       
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