# taz.de -- Protest bei den Grammys: Die Stimme der Kunst
> Bei der Grammy-Verleihung kritisieren Stars die Trump-Regierung und ICE
> aufs Schärfste. Zeit, dass auch hier Promis gegen die AfD laut werden.
(IMG) Bild: Bad Bunny während der 68. Grammy Awards am Sonntag in Los Angeles
Es klingt wie eine energiegeladene Rede einer Aktivist_in bei den
[1][Protesten in Minneapolis]: „Wir sind keine Wilden, wir sind keine
Tiere, wir sind keine Außerirdischen. Wir sind Menschen und wir sind
Amerikaner.“ Doch die Worte entstammen der Dankesrede des US-Rappers Bad
Bunny bei der Grammy-Verleihung.
Beim wichtigsten Musikpreis der USA wurde sein Album [2][„DeBÍ TiRAR MáS
FOToS“] als bestes des Jahres ausgezeichnet. Dass erstmalig ein
spanischsprachiges Album in der Kategorie abgeräumt hat, blieb an diesem
Abend fast eine Randnotiz. Denn im Zentrum der Verleihung stand dieses Jahr
das Politische und Widerständige.
Denn nicht nur [3][Bad Bunny, der sich seit Langem gegen Donald Trumps
Migrationspolitik positioniert], schimpfte an diesem Abend gegen ICE, die
Einwanderungs- und Grenzschutzbehörde der USA, die ein ganzes Land
terrorisiert. Auch Billie Eilish, die für „Wildflower“ mit dem besten Song
des Jahres ausgezeichnet wurde, kommentierte die aktuelle politische Lage:
„Niemand ist illegal auf gestohlenem Land.“ Und fügte hinzu: „Fuck ICE“.
Die Newcomer-Gewinnerin Olivia Dean wurde in ihrer Kritik an Trumps Politik
persönlich, als sie sagte: „Ich stehe hier als Enkelin einer Einwanderin.
Ich bin das Ergebnis von Mut und ich finde, dass diese Menschen es
verdienen, gefeiert zu werden.“
Dass Prominente in den USA sich öffentlich politisch äußern – sich
beispielsweise für queere Rechte oder gegen Gewalt gegen Frauen aussprechen
–, ist kein Novum. Seit der Präsidentschaft Trumps haben die politischen
Kommentare zugenommen, seit den brutalen Einsätzen des ICE in den
vergangenen Wochen haben sie vermutlich einen neuen Höhepunkt erreicht.
## Ihre Stimme hat Gewicht
Kein Wunder angesichts der grausamen Bilder, die in diesen Tagen um die
Welt gehen. Schweigen und wie gewohnt weitermachen ist keine Option, wenn
[4][ICE-Agent_innen jegliches Gefühl für menschliches Verhalten verloren
haben]: Wenn sie Kinder festnehmen, Menschen brutal aus ihren Häusern
zerren oder auf offener Straße hinrichten. Der Einsatz in Minneapolis
versetzt eine Stadt – ja, ein ganzes Land – in Angst. Menschen
verbarrikadieren sich in ihren Häusern, Kinder werden nicht mehr zur Schule
geschickt. Da ist es nur folgerichtig, dass diejenigen, die eine Stimme
haben, davon Gebrauch machen.
In Zeiten zunehmender Faschisierung braucht es nicht nur Kunst als
Eskapismus und Bewältigungsstrategie, sondern auch die Stimme der
Künstler_innen zum Aufbegehren gegen die Verhältnisse. Und zwar nicht nur,
weil es Trump, wie jetzt bei der Grammy-Verleihung, ärgert, sondern weil
ihre Stimmen Gewicht haben. Sie werden gehört und hallen nach, sie geben
denjenigen Gehör, die Angst haben müssen zu sprechen. Und je stärker die
faschistischen Tendenzen und je lauter die autoritären Stimmen werden,
desto größer muss auch der Widerstand dagegen wachsen.
Auch in Deutschland brauchen wir dieses Widerständige dringend. Denn nur
weil bei uns (noch) nicht solche Zustände wie in den USA herrschen, sollten
uns die Entwicklungen nicht kaltlassen. Vergangene Woche ist [5][das
Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt bekannt geworden]. Es liest sich wie
der feuchte Traum von Trumps kleinem Bruder. Eine Kampfansage gegen
Migrant_innen und für mehr Patriotismus. Da ist von einer „Abschiebe- und
Remigrationsoffensive“ ebenso zu lesen wie von einer „perversen
Regenbogenagenda.“
Überraschend liest sich das Programm nicht, schockierend aber schon –
gerade wenn die rechtsextreme Partei bei den Wahlen im September die
absolute Mehrheit erreichen könnte. Und dann in Sachsen-Anhalt einen
autoritären Umbau des Landes beginnen könnte. Doch Deutschland scheint in
einem Zustand des Desinteresses und der Schockstarre zu verweilen.
Um uns aus diesem Zustand zu befreien, könnten prominente Stimmen helfen.
Könnten aufrufen und unterstützen beim Widerstand der Vielen. Denn noch ist
es nicht zu spät. Noch lässt sich eine absolute Mehrheit der Rechtsextremen
verhindern. Aber das wird nicht passieren, wenn es so leise bleibt.
2 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Carolina Schwarz
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