# taz.de -- AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung: Geschenk für Erika Steinbach
> Die AfD-nahe Parteistiftung hält sich mit Blick auf Fördermittel
> ideologisch gerne bedeckt. Eine Webseite von „Correctiv“ will das nun
> ändern.
(IMG) Bild: Erika Steinbach, Vorsitzende der Desiderius-Erasmus-Stiftung im Februar 2022
Wer etwas über die personelle Zusammensetzung der AfD-nahen
Desiderius-Erasmus-Stiftung wissen will, wird auf deren Website kaum
fündig. Das Kuratorium ist dort nicht abgebildet, ebenso erfährt man über
die politischen Hintergründe der handelnden Personen eher wenig –
ideologische Einordnungen gibt es keine.
Verwunderlich ist das nicht. Die Stiftung, die aktuell auf eine Beteiligung
an staatlichen Fördermitteln pocht, dient einer rechtsextremen Partei, die
es mit Fakten und Transparenz nicht genau nimmt. Auch weil sie staatliche
Fördermittel beantragt hat, will sie sich selbst verharmlosen – und macht
das auch mit Intransparenz.
Ein wenig Licht ins Dunkel bringt seit Dienstagmorgen eine Website unter
der Domain [1][desideriuserasmusstiftung.de]. Das gemeinnützige Medienhaus
Correctiv hat die Adresse gesichert, um dort Informationen über die
politischen Strömungen und das Personal der Stiftung zu veröffentlichen. So
wird sichtbar, wer über bis zu 25 Millionen Euro jährlich verfügen könnte,
falls die Stiftung Fördermittel erhält.
[2][Kritiker*innen] sehen in der politischen Ausrichtung der Stiftung
und ihrer Personalpolitik Gründe, sie nicht zu finanzieren. Die neue
Website sammelt bekannte Informationen über die Zusammensetzung und soll
als Plattform dienen, um weitere Details zu veröffentlichen, die die
Stiftung lieber verschweigen würde.
Hinlänglich bekannt ist bereits die Vorsitzende Erika Steinbach. Die
einstige CDU-Politikerin, die selbst aus einer Vertriebenenfamilie kommt,
hetzt seit einem guten Jahrzehnt vor allem gegen andere Flüchtlinge, sieht
Deutschland auf dem Weg in den Totalitarismus. 2021 trat sie der damals
schon radikalisierten AfD bei.
## Gartenparty mit rechtsextremem Netzwerker
Im Mai 2025 soll Steinbach laut Correctiv eine Gartenparty veranstaltet
haben, an der auch der rechtsextreme Netzwerker und Zahnarzt Gernot Mörig
teilnahm. Mörig gilt als Drahtzieher des Potsdam-Treffens, bei dem sich
AfD-Politiker sowie bekannte Rechtsextremisten über einen Masterplan
„Remigration“ beraten haben. Steinbach hetzte zudem gegen den später
ermordeten CDU-Politiker Walter Lübcke [3][und ließ Mordaufrufe unter ihren
Posts unkommentiert].
Weniger bekannt sind andere Vorstandsmitglieder wie der Vizevorsitzende
[4][Joachim Keiler]. Dieser ist Beisitzer des AfD-Mittelstandsforums, das
2021 in einer Kampagne antisemitisch konnotierte Verschwörungsmythen über
den „Great Reset“ verbreitete. Keiler ist Vizelandesvorsitzender der AfD
Sachsen, die der Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ einstuft.
Auch die Vita des Schriftführers [5][Thore Stein] wirft Fragen auf: Er ist
der Schwiegersohn von Gernot Mörig, sitzt als Abgeordneter im Landtag von
Mecklenburg-Vorpommern und tritt in Podcasts des rechtsextremen Vereins
„Ein Prozent“ auf. Der Verfassungsschutz sieht in ihm einen Netzwerker des
rechtsextremen Vorfelds. Im Landtag vergleicht Stein
geschichtsrevisionistisch die drohenden ukrainischen Gebietsverluste an
Russland mit den deutschen „Gebietsverlusten von 1945“.
In sozialen Medien wirbt Stein für den von Martin Sellner propagierten
Begriff „Remigration“, dessen Konzept das Bundesverwaltungsgericht als
verfassungsfeindlich einstuft. Zudem gehört er der pflichtschlagenden Alten
Breslauer Burschenschaft der Raczeks an, die für ihre Verbindungen zur
extremen Rechten und zur rechtsradikalen Deutschen Burschenschaft bekannt
ist.
## Absichtlich intransparent: das Kuratorium
Undurchsichtiger wird es dann beim Kuratorium. [6][Karlheinz Weißmann],
Mitbegründer des extrem rechten Instituts für Staatspolitik und einer der
langjährigen Ideologen der völkisch-nationalistischen neuen Rechten, saß
2021 dem Kuratorium vor. Danach nahm die Stiftung die Zusammensetzung des
damals rechten großen Gremiums von der Website, Änderungen sind seither
allerdings nicht bekannt geworden.
Dass Weißmann der Vorsitzende war oder ist, verdeutlicht jedenfalls
ideologische Grundtendenzen des Kuratoriums: Er soll die BRD als „Staat
linksgrüner Gesinnungstherapeuten“ bezeichnet und für „politische Mimikry“
plädiert haben, um Anschlussfähigkeit zu wahren und „im Zweifel eher
verfassungskonform“ aufzutreten. Demokratischen Pluralismus würde Weißmann
ablehnen, sich stattdessen an autoritären Vordenkern des
Nationalsozialismus wie Carl Schmitt oder auch NS-Apologeten wie Armin
Mohler orientieren.
Correctiv vermutet zudem, dass der als prorussischer Aktivist geltende
[7][Jurij Kofner] Mitglied der Stiftung ist. Dieser ist Mitarbeiter eines
AfD-EU-Parlamentariers und wurde an der Moskauer MGIMO-Universität
ausgebildet, einer Kaderschmiede des russischen Außenministeriums. Er weist
Vorwürfe zurück, ein „Russland-Lobbyist“ zu sein.
Bevor der Erasmus-Stiftung die Zusammensetzung des Kuratoriums von ihrer
Website nahm, waren dort rund 30 Personen vertreten. Darunter befanden sich
der Werteunion-Politiker Max Otte, die ins Verschwörungsspektrum
abgedriftete ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Angelika Barbe, der
AfD-Bundestagsabgeordnete und Russlandreisende Rainer Rothfuß, der
AfD-Mitgründer und Ökonom Joachim Starbatty sowie der AfD-Anwalt Ulrich
Vosgerau.
16 Dec 2025
## LINKS
(DIR) [1] http://desideriuserasmusstiftung.de/
(DIR) [2] /Jurist-ueber-moegliches-Stiftungsgesetz/!5914330
(DIR) [3] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_85876452/erika-steinbach-fachte-hass-auf-walter-luebcke-neu-an.html
(DIR) [4] https://www.desideriuserasmusstiftung.de/joachim-keller
(DIR) [5] https://www.desideriuserasmusstiftung.de/thore-stein
(DIR) [6] https://www.desideriuserasmusstiftung.de/karlheinz-weissmann
(DIR) [7] https://www.desideriuserasmusstiftung.de/jurij-kofner
## AUTOREN
(DIR) Gareth Joswig
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