# taz.de -- Polizei bei Autobahnblockaden: Bauern hui, Klimaaktivisten pfui
> In Brandenburg durften Bauern am Freitag wieder Autobahnauffahrten
> blockieren. Klimaaktivisten werfen der Polizei Doppelmoral vor.
(IMG) Bild: Landwirte mit Traktor, Deutschlandfähnchen und Polizeibetreuung an einer Auffahrt zur A10
Die Polizei in Brandenburg hat am Freitag erneut [1][Blockaden von
Autobahnauffahrten durch Bauern] mit Traktoren zugelassen. „Es gab
Versammlungsanmeldungen“, sagte Lea Enzenroß, Sprecherin des
Polizeipräsidiums Brandenburg, der taz. Von Verboten sei ihr nichts
bekannt. Genauso sei es bei ähnlichen Aktionen vor zwei Wochen gewesen. „Es
gab damals die Auflage, dass nur Autobahnauffahrten blockiert werden.“ Wenn
auch Abfahrten zugestellt worden wären, hätte eine „Gefahr von
Verkehrsunfällen bei Rückstau“ existiert. Demonstrationen müssen in
Brandenburg bei der Polizei angemeldet werden.
Bei den Straßenblockaden der Klimagruppe Letzte Generation von 2021 bis
2024 in Deutschland dagegen war die Polizei rigoroser vorgegangen. „Wir
haben auch immer wieder einzelne Aktionen angemeldet. Und da mussten wir
erleben, dass die in den allermeisten Fällen einfach nicht genehmigt
wurden, insbesondere nicht auf Straßen“, sagte Marius Schneider,
Pressesprecher des „Widerstandskollektivs“, einer der beiden
Nachfolgeorganisationen der Letzten Generation. Er war nach eigenen Angaben
seit 2022 selbst bei der Letzten Generation aktiv.
„Die Polizei war in vielen Fällen leider auch gewalttätig gegenüber den
Protestierenden“, sagte Schneider. Zum Beispiel seien „Schmerzgriffe“
angewendet worden, die das [2][Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg]
gerade für unverhältnismäßig erklärt habe.
Schneider kritisierte, dass die Polizei mit zweierlei Maß messe, wenn es um
Blockaden durch Bauern und durch Klimaaktivisten gehe. „Wir sind mit
vergleichbaren Aktionen auf eine ganz andere Stimmung gestoßen.“ Diese
Diskrepanz fällt umso mehr auf, als die „Klimakleber“ die Wahl ihres
Demonstrationsortes auf den Straßen im Gegensatz zu den Bauern auch
inhaltlich begründen konnten. Der Autoverkehr sei einer der Sektoren, die
am meisten Kohlendioxid ausstoßen, sagte Schneider.
## Aktionen gegen Agrarpolitik
Die Bauernblockaden dagegen richten sich vor allem gegen die Agrarpolitik
und das EU-Handelsabkommen mit vier Staaten der südamerikanischen
Mercosur-Gruppe. Was dieses Anliegen mit Autobahnauffahrten zu tun hat,
bleibt unklar. Eine Mitteilung der Organisatoren der Blockaden am 8. Januar
ließ diese Frage offen. Das trifft auch auf ein Video der Wortführer der
Aktionen am Freitag zu.
In Mecklenburg-Vorpommern hatten die Behörden Anfang Januar Blockaden durch
Bauern verhindert. Ein Landratsamt etwa verbot eine geplante Aktion auf der
A 11, was das [3][Verwaltungsgericht Greifswald] bestätigte. „Versammlungen
auf Bundesfernstraßen“ seien „wegen der damit verbundenen erheblichen
Gefahren grundsätzlich nur unter engen Voraussetzungen möglich“, erklärte
das Gericht. „In dem vorliegenden Fall“ habe der Antragsteller „keinen
hinreichenden Sachbezug des Versammlungsthemas zum Versammlungsort
vorgetragen“.
Das Risiko von Unfällen bei Autobahnblockaden ist real: Am 10. Januar 2024
war ein [4][Lkw-Fahrer ums Leben gekommen], nachdem er auf der A 66 in der
Nähe von Fulda mit seinem Laster auf das Ende eines Staus aufgefahren war,
der sich wegen eines Bauernprotests auf der Autobahn gebildet hatte.
## Nur wenige Teilnehmer
Auf das Verhalten der Behörden in Mecklenburg-Vorpommern angesprochen,
antwortete die Brandenburger Polizeisprecherin Enzenroß: „Zu anderen
Bundesländern kann ich mich nicht äußern.“ Warum wurden Blockaden der
Klimaaktivisten verboten und die der Bauern nicht? „Das kann man so
allgemein nicht sagen. Jede einzelne Anmeldung wird geprüft. Das ist immer
eine Einzelfallentscheidung“, sagte die Sprecherin.
An den Aktionen in Brandenburg beteiligten sich [5][nur wenige Menschen].
Denn zu den Blockaden hatten lediglich kleinere Gruppen aufgerufen, nicht
der dominierende Landesbauernverband Brandenburg. An den Aktionen am 8.
Januar war der Bauernbund Brandenburg, der sich als Landesgruppe der
„Freien Bauern“ bezeichnet, und „Land schafft Verbindung
Mecklenburg-Vorpommern“ beteiligt.
Am Freitag riefen die Landwirte Thomas Essig und Mario Ortlieb auf, der zum
Bauernbund zählt. In einem [6][Youtube-Video] der beiden sagte Essig, es
gehe nicht nur um die Bauern, sondern allgemein um die „politischen
Verhältnisse“, beispielsweise um Steuern „an diese Verbrecher, die wir
gerade haben, die da die Kohle aus dem Fenster werfen für Sachen, die uns
eigentlich zugutekommen müssen“. Unmittelbar danach ergänzte Essig,
Friedensfahnen seien bei den Demonstrationen auch willkommen.
23 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Aktionen-in-mehreren-Bundeslaendern/!6144038
(DIR) [2] /Fragwuerdige-Polizeitaktiken/!6145396
(DIR) [3] https://www.mv-justiz.de/gerichte-und-staatsanwaltschaften/fachgerichte/verwaltungsgerichte/verwaltungsgericht-greifswald/Aktuelles/?id=217038&processor=processor.sa.pressemitteilung
(DIR) [4] https://www.spiegel.de/panorama/hessen-bauernproteste-auf-a66-lkw-faehrt-auf-stauende-fahrer-toedlich-verletzt-a-f5ab57e7-86a2-437d-a6df-182f0401b8a7
(DIR) [5] https://www.moz.de/lokales/erkner/bauernprotest-a10-in-erkner-so-laeuft-die-demonstration-an-der-autobahn-auffahrt-78596336.html
(DIR) [6] https://www.youtube.com/watch?v=ujzieM5o2k8
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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