# taz.de -- Journalisten auf Grönland: Deutscher Humor zündet nicht
> Der deutsche Extra-3-Satiriker Maximilian Schafroth wollte in Grönland
> eine US-Flagge hissen – nicht witzig, fanden die Grönländer. Zu Recht.
(IMG) Bild: Schlechter Witz: Der deutsche Komiker Maxi Schafroth versucht am 28.1. 2026 in der Stadt Nuuk eine amerikanische Flagge zu hissen
Wenn ich als Deutscher ins Ausland reise, kommt es öfter vor, dass ich mich
dort für meine Landsleute schäme. Auf meiner aktuellen Grönlandreise aber
hat der Landsleutescham eine neue Stufe erreicht.
In der Hauptstadt Nuuk, wo ich derzeit weile, hat der Extra-3-Comedian
Maximilian Schafroth am Mittwochnachmittag versucht, [1][auf einem
zentralen Platz eine US-Flagge an einem Fahnenmast hochzuziehen], bis er
von Passanten daran gehindert wurde. Schafroth musste ein Bußgeld zahlen.
Unter Grönländern sorgen Videos von dem gescheiterten Flaggenaufzug für
Empörung in den sozialen Medien.
Ein foreshadowing dieser Heimatscham habe ich noch vor dem Vorfall am
frühen Mittwochnachmittag erlebt. Ich war gerade mit einigen Leuten im
Stadtzentrum unterwegs, und eine Grönländerin aus Nuuk wollte gerade
ansetzen, um uns etwas zu erzählen. In dem Moment gingen Schafroth und sein
NDR-Kamerateam auf eine Gruppe Kinder und junger Jugendlicher zu, um sie in
lautem US-akzentuierten Englisch zu fragen, ob sie die USA nicht auch toll
fänden. Wer das denn sei, fragte die Frau im Weitergehen. „Ich kenne den
Mann nicht“, entgegnete ich wahrheitsgemäß (durchaus beschämt), „aber
offenbar ist das ein deutscher Comedian, der einen Ami mimt.“
## Deutsche Satire ist nicht lustig
Die Menschen in Grönland finden also gerade raus, was viele Deutsche schon
länger wussten: dass deutsche Satire nicht lustig ist. Und dass einige
ihrer Vertreter wohl auch kein Gespür für den richtigen Witz zur richtigen
Zeit am richtigen Ort haben. „Wenn du unsere Werte nicht respektierst,
wieso bist du dann in Nuuk?!“, schrieb der [2][Influencer Orla Joelsen in
einem Post auf X], der über eine Million mal gesehen wurde. Schafroth hat
sich mittlerweile bei den Grönländern entschuldigt. Er habe eingesehen,
dass der Gag nicht funktioniert hat.
Das hätte ihm in der Tat auch vorher einfallen können. Ich selbst bin seit
ein paar Tagen als Reporter in Nuuk unterwegs und wusste schon im
Vorhinein, wie gestresst und verunsichert die Bevölkerung seit den
Invasionsdrohungen aus Washington ist. Als in Nuuk am Samstagabend
großflächig der Strom ausfiel, dachten viele im ersten Moment, die USA
bombardierten jetzt doch das Land. Erst etwas später erfuhren sie, dass nur
ein Sturmschaden nahe dem Wasserkraftwerk für den Blackout verantwortlich
war.
## Journalistenschwärme auf der Insel
Zudem schwärmen seit Wochen und Monaten Journalisten nach Grönland. Viele
Bewohner, besonders in der 20.000-Einwohner-Hauptstadt, fühlen sich dadurch
geradezu belagert – zumal ihnen oft immer wieder die gleichen Fragen
gestellt werden. Um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, muss man erst mal
Vertrauen aufbauen. Gespräche mit Politikern oder Experten sind schwer zu
bekommen angesichts der Aufmerksamkeit aus der ganzen Welt.
Die Bürgermeisterin der Gemeinde Sermersooq, die Nuuk einschließt,
veröffentlichte am Donnerstag ein Statement auf Englisch, das sich an
internationale Journalisten richtet. „Sie müssen sich bewusst machen,
welchen immensen Schaden Sie den Menschen hier beiläufig zufügen“, schrieb
Avaaraq Olsen mit Blick auf die Satireaktion. Sie wies ferner darauf hin,
dass man Kinder nicht ohne das Einverständnis ihrer Erziehungsberechtigten
filmt, was eigentlich auch in Deutschland zu den absoluten Basics
journalistischer Praxis gehört.
Trotz allem soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass die Grönländer nur
passive Opfer sind. Im Gegenteil haben sie in der Krise eine beeindruckende
Renitenz und Widerstandskraft an den Tag gelegt, wobei eine ihrer Waffen
gerade der Humor ist. In einem [3][viralen Clip] des dänischen Senders DR
P3 nehmen sie dabei nicht nur Trump aufs Korn, sondern gleichzeitig auch
sich selbst, und ihr schwieriges Verhältnis mit Dänemark nicht so ernst.
Selbst „der Ami in Grönland“ kann unter den aktuellen Umständen
funktionieren, wenn man es denn richtig macht. So war der kanadische
Comedian Mark Critch vor Kurzem in Nuuk unterwegs, verkleidet als Donald
Trump. Dieser Trump trifft auf seiner Reise verschiedene Menschen, die er
von einem Deal überzeugen will – mit wenig Erfolg, versteht sich. Hier geht
der Witz ganz klar auf Kosten des bullys. Zudem wussten Critchs
Gesprächspartner vorab genau, worauf sie sich einließen.
Nachdem der Grönlandgag von Extra 3 also nicht gezogen hat, muss jetzt
vielleicht ein anderer Dreh her. Vom Flughafen der Hauptstadt Nuuk kommt
man recht fix in die USA, etwa nach New York. Von dort ist es auch nicht
mehr so weit nach Minneapolis. Wie wäre es, wenn ein Comedian sich mal
daran versuchen würde, dort vor dem Hauptquartier der Abschiebebehörde ICE
die Grönlandflagge zu hissen. Obwohl, vielleicht lassen wir die Arktisinsel
und ihre Bewohner mal aus dem Spiel und nehmen lieber die Pride- oder die
Black-Lives-Matter-Flagge.
Das hätte sicherlich einen gewissen Unterhaltungswert. Es wäre allerdings
nicht ganz so ungefährlich wie ein Witz auf Kosten der Grönländer.
30 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/kritik-an-deutschem-satiriker-wegen-us-flagge-auf-groenland-100.html
(DIR) [2] https://x.com/OJoelsen/status/2016600601874853929?s=20
(DIR) [3] https://www.instagram.com/p/DT7ZjExCKAi/
## AUTOREN
(DIR) Leon Holly
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