# taz.de -- Trump-Auftritt in Davos: Er will einfach nur Grönland haben
       
       > Beim Weltwirtschaftsforum macht der US-Präsident deutlich: Er bleibt bei
       > seinem Anspruch auf Grönland. Doch seine Zolldrohung macht er am Abend
       > rückgängig.
       
 (IMG) Bild: Not so great Television: Ausdauernd sprach US-Präsident Trump am Mittwoch in Davos
       
       US-Präsident Donald Trump hat bei seinem Auftritt auf dem
       Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos seinen Anspruch erneuert,
       Grönland zu einem Teil der USA zu machen. Die Insel liege in einer
       „Schlüsselposition“, könne nur von den USA verteidigt werden und sei
       deshalb wichtig für die „nationale Sicherheit“, sagte er am
       Mittwochnachmittag. Allerdings müsse er „nicht Gewalt nutzen“, sagte Trump,
       man könne das Territorium auch „kaufen“.
       
       Nicht alles, aber doch fast alles dreht sich beim diesjährigen
       Weltwirtschaftsforum in der Schweiz um den US-Präsidenten. Es gibt zwar
       auch interessante Podiumsdiskussionen über künstliche Intelligenz,
       Energiepolitik und Welthandel, doch wichtiger erschien am Mittwoch: Wann
       landet der Hubschrauber mit Trump an Bord, wann hält er seine Rede, wie
       sieht seine nächste Attacke auf die bisherige Weltordnung aus?
       
       Der zentrale inhaltliche Punkt des Kongresses ist momentan folgerichtig:
       Grönland. Der Autokrat aus Washington beansprucht die größte Insel der
       Welt, die zum EU- und Nato-Staat Dänemark gehört. Deutschland, Frankreich,
       Großbritannien und weiteren Ländern, die dagegen protestieren, droht Trump
       mit zusätzlichen Strafzöllen auf Importe in die USA ab 1. Februar. Vor
       seiner Abreise nach Davos sagte Trump, er werde in dem Schweizer Skiort
       Gespräche über Grönland führen und sei optimistisch, eine Einigung mit den
       europäischen Nato-Partnern zu erzielen.
       
       Am Abend gab Trump dann auch auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social
       bekannt, dass eine Vereinbarung erzielt worden sei. Konkrete Details nannte
       er allerdings nicht.
       
       ## Langatmiges Selbstlob
       
       In seiner langatmigen, mäandernden, vor Selbstlob strotzenden Rede erklärte
       der US-Präsident, keine andere Macht auf der Welt dürfe die Möglichkeit
       haben, in die „westliche Hemisphäre“ einzudringen: „Das ist gut für uns,
       das ist gut für Europa.“ Eine Bedrohung der Nato stelle dieser Anspruch
       nicht dar.
       
       [1][„Wir haben nichts von der Nato bekommen“, wiederholte Trump zudem immer
       wieder in seinen rund 90-minütigen Ausführungen, „wir haben immer nur
       bezahlt“.] Als Gegenleistung „wollen wir jetzt einfach nur Grönland haben“.
       Das sei auch nötig, damit die USA dort einen „Golden Dome“ errichten
       könnten, ein Raketenabwehrsystem. Damit würde auch Kanada verteidigt.
       Natürlich, sagte Trump, könnten die anderen Staaten zu diesem Ansinnen
       „Nein“ sagen. „Aber das werden wir uns merken“, sagte Trump.
       
       Die Reaktionen der Nato- und EU-Staaten auf derlei Ansagen bewegen sich
       zwischen Zurückweisung der US-Ansprüche, Plädoyers für die eigene Stärke,
       und Verhandlungsangeboten. Derzeit hat Frankreichs Staatspräsident Emmanuel
       Macron die Rolle, diese Gegenwehrstrategie gegen Trumps Drohungen
       anzuführen. Zusammen mit anderen europäischen Staaten entsandte er nicht
       nur eine erste Delegation von Elitesoldaten nach Grönland als Signal, dass
       es Europa ernst ist mit der Stärkung Grönlands. Macron kündigte auch eine
       Verstärkung durch Truppen aller Waffengattungen an.
       
       ## SMS unter „Freunden“
       
       Eine SMS von Macron an Trump – mit deren Veröffentlichung der US-Präsident
       seinen Kollegen am Dienstag dann jedoch bloßstellte – tönte wiederum
       konziliant: Unter „Freunden“ sollte man doch miteinander reden können, ohne
       bei Differenzen gleich mit Strafzöllen zu drohen. Macron hatte für
       Donnerstag einen Pariser Gipfel im G7-Format angeregt. Und damit es
       freundschaftlich klang, folgte noch eine Einladung zum Dinner im
       Élyséepalast vor Trumps Rückflug – wobei es zu beidem nun wohl nicht kommen
       wird.
       
       [2][Macrons freundschaftlicher SMS-Tonfall wiederum kontrastiert mit seinem
       Vorpreschen in der EU]. Er schlägt vor, die EU solle das
       Antizwangsinstrument (ACI), die „Bazooka“, aktivieren. Damit könnte
       notfalls zum Beispiel der Import bestimmter US-Produkte in die EU
       verhindert werden.
       
       Währenddessen wollte sich Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Davos nicht
       öffentlich zu den Spannungen äußern. Trump und andere Staats- und
       Regierungschefs hätten jedoch recht, dass mehr getan werden müsse, um die
       Arktis vor russischem und chinesischem Einfluss zu schützen, sagte Rutte.
       „Wir arbeiten daran und stellen sicher, dass wir die Arktisregion gemeinsam
       verteidigen.“
       
       ## „Total bescheuert“
       
       Mehrere US-Gouverneure zeigten sich in Davos besorgt über die
       Besitzansprüche ihres Präsidenten. „Das Grönlandvorgehen ist total
       bescheuert“, sagte der demokratische Gouverneur des Bundesstaats Kentucky,
       Andy Beshear. Innerhalb eines Jahres habe Präsident Trump die USA vom
       Anführer der freien Welt zum „Rüpel auf dem Schulhof“ gemacht. Die
       US-Amerikaner seien gegen eine Übernahme Grönlands.
       
       Weite Passagen der Rede widmete Trump seinen tatsächlichen oder
       vermeintlichen Erfolgen. „Die Inflation ist besiegt“, behauptete er. Sie
       betrug 2025 in den USA allerdings tatsächlich 2,8 Prozent, während es im
       Euroraum nur 2,1 Prozent waren. Das Wirtschaftswachstum sei so hoch
       gewesen, wie „es noch nie ein Land gesehen hat“. Tatsächlich waren es 1,9
       Prozent. China brachte es auf 5 Prozent. In seiner Heimat seien „die Leute
       sehr glücklich mit mir“, glaubt der Präsident. Überall würden neue
       Stahlfabriken gebaut, er habe 270.000 „Bürokraten“ aus dem Staatsdienst
       geworfen. Für jedes neue Gesetz würden 100 alte abgeschafft. Die
       Benzinpreise sänken, weil man viel mehr Erdöl produziere als vorher.
       
       „Ich war sehr klug“, so Trump. Großbritannien empfahl er, ebenfalls auf Öl
       zu setzen: Unter der Nordsee lägen noch Erdgas und Öl „für 500 Jahre“. Und
       „Windmühlen“, sagte Trump, und meinte Windräder: Die seien nur etwas für
       „Verlierer“.
       
       21 Jan 2026
       
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