# taz.de -- Mark Rutte in Washington: Trump setzt Natopartner unter Druck
       
       > Der Ruf von Nato-Generalsekretär Rutte als Trump-Flüsterer ist
       > angeknackst. Bei jüngsten Treffen fordert der US-Präsident baldige
       > Unterstützung im Irankrieg.
       
 (IMG) Bild: Vielen ist er zu unterwürfig: Mark Rutte schüttelt am 8. April die Hand von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth im Weißen Haus
       
       In der Nato-Zentrale in Brüssel genießt Generalsekretär Mark Rutte einen
       ganz besonderen Ruf. Der Niederländer gilt als Trump-Flüsterer – als einer
       der wenigen Europäer, die US-Präsident Donald Trump verstehen und
       besänftigen können. Entsprechend groß waren die Erwartungen, als Rutte
       [1][am Mittwoch nach Washington] flog, um Trumps neueste Bombe zu
       entschärfen: die Drohung mit dem Nato-Austritt.
       
       Doch nach der „sehr offenen Diskussion zwischen zwei Freunden“ (Rutte)
       hängt der Haussegen in der Militärallianz immer noch schief. Trump drohte
       zwar nicht mehr offen mit dem Austritt der USA. Stattdessen grub „Daddy“,
       wie Rutte seinen obersten Boss in Washington nennt, wieder die Streitaxt im
       Kampf um Grönland aus. Und auch der Ärger um den Irankrieg spitzt sich
       weiter zu.
       
       „Die Nato war nicht da, als wir sie brauchten, und sie wird auch nicht da
       sein, wenn wir sie wieder brauchen“, schrieb Trump nach Ruttes Visite auf
       seiner Plattform Truth Social. Die Verbündeten sollten sich an Grönland
       erinnern, das er als „großes, schlecht verwaltetes Stück Eis“ bezeichnete.
       Rutte war es gelungen, [2][den Grönland-Konflikt] zu entschärfen, nun
       könnte er wieder aufflammen.
       
       Trump sei „eindeutig enttäuscht“ über die Nato und mehrere Partnerstaaten,
       sagte Rutte dem US-Sender CNN nach seinem offenbar hitzigen Treffen mit
       Trump. Auf Grönland ging der Niederländer nicht ein. Rutte und Trump hatten
       bei ihrem Gespräch Stillschweigen vereinbart – ein ungewöhnliches
       Verfahren, das eigentlich nur dann eingesetzt wird, wenn es wirklich ernste
       Probleme gibt.
       
       ## Kritik an Ruttes unterwürfigem Kurs
       
       Kommt es jetzt zum Bruch in den transatlantischen Beziehungen? Trump spiele
       mit dem Gedanken, US-Truppen aus Spanien oder aus Deutschland abzuziehen,
       berichtete das Wall Street Journal. So könnten US-Soldaten aus bestimmten
       Ländern abgezogen werden, die im Irankrieg wenig geholfen hätten, und in
       Ländern stationiert werden, die die US-Angriffe stärker unterstützt hätten.
       
       Die Nato stecke in der „schlimmsten Krise“ ihrer Geschichte, warnt der
       frühere US-Botschafter beim Nordatlantik-Pakt, Ivo Daalder. Die letzten
       sechs Wochen des Irankriegs seien „außerordentlich schädlich“ gewesen,
       sagte Daalder dem Sender Euronews in Brüssel. Trumps Drohungen hätten die
       Nato erschüttert und das militärische Beistandsversprechen infrage
       gestellt.
       
       Auch Ruttes Ruf als „Wunderheiler“ der Nato hat gelitten. Das liegt nicht
       nur daran, dass sich einige europäische Alliierte wie Spanien den USA
       widersetzt und die Nutzung ihrer Militärbasen verweigert haben. Es liegt
       auch am allzu unterwürfigen Kurs des Nato-Generalsekretärs. So hatte Rutte
       den US-Angriff auf Iran begrüßt und versprochen, Trump bei der Sicherung
       der Straße von Hormus zu helfen.
       
       Dieses voreilige Versprechen, getroffen noch vor Beginn der Waffenruhe,
       fällt nun auf die Alliierten zurück. Mehrere Länder – darunter Deutschland,
       Frankreich, Großbritannien und Kanada – haben sich tatsächlich bereit
       erklärt, zur „Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus
       beizutragen“. Doch wie dieser Beitrag aussehen kann und welche Rolle die
       Nato dabei spielt, ist völlig offen.
       
       ## Merz erteilt Trumps Forderungen eine Absage
       
       Trumps Forderung nach Entsendung von Kriegsschiffen oder anderen
       militärischen Kapazitäten in den nächsten Tagen käme einem Ultimatum
       gleich, hieß es laut Spiegel von mehreren europäischen Diplomaten nach
       Ruttes Treffen mit Trump.
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz hat dem derweil eine Absage erteilt. „Von uns
       sind innerhalb weniger Tage keine Entscheidungen zu erwarten“, sagte Merz
       am Donnerstag bei einem Pressestatement. Er habe in seinem Telefonat mit
       Trump am Mittwoch nochmals klargemacht, dass die Bundesregierung nach
       Friedensschluss zur Unterstützung bereit sei. Voraussetzungen dafür seien
       ein internationales Mandat, am besten vom UN-Sicherheitsrat, und ein
       Beschluss des Bundestags.
       
       Merz kündigte zudem an, dass Deutschland direkte Gespräche mit dem Iran
       wieder aufnehmen werde. Und er kritisierte das Vorgehen Israels im Libanon:
       „Die Härte, mit dem Israel dort Krieg führt, könnte den Friedensprozess als
       ganzes zum scheitern bringen.“
       
       9 Apr 2026
       
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       rückgängig.