# taz.de -- Grüne streiten über Mercosur: „Nicht happy“
> Bundes-Grüne kritisieren die EuGH-Anrufung ihrer deutschen
> Kolleg:innen im EU-Parlament. Sie befürchten negative Auswirkungen auf
> die Landtagswahlen.
(IMG) Bild: Nicht das Signal der „Entschlossenheit und Stärke, das ich mir auch gewünscht hätte“: Grünenchef:innen Banaszak und Brantner
dpa | Die deutschen Grünen-Abgeordneten im EU-Parlament bekommen für ihr
[1][Abstimmungsverhalten zum Mercosur-Handelsabkommen] Gegenwind aus der
eigenen Partei. Die EU-Abgeordneten der deutschen Grünen stimmten
mehrheitlich dafür, das EU-Abkommen mit vier südamerikanischen Ländern vom
Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) überprüfen zu lassen: acht
votierten dafür, zwei dagegen, einer enthielt sich.
Bemerkenswert ist dabei die gemeinsame Abstimmung mit Rechtsaußenparteien.
Bei früheren Abstimmungen hatten die Grünen die Europäische Volkspartei
(EVP), zu der auch CDU und CSU gehören, für gemeinsame Abstimmungen mit
Rechtsaußen scharf kritisiert.
„Dass einige Grüne gemeinsam mit AfD und Linken das Inkrafttreten des
Mercosur-Abkommens in der aktuellen politischen Lage verzögern, ist
politisch dumm und instinktlos“, sagte der Erste Parlamentarische
Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, der Rheinischen
Post.
Grünen-Chef Felix Banaszak mühte sich im Deutschlandfunk um
Schadensbegrenzung. [2][Er sei „nicht happy“ über das Ergebnis.] „Aber man
sollte da jetzt auch keine falschen Allianzen herbeireden, die es an der
Stelle nicht gab.“ Über die Abstimmung insgesamt sagte er: „In der
aktuellen Zeit (…) sendet es nicht das Signal der europäischen
Entschlossenheit und Stärke, das ich mir auch gewünscht hätte.“
## Özdemir: „Ernst der Lage nicht verstanden“
Banaszak sprach sich ebenso wie seine Co-Parteichefin Franziska Brantner
dafür aus, das Freihandelsabkommen mit dem Staatenbund Mercosur trotz
Anrufung des EuGH vorläufig in Kraft zu setzen. Das wollen auch die
deutschen Grünen im EU-Parlament unterstützen.
Für die Grünen in Deutschland kommt das alles in einem Jahr mit fünf
Landtagswahlen zur Unzeit – die erste davon im März im Autoland
Baden-Württemberg, wo die Grünen ihren einzigen Ministerpräsidentenposten
zu verlieren drohen.
Entsprechend scharf reagierte ihr dortiger Spitzenkandidat Cem Özdemir.
„Offensichtlich haben noch immer zu viele den Ernst der Lage nicht
verstanden. Europäische Souveränität muss sich im konkreten Handeln
beweisen, die Zeit für wohlfeile Lippenbekenntnisse ist vorbei“,
kritisierte er auf X.
Selbst der langjährige Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin, der
anders als Realo Özdemir dem linken Parteiflügel angehört, zeigte sich
entsetzt. „Ohne Kompass“, schrieb er auf X. Acht deutsche Grüne hätten dazu
beigetragen, „dass rechte Bauernlobby und Anti-Europäer mit 10 Stimmen
Mehrheit einen Schritt zu mehr Souveränität der EU blockieren konnten“.
Auch Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur zeigte sich
unzufrieden. „Ich bedauere, dass das Europäische Parlament diese
Gelegenheit hat verstreichen lassen“, sagte die Grünen-Politikerin.
22 Jan 2026
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