# taz.de -- EU-Handelsabkommen mit Mercosur: Größter Freihandelsraum startet
       
       > Am 1. Mai tritt das EU-Abkommen mit den Mercosur-Staaten vorläufig in
       > Kraft. Industrievertreter sind erleichtert, NGOs kritisieren den Schritt.
       
 (IMG) Bild: „Nein zu Mercosur“: Demonstration in Madrid gegen das Freihandelsabkommen im Februar
       
       Das EU-Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten
       Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay ist am Freitag [1][vorläufig
       in Kraft getreten]. Es schafft schrittweise zahlreiche Zölle auf beiden
       Seiten ab. Damit wird der weltweit größte Freihandelsraum mit über 700
       Millionen Menschen geschaffen. Beide Seiten hatten über den Vertrag ein
       Vierteljahrhundert verhandelt.
       
       Alle vier südamerikanischen Staaten haben das Abkommen bereits ratifiziert.
       In der EU muss das Europaparlament noch zustimmen. Die Parlamentarier
       hatten den Handelsvertrag kurz nach Abschluss der Verhandlungen [2][für
       eine juristische Prüfung an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) verwiesen].
       Sie kritisieren, dass die EU-Kommission mit der Spaltung des Abkommens
       nationale Parlamente umgehe.
       
       Profiteure des Abkommens sind etwa europäische Exporteure von Autos und
       chemischen Produkten. Die Mercosur-Länder liefern hauptsächlich
       landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe.
       
       Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und
       Handelskammer (DIHK) begrüßte in einer Mitteilung am Mittwoch das
       vorläufige Inkrafttreten des Vertrags. „Wichtig ist es, dass die
       vereinbarten Erleichterungen schnell und verlässlich von allen Seiten
       umgesetzt werden. Dann können mehr Unternehmen die Chancen nutzen“, erklärt
       Treier. Außerdem müssten nun weitere Abkommen mit Indien, Indonesien und
       Mexiko vorangebracht werden.
       
       ## Kritik von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen
       
       Kritik kam von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen: „Die
       Vorab-Inkraftsetzung des umstrittenen EU-Mercosur-Abkommens, ohne die
       Entscheidung des Europäischen Parlaments und die Prüfung durch den
       Europäischen Gerichtshof abzuwarten, ist nicht nur kurzsichtig, sondern
       demokratieschädlich“, erklärte Ludwig Essig, Koordinator des Netzwerks
       gerechter Welthandel in einer Mitteilung.
       
       Mit Blick auf die Kritik des länderübergreifende lateinamerikanische
       Gewerkschaftsdachverband CCSCS am Abkommen, dass die Übermacht europäischer
       Exporteure kritisierte und einen Deindustrialisierungsprozess in Südamerika
       befürchtet, kommentiert Jan Pehrke, von der Zivilorganisation Coordination
       gegen BAYER-Gefahren: „Es ist ein Hohn, dass der Handelskontrakt
       ausgerechnet am 1. Mai vorläufig in Kraft tritt“ – dem internationalen Tag
       der Arbeit.
       
       Und Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker, Gesellschaft für
       bedrohte Völker warnte, Indigene Gemeinschaften drohten zu den größten
       Verlierern dieses Abkommens zu werden: „Während in Europa über
       wirtschaftliche Vorteile diskutiert wird, nehmen vor Ort Landverlust,
       Vertreibung und Umweltzerstörung zu. Aus indigenen Territorien wird
       wirtschaftlicher Profit gezogen, ohne dass die Gemeinschaften fair in
       Entscheidungen einbezogen werden.“
       
       1 May 2026
       
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