# taz.de -- Trumps Imperialismus: Selbst die MAGA-Wähler wollen keinen Krieg um Grönland
       
       > Trump findet selbst in seiner eigenen Anhängerschaft kaum Zustimmung für
       > seine Annexionspläne. Viele sind gegen einen Einmarsch in Grönland.
       
 (IMG) Bild: Protest gegen die Grönland-Pläne von US-Präsident Trump vor dem US-Konsulat in Nuuk
       
       Es ist kaum zu überhören: Donald Trump will Grönland haben. Leider gibt es
       keinen Grund zu glauben, dass es der US-Präsident damit nicht ernst meint.
       Aber das bedeutet noch nicht, dass es wirklich zu einem erpresserischen
       Deal oder zu einer Militärinvasion kommen wird.
       
       So gibt es äußere Gegenkräfte: Da sind einerseits die Europäer und die
       Dänen, die in der Arktis ihre eigenen strategischen Interessen haben – und
       Gegenzölle auf US-Produkte vorbereiten. Da sind die Grönländer, die nicht
       von der dänischen Kolonialabhängigkeit in die nächste Fremdherrschaft
       rutschen wollen und ihren Widerstand gegen Trump in der Hauptstadt Nuuk am
       Wochenende lautstark zum Ausdruck brachten.
       
       Ein weiterer wichtiger Faktor dürfte aber die Stimmung in der
       US-Bevölkerung sein – und besonders unter Trumps eigenen Wählern. Dort hält
       sich der Enthusiasmus für eine Übernahme Grönlands merklich in Grenzen. In
       einer [1][Umfrage von Reuters und Ipsos] vor einer Woche stimmten nur 17
       Prozent der befragten US-Bürger der Aussage zu, die USA sollten sich
       Grönland aneignen. Knapp die Hälfte der Befragten lehnt eine Übernahme ab,
       während 36 Prozent keine Angaben machten. Eine Annexion mit Waffengewalt
       befürworten darüber hinaus nur 10 Prozent aller Teilnehmer, 69 Prozent
       sprechen sich klar dagegen aus.
       
       Ein ähnliches Bild zeigt sich unter jenen, die dem Präsidenten bei der
       letzten Wahl ihre Stimme gegeben haben. So lehnen [2][in einer anderen
       Erhebung] auch rund zwei Drittel der republikanischen Befragten eine
       bewaffnete Aggression ab. Mitte Januar brachte die New York Times zudem elf
       Trump-Wähler für eine [3][Rückschau auf das erste Jahr seiner Amtszeit]
       zusammen. Obwohl sich dabei die Runde allgemein recht zufrieden über Trump
       äußerte, machte sich beim Thema „Grönland“ deutlicher Dissens bemerkbar.
       
       ## Innenpolitik statt Annexion
       
       Auf die Frage „Gibt es etwas, womit er sich vielleicht etwas weniger
       beschäftigen sollte?“ antwortet ein gewisser Daniel aus Pennsylvania:
       „Seine Versuche, Grönland zu übernehmen. Es scheint, als würde er sich in
       zu viele verschiedene Richtungen verzetteln.“ Der 54-jährige
       Trump-Unterstützer wünscht sich stattdessen mehr Fokus auf MAGA-Kernthemen
       wie Inflation und Einwanderung. „Ich glaube nicht, dass Grönland wirklich
       etwas mit uns zu tun hat, aber vielleicht sieht er das anders.“
       
       „Wir haben vielleicht gewisse Interessen in Grönland“, sagt der 62-jährige
       Bill aus Minnesota. „Aber die neuesten Nachrichten sprechen davon, dass
       Trump möglicherweise das Militär einsetzen will, um es zu erobern. Und ich
       halte das einfach für falsch.“ Etwas später fügt er an: „Grönland verfügt
       über Ressourcen, die Trump nutzen möchte. Aber was gibt ihm das Recht,
       militärisch einzugreifen und sich diese Ressourcen anzueignen?“
       
       Darauf wieder Daniel: „Das ist genau das Gleiche, was Putin mit der Ukraine
       macht. Was gibt ihm das Recht, das zu tun? Das fühlt sich einfach nicht
       richtig an. Ich glaube, das hat negative Auswirkungen auf die Vereinigten
       Staaten.“ Auch die 55-jährige Heather aus Louisiana ist offenbar nicht von
       der Relevanz Grönlands für die USA überzeugt. „Was brauchen wir von
       Grönland? Ich meine, dort gibt es keinen Konflikt.“
       
       ## Lassen sich Trumps Wähler überzeugen?
       
       Das Spektrum der Antworten verläuft hier also von klarer Ablehnung bis
       Indifferenz. Es ist vorstellbar, dass Trump die Menschen in der letzteren
       Ecke durch seine Propaganda überzeugen kann, ähnlich wie nach der
       Entführung Nicolás Maduros aus Venezuela. Obwohl es auch davor in Trumps
       Basis keine wirkliche Stimmung für eine Militärinvasion gab, zeigten sich
       viele MAGA-Wähler nach dem geglückten Kidnapping ohne nennenswerte Verluste
       auf US-Seite zufrieden.
       
       Denkbar ist aber auch, dass sich der Unmut der America-first-Fraktion
       vergrößert. Besonders, wenn der Streit um Grönland durch US-Zölle und
       europäische Gegenzölle die Wirtschaftslage in den USA verschlechtert oder
       Trump durch sein obsessives Beharren den Eindruck erweckt, andere
       Themenfelder zu vernachlässigen.
       
       Schon in der Debatte um den pädokriminellen Trump-Freund Jeffrey Epstein
       zeigte sich, dass die Basis sich von ihrem Staatsoberhaupt nicht alles
       gefallen lässt. Obwohl Trump die Untersuchungsakten zu Epsteins Verbrechen
       nicht freigeben wollte, führte auch der Druck von rechten und konservativen
       Wählern dazu, dass die Republikaner im Kongress mit überwältigender
       Mehrheit für eine Herausgabe der Dokumente stimmten.
       
       Noch zeichnet sich nicht ab, dass Trump von seinen Maximalforderungen zu
       Grönland abrücken will. Sollten sich die Gegenkräfte, auch im eigenen
       Lager, aber verstärken, könnte Trump jenen alternativen Pfad einschlagen,
       den er heute noch ablehnt. Er könnte dann ernsthafte Verhandlungen mit
       Kopenhagen und Nuuk über einen stärkeren US-Einfluss in Grönland führen,
       ein irgend geartetes Abkommen als großen Sieg feiern – und sich
       anschließend seiner nächsten Obsession zuwenden.
       
       22 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.reuters.com/investigations/how-americans-view-trumps-ambitions-greenland-2026-01-16/
 (DIR) [2] https://poll.qu.edu/poll-release?releaseid=3945
 (DIR) [3] https://www.nytimes.com/interactive/2026/01/14/opinion/13focusgroup.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Leon Holly
       
       ## TAGS
       
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