# taz.de -- Trump in Davos: Keine echte Entwarnung
       
       > Zwar nicht militärisch, aber irgendwie schon will Trump sich Grönland
       > aneignen. Eine regelbasierte Weltordnung gilt nicht nur für ihn als
       > überholt.
       
 (IMG) Bild: Überraschender als Trumps übliches Gefasel war eine Rede, die der kanadische Premierminister Mark Carney am Vortag in Davos hielt
       
       Eine kleine Erleichterung für Grönland und Europa hielt Donald Trump in
       Davos bereit. Der US-Präsident sagte, dass die USA keine Gewalt anwenden
       würden. Zwar bezog er sich in diesem Teil der Rede nicht explizit auf
       Grönland, doch er ließ zumindest durchscheinen, dass er sich die Insel in
       der Arktis nicht mit Waffengewalt aneignen würde. Obendrein liege eine
       starke Nato im Sicherheitsinteresse der USA.
       
       Ein Grund zur Entspannung ist das jedoch keineswegs. So kann man Trump
       bekanntermaßen eh nicht beim Wort nehmen. Zudem bekräftigte der bully in
       chief im nächsten Atemzug seine imperialen Besitzansprüche. An die
       europäischen Partner gerichtet sagte er: „Ihr könnt Ja sagen, und wir
       werden dankbar sein. Oder ihr könnt Nein sagen, und wir werden es uns
       merken.“ So war zunächst auch keine Rede von einer Rücknahme der Strafzölle
       gegen europäische Staaten, die für sich schon eine Drohgebärde darstellen.
       Die Aggression gegen Grönland und Europa dauerten fort. Am Abend gab Trump
       dann doch auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social bekannt, eine
       Vereinbarung mit der Nato erzielt zu haben. Seine Zolldrohung zog er
       zunächst zurück.
       
       Überraschender als Trumps übliches Gefasel war eine Rede, die der
       kanadische Premierminister Mark Carney am Vortag in Davos hielt. Darin
       streifte er mal eben die letzten Hüllen der sogenannten regelbasierten
       Weltordnung ab. Carney verglich die Bekenntnisse zu dieser Ordnung gar mit
       den hohlen kommunistischen Phrasen der spätsowjetischen Zeit. Die Starken
       hielten sich eh nie an die internationale Ordnung, wenn es ihnen nicht
       passte. Handelsregeln seien ungleich angewandt worden, und die Durchsetzung
       internationalen Rechts hinge von der Identität von Opfer und Täter ab.
       
       Dieses Geständnis ausgerechnet von Carney ist bemerkenswert, ist er als
       früherer Zentralbankchef Kanadas und (!) Englands doch quasi die
       Inkarnation der globalen technokratischen Elite. Andererseits wusste diese
       Elite auch am besten, welches Spiel sie die ganze Zeit trieb. Carney legt
       dann mit einem Aufruf zur Selbstermächtigung nach. Seine Forderung nach
       einer stärkeren wirtschaftlichen und politischen Vernetzung mittelgroßer
       Staaten ist begrüßenswert.
       
       ## In Trumps Welt
       
       Gleichzeitig rühmt sich der Kanadier eines Handelsdeals mit China. Gegen
       eine Zusammenarbeit mit der asiatischen Supermacht ist an sich nichts
       einzuwenden – doch seien die europäischen „Mittelmächte“ davor gewarnt,
       sich in neue Abhängigkeiten zu begeben. Besonders mit China, das selbst
       imperiale Ambitionen hat.
       
       In Teilen der Linken kommt gelegentlich eine heimliche Freude auf über die
       rhetorische Abkehr vom internationalen Recht. Aber wenn China Taiwan
       überfällt, und die Linke nur mit den Achseln zuckt, dann lebt auch sie
       mental in der Welt von Trump.
       
       21 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Leon Holly
       
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