# taz.de -- Podcast „Don’t Read Theory“: Ideologiekritik zum Wegsnacken
> Dieser linke Podcast liefert Gossip, gemixt mit kluger Kritik an der
> eigenen Szene – auch zu Nahost. Jetzt feiert er zweijähriges Jubiläum.
(IMG) Bild: „Was wir hier sagen, nobody cares!“ – Der linke Theorie-Podcast „Don’t Read Theory“
Schon die Titel sind geil: „Sind Linke ehrenlos?“, „Deutschrap liegt auf
dem Rücksitz und verblutet“ oder „Macker klatschen oder ficken?“. Der
Podcast „Don’t Read Theory“ (DRT) ist eine der intelligentesten aktuellen
Auseinandersetzungen mit der radikalen Linken, Popkultur und Zeitgeist.
Diese Woche feiert er zweijähriges Jubiläum auf [1][Spotify], wo er rund
18.000 Follower hat.
Bei DRT geht es um alles und nichts – sei es Psychoanalyse, Humor,
Ernährung, schlechte Bücher oder Theoriemacker. Die Hosts Ayşegül und
Valentin sind Anfang 30 und leben in Berlin. Nachnamen wollen sie nicht
preisgeben, lieber „Kunstfiguren“ sein, erklärt Valentin der taz auf
Nachfrage. Mal quatschen sie zu zweit, mal laden sie Gäste ein: den Rapper
Grim104, ihre Friends wie [2][Hengameh Yaghoobifarah] oder die
Sozialwissenschaftlerin Ferda Berse.
Gleich für die dritte Folge wurde ihnen eine Klage angedroht. Worum ging es
da wohl? Natürlich Nahost. Besonders Linken, die bei diesem Konflikt auf
der einen oder anderen Seite stehen, sei der Podcast ans Herz gelegt. In
einer Folge wird erklärt, wie die Strömung der „Antideutschen“ entstanden
ist, der oft fehlende Sensibilität für Rassismus vorgeworfen wird. Dabei
war genau das Kern eines innerlinken Streits angesichts der rassistischen
Pogrome der 1990er Jahre. Während Anti-Imps daran festhielten, für ihre
Revolution die Massen zu mobilisieren – also auch Rassisten –, waren
Anti-Ds dagegen, sich mit allen – also auch rassistischen – Deutschen zu
organisieren, sie sehen in ihnen nicht per se ein revolutionäres Subjekt.
Neben linker Geschichte und der Anwendung der Theorie von Theodor W. Adorno
auf den Deutschrap lernt man bei DRT andauernd neue Vokabeln: „Psyop“,
„Killjoy“, „Plattform-Sneaker“, „Catfish“. Der Podcast besteht zur einen
Hälfte aus Englisch, zur anderen aus schnodderigem Deutsch – mit falschen
Verben am Satzende oder wild gemixten Sprichwörtern. Das kann man nervig
oder nett finden. In jedem Fall stellt diese Sprache einen Bruch zum
intellektuellen Niveau des Podcasts dar, was nahbar wirkt. Sympathisch sind
auch Sätze wie: „Ich höre mir die andere Seite der Barrikade erst einmal
an“ (Valentin) oder „Was wir hier sagen, nobody cares!“(Ayşegül).
## „Ein therapierter Mann ist immer noch ein Mann.“
Warum machen sie es dann? Typisch selbstironisch sagt Valentin der taz
dazu: „Wir haben ein zwanghaftes Bedürfnis, uns zum Diskurs zu äußern.“ Das
tun sie bei aller Schnodderigkeit oft auch genial pointiert – etwa zum
Neurodivergenz-Hype: „Ich will keine Akzeptanz für [3][ADHS], ich will
Akzeptanz für diejenigen, die darunter leiden“, rantet Valentin. Oder: „Ein
therapierter Mann ist immer noch ein Mann.“
Ayşegül findet, „man sollte keinen Respekt vor einer Kultur haben, auch
nicht vor einer Subkultur“. Sie ist abgefucked von Vergewaltigern in der
linken Szene, aber feiert deshalb auch nicht jeden Turn des Feminismus:
weder die Lust an der weiblichen Unterwerfung, wie sie die Rapperin Ikkimel
vor sich herträgt, noch den „Dump him“-Feminismus.
Apropos Kritik: Manche Fans finden, der rund einstündige Podcast könnte
noch tiefer in die Themen und die Theorie gehen. Anderen wiederum gefällt
genau das: „Don’t Read Theory“ kann man gut wegsnacken oder nebenher Wäsche
aufhängen.
21 Jan 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Lotte Laloire
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