# taz.de -- Bandcamp verbietet KI-Musik: Für eine Renaissance des Menschengemachten
       
       > Kreativität schlägt Broligarchy: Die US-Musikplattform Bandcamp verbannt
       > KI-generierte Inhalte von ihrer Homepage. User:innen sollen Verstöße
       > melden.
       
 (IMG) Bild: Menschengemacht: Bandcamp
       
       Die US-Musikplattform Bandcamp, riesige virtuelle Ladentheke für legal
       veröffentlichte physische Tonträger und digitale Musikdateien aus aller
       Welt, hat am Mittwoch in einem Eintrag beim Debattenportal Reddit bekannt
       gegeben, ab sofort keine KI-generierte Musik mehr auf der Homepage zu
       dulden.
       
       Das in Kalifornien ansässige Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 268
       Millionen US-Dollar (2024) ist seit jeher eine Bastion von Indielabels,
       unabhängigen Bands und D.I.Y.-Künstler:Innen, die ihre Musikprodukte bei
       Bandcamp kommissarisch verkaufen und durch die direkte Kommunikation mit
       den Fans eine enge Zielgruppenbindung erreichen.
       
       Das ist überlebenswichtig für unabhängige Künstler:Innen und Bands
       [1][in Zeiten von schwindenden Tantiemen und andauernder Ausbeutung durch
       Streamingkonzerne wie Spotify] und der diffusen Marktmacht der drei
       verbliebenen Majorlabels Universal, Sony Music und Warner. Besonders
       beliebt bei den Fans sind die sogenannten Bandcamp-Fridays, an denen der
       US-Internetanbieter die Einkünfte vollständig an die Labels, Bands und
       Künstler:Innen abführt.
       
       ## Streng untersagt
       
       Die Entscheidung zum Verbot von KI umfasst alle „Musik und Audio
       (Sprachstücke), die vollständig oder teilweise mit KI erstellt wurden“.
       Streng untersagt wird in Zukunft „jeglicher Einsatz von KI-Tools, um den
       Stil oder das Profil von anderen Künstler:Innen zu imitieren und dadurch
       deren Urheberrechte auszuhebeln“. Man behalte sich auch vor, Anpassungen
       und Updates bei den Schutzmaßnahmen vorzunehmen, „da die Welt der
       generativen KI nun mal im schnellen Wandel begriffen“ sei.
       
       Das Thema KI war auf den Messageboards von Bandcamp in den vergangenen
       Monaten durchaus kontrovers diskutiert worden. Man muss die Entscheidung
       aber mit Blick auf die Broligarchie und ihre rechtslibertären Gesinnungen
       verstehen. Moguln wie Elon Musik und Peter Thiel setzen KI wie Waffen ein,
       um ihr Monopol in der Techsphäre auszubauen.
       
       Damit einhergehend erging die Bitte an die User:Innen, Verstöße gegen das
       Protokoll umgehend mitzuteilen. Der KI-Geist sei nun mal aus der Flasche,
       also solle die schiere Masse und ihre Interaktion dabei helfen, Missbrauch
       abzustellen. Bandcamp ist ein kommerzieller Player, aber sein
       Communityengagement ist durchaus vergleichbar mit der ehrenamtlichen
       Arbeit, die für die Internetenzyklopädie Wikipedia geleistet wird. Die
       Bandcamp-Community wird auf der Internetseite etwa mit differenzierten
       Rezensionen von namhaften angloamerikanischen KritikerInnen bei der Stange
       gehalten; mangels sonstiger kritischer Berichterstattung in vielen Ländern
       ist das ein Strohhalm.
       
       ## Es geht auch um Kunst
       
       Das Unternehmen begründet seinen drastischen Schritt so: Man möchte
       sicherstellen, „dass Musiker:Innen und Bands weiterhin ihrer Kunst
       nachgehen können und Fans sich darauf verlassen können, dass die Musik, die
       ihnen bei Bandcamp angeboten wird, menschengemacht ist“.
       
       Tagtäglich komme viel Kreativität bei Bandcamp zum Vorschein. Durch das
       schiere Angebot werde ersichtlich, mit welcher Leidenschaft
       Künstler:Innen und Band zu Werke gehen und „was für tolle Musik dabei
       entsteht“. Bei Reddit waren die Reaktionen auf die KI-Verbannung fast
       ausschließlich positiv. „Music is art and art is human“, postete jemand.
       
       15 Jan 2026
       
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