# taz.de -- ICE-Proteste in Minnesota: Grenzschützer nach tödlichen Schüssen beurlaubt
> Die US-Beamten, die in Minneapolis Alex Pretti erschossen haben sollen,
> sind freigestellt worden. Die Proteste im Bundesstaat Minnesota gehen
> weiter.
(IMG) Bild: Die Proteste gehen weiter: Mahnwache für Alex Pretti in Minneapolis, 28. Januar
Zwei Beamte der US-Grenzschutzbehörde CBP, die die tödlichen [1][Schüsse
auf Alex Pretti] abgegeben haben sollen, wurden offiziell vom Dienst
freigestellt. Dies bestätigte am Mittwoch eine Vertreterin des
amerikanischen Heimatschutzministeriums DHS. „Das ist unser normaler
Prozess“, erklärte Tricia McLaughlin.
Seit wann die beiden Beamten in Beurlaubung sind oder wie lange diese
dauern wird, ist unklar. Auch die Namen der beiden Beamten wurden bislang
nicht veröffentlicht. Es ist allerdings üblich, dass Sicherheitskräfte, die
an einer Schießerei beteiligt waren, im Ermittlungszeitraum beurlaubt
werden. Die Untersuchungen, die nach dem tödlichen [2][Vorfall am Samstag]
von mehreren Behörden aufgenommen wurden, halten derweil weiter an.
Erst am Vortag wurde jedoch bekannt, dass eine erste interne Untersuchung
von CBP den bisherigen Darstellungen der Trump-Regierung widersprechen
würde. Regierungsmitglieder, darunter Heimatschutzministerin Kristi Noem
oder Trump-Berater Stephen Miller, hatten Pretti – einen 37-jährigen
Krankenpfleger – als „Terroristen“ und „Attentäter“ beschrieben, dessen
Ziel es gewesen sei, so viele Sicherheitskräfte wie möglich zu töten.
[3][Videoaufnahmen] der tödlichen Konfrontation widerlegen diese Aussagen
allerdings schnell. Und eine Untersuchung der Grenzschutzbehörde scheint
nun zum selben Schluss gekommen zu sein. Demnach habe Pretti zu keinem
Zeitpunkt seine Pistole, die er an jenem verhängnisvollen Tag bei sich
trug, gezogen, um damit die Beamten zu bedrohen.
Die Frage, ob Pretti seine Waffe gezückt hatte oder nicht, sorgte zunächst
für Verwirrung. DHS behaupte nur wenige Stunden nach dem Vorfall, dass dies
der Fall gewesen sei. Untersuchungen der Videoaufnahmen konnten das
allerdings nicht bestätigen. Nachdem die Lüge der US-Regierung aufgedeckt
worden war, verteidigten die Verantwortlichen die Anwendung der tödlichen
Gewalt damit, dass allein das legale Führen einer Waffe ein Anzeichen dafür
sei, dass jemand etwas Böses im Schilde führe.
Waffenlobbyverbände kritisierten diese Charakterisierung, die nach ihrer
Auffassung gegen das in der Verfassung gesicherte Recht auf Waffenbesitz
verstoßen würde.
## Proteste in Minneapolis
Wie Reuters berichtete, hat die Einwanderungsbehörde ICE, die wie CBP dem
Heimatschutzministerium unterstellt ist, ihre Beamten angehalten, nicht
mehr auf aufständische Demonstranten und deren Konfrontationen einzugehen.
Dies sei laut dem Nachrichtendienst eine Kursänderung.
„Es dient keinem anderen Zweck, als die Situation anzuheizen. Niemand wird
den anderen überzeugen können. Die einzige Kommunikation sollte darin
bestehen, dass Beamte Befehle erteilen“, heißt es in einer internen E-Mail,
die Reuters vorliegt.
Die [4][Anti-ICE-Proteste in Minneapolis] und darüber hinaus gehen derweil
ununterbrochen weiter. Trotz eisiger Temperaturen versammelten sich auch am
Mittwochabend Hunderte Menschen in der Stadt, um dort zu demonstrieren und
der beiden Opfer Alex Pretti und Renée Good, die am 7. Januar von einem
ICE-Beamten erschossen wurde, zu gedenken.
„Ich denke, Renée und Alex verkörperten beide gewissermaßen das Beste
dessen, was uns ausmacht“, sagte Diane Boonstra, die am Mittwoch an den
Protesten teilnahm, im Interview mit MPR News.
Beobachter und Aktivisten berichteten, dass die Razzien in der Stadt in den
vergangenen Tagen nicht nachgelassen hätten, sondern noch gezielter
durchgeführt werden.
## Trump spricht Warnung aus
Nachdem in den vergangenen Tagen sowohl die Bundesregierung als auch die
Verantwortlichen in Minnesota versucht hatten, die anhaltenden Differenzen
über das Vorgehen der Einwanderungsbehörden auszuräumen, scheint es damit
bereits wieder vorbei zu sein.
US-Präsident Donald Trump erklärte am Mittwoch, dass Jacob Frey, der
demokratische Bürgermeister der Stadt Minneapolis, „mit dem Feuer“ spiele,
nachdem Frey klargemacht hatte, dass die örtliche Polizei nicht mit den
Bundesbehörden kooperieren werde, um die Einwanderungsgesetze durchsetzen.
Trump traf diese Aussage nur einen Tag nachdem er erklärt hatte, er
beabsichtige, die Situation in Minnesota „ein wenig zu entschärfen“. Border
Czar Tom Homan, der [5][das Kommando über die Einwanderungsoperationen in
Minnesota] übernommen hat, wird am Donnerstag eine Pressekonferenz geben.
29 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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