# taz.de -- Nach US-Schlag gegen Venezuela: Warum Trump Mexiko (noch) nicht angegriffen hat
> Mit seinen Drohungen will US-Präsident Trump Lateinamerika zum Hinterhof
> degradieren. Würde er seine Antidrogenpolitik ernst meinen, müsste er
> anders vorgehen.
(IMG) Bild: Auch 2026 wird die Grenze zwischen den USA und Mexiko streng bewacht
Nehmen wir mal an, Donald Trump hätte Interesse daran, die Zahl der
Drogentoten in den USA zu verringern. Klar, hat er nicht, sonst würde sich
der US-Präsident an seinem Vorgänger orientieren, statt kriminell in andere
Länder einzureiten. Im letzten Jahr von Joe Bidens Amtszeit ist ein Viertel
weniger Menschen an dem Opioid Fentanyl gestorben als zuvor. Diese Tendenz
hat angehalten – auch ohne militärische Aggression.
Im Übrigen mag der venezolanische Ex-Staatschef Nicolás Maduro ein
schlimmer Finger sein, aber mit dem Drogenproblem der US-Amerikaner*innen
hat sein Land wenig zu tun. Venezuela dient vor allem als Transitland für
kolumbianisches Kokain, das nach Europa geht.
Nehmen wir trotzdem mal an, Trump wolle dafür sorgen, dass in den USA
weniger Menschen an Rauschgift sterben. Seiner Logik folgend hätte er dann
längst Mexiko anstatt Venezuela angreifen müssen. Schließlich stammt das
Fentanyl meist vom südlichen Nachbarn, mit Zutaten aus China.
Vorbereitungen für Angriffe hat Trump bereits getroffen. So setzte er
mexikanische Kartelle auf die Terrorliste, und regelmäßig droht er,
militärische Schläge auf Stützpunkte der Mafia durchzuführen.
Wobei „drohen“ in Trumps Interpretation der Weltordnung keine zutreffende
Bezeichnung sein dürfte. „Wenn Sie wünschen, helfen wir mit unseren Kräften
in Mexiko“, zitiert die mexikanische Präsidentin [1][Claudia Sheinbaum],
was ihr der Amtskollege während eines gemeinsamen Gesprächs nach der
Attacke in Venezuela gesagt habe.
Die Mexikanerin hat, wie immer freundlich, auf das Angebot verzichtet und
auf Mexikos territoriale Integrität hingewiesen. Es mag ihrer Gelassenheit
sowie vor allem den engen wirtschaftlichen Verstrickungen der beiden
Staaten geschuldet sein, dass Trump noch keine Drohnen oder Helikopter über
den Rio Bravo geschickt hat. Recherchen der Washington Post zufolge war es
allein die kapitalistische Vernunft eines Beraters, die ihn von den
Angriffen abgehalten hat.
## Kollateralschäden unvermeidbar
Aber wie würden solche Attacken eigentlich aussehen? Wen oder was würde
Trump bombardieren? Fentanyl wird nicht mehr nur in den Dörfern der Sierra
Madre gemischt, sondern ebenso in Drogenlaboren in und um die
Landeshauptstadt Culiacán. In Wohnblocks, zwischen Kinderläden, Restaurants
und Einkaufszentren. „Kollateralschäden“ wären wohl unvermeidbar.
Wer tatsächlich gegen die organisierte Kriminalität vorgehen will, müsste
das Netzwerk angreifen, das den Drogenschmuggel erst möglich macht:
korrupte Politiker*innen, Beamte und Jurist*innen sowie Banken,
Immobilienfirmen und andere Unternehmen. Das will Trump natürlich nicht,
zumal dann auch Mitarbeiter*innen der US-Antidrogenbehörde DEA und
andere ihm verbundene Landsleute auffliegen würden.
Zwei Wahlversprechen des US-Präsidenten hängen von Mexiko ab: die
Eindämmung der Migration und der Kampf gegen die Drogenmafia. Was die
Einwanderung betrifft, hat er Erfolg. Sheinbaum mobilisierte massiv
Sicherheitskräfte, um zu verhindern, dass Menschen die US-Grenze erreichen.
Die Zahl einreisender Migrant*innen ist seither deutlich zurückgegangen.
## Dutzende Kartellchefs ausgeliefert
Mit Blick auf die Mafia stimmt immerhin die Show: Die mexikanische
Regierung hat mehrere Dutzend Kartellchefs an Washington ausgeliefert und
kooperiert eng mit der DEA. Auch Sheinbaums verstärktes Vorgehen gegen
kriminelle Organisationen schreibt sich Trump – zu Unrecht – auf seine
Fahnen.
Aber die Interventionsdrohungen laufen auf einer anderen Spur. Sie sollen
Trumps Entschlossenheit gegenüber seinen Anhänger*innen bekräftigen und
seiner „Nationalen Sicherheitsstrategie“, laut der er Lateinamerika wieder
zum willfährigen Hinterhof degradieren will, Nachdruck verleihen.
Spätestens seit seinen [2][Venezuela-Eskapaden] werden diese Drohungen in
Mexiko ernst genommen.
Mit einem Unterschied: Während die meisten Venezolaner*innen nach dem
[3][jahrelangen Elend des Regimes] über Maduros Verschwinden glücklich
sind, steht die überwiegende Mehrheit der Mexikaner*innen hinter ihrer
Regierung. Militärische Angriffe würde sie nicht hinnehmen.
20 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Wolf-Dieter Vogel
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