# taz.de -- Ausschreitungen in Mexiko: Gewaltwelle nach Tötung von Drogenboss El Mencho
       
       > Nach dem Tod des Anführers des Drogenkartells Jalisco brennen Häuser und
       > Barrikaden. Präsidentin Claudia Sheinbaum ruft dazu auf, Ruhe zu
       > bewahren.
       
 (IMG) Bild: Nach dem Tod von El Mencho brennen Busse im mexikanischen Bundesstaat Michaocán
       
       Brennende Autos, blockierte Straßen, zerstörte Banken: Nach der Tötung des
       Mafiachefs Nemesio Oseguera Cervantes, „El Mencho“, kam es am Sonntag in
       vielen mexikanischen Bundesstaaten zu gewalttätigen Aktionen. Gruppen des
       kriminellen Kartells Jalisco Nueva Generación (CJNG), das bislang von dem
       59-Jährigen angeführt wurde, errichteten Straßenblockaden und sorgten damit
       in einigen Regionen für chaotische Zustände. Örtliche Regierungen riefen
       die Bürger*innen auf, ihre Häuser nicht zu verlassen, nationale und
       internationale Fluggesellschaften strichen ihre Flüge, in manchen Gegenden
       blieben die Schulen am Montag geschlossen.
       
       Einheiten des mexikanischen Militärs hatten zuvor in der Kleinstadt Tapalpa
       im Bundesstaat Jalisco eine Operation gegen führende Mitglieder der
       Organisation durchgeführt, bei der Oseguera sowie sechs weitere Menschen
       ums Leben kamen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums erlag er seinen
       Verletzungen, als er beim Lufttransport ins Krankenhaus nach Mexiko-Stadt
       gebracht werden sollte.
       
       El Mencho war [1][der meistgesuchte Kartell-Chef Mexikos]. Besonders die
       US-Regierung hatte Druck gemacht, weil das CJNG als wichtiger Lieferant des
       Opioids Fentanyl gilt, das in den USA jährlich zu Zehntausenden von
       Todesopfern führt. Washington hatte eine Belohnung von 15 Millionen
       US-Dollar für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Kartellbosses
       führen. Bei der Militäraktion selbst seien keine US-Kräfte beteiligt
       gewesen, betont das Verteidigungsministerium, die USA habe aber im Rahmen
       der bilateralen Zusammenarbeit Informationen weitergegeben.
       
       ## Aktion ist Erfolg für Sheinbaum
       
       „Das ist ein großer Fortschritt für Mexiko, die USA und Lateinamerika“,
       reagierte denn auch der US-Botschafter Christopher Landauer auf die Tötung
       Osegueras. „Die guten Typen sind stärker als die Schlechten.“
       
       Vor allem ist die Militäraktion aber ein großer Erfolg für Mexikos
       Präsidentin Claudia Sheinbaum und ihren Sicherheitsminister Omar Garcia
       Harfuch. Deren Strategie einer engeren Kooperation zwischen
       Staatsanwaltschaften, Geheimdienst und Militär hat damit sichtbare Früchte
       getragen. Die Staatschefin war zunehmend unter Druck geraten, da die
       Regierung die Gewalt der Kriminellen nicht in den Griff bekommt. In viele
       der Kämpfe ist das Jalisco-Kartell verstrickt. Und während sich das
       Sinaloa-Kartell seit mehreren Jahren in internen Machtkämpfen selbst
       zerlegt, gewinnt das CJNG zunehmend an Boden.
       
       Das kommt auch in den Blockaden zum Ausdruck, mit denen lokale Gruppen des
       Kartells auf die Tötung El Menchos reagiert haben. Zwar fanden viele
       Angriffe in zentralmexikanischen Regionen statt, wo CJNG seine Basis hat,
       aber auch im Norden sowie nahe Mexiko-Stadt und im südlichen Isthmus von
       Tehuantepec brannten Busse, LKW oder Autos. Auch Supermärkte, Tankstellen
       und Filialen der staatlichen Wohlfahrtsbank wurden angezündet. Dennoch
       betonte Sheinbaum: „Im größten Teil des Landes läuft alles normal.“
       
       ## Militärisch gut ausgestattet
       
       Angesichts des geschwächten Sinaloa-Kartells ist das CJNG unangefochten die
       schlagkräftigste kriminelle Organisation in Mexiko. Es ist in alle
       Geschäftsfelder des organisierten Verbrechens involviert: in den
       Drogenschmuggel ebenso wie in den illegalen Bergbau, Entführungen,
       Erpressungen und Menschenhandel. Limonenbauern im Bundesstaat Michoacán
       müssen Schutzgeld an die Kriminellen zahlen, viele lokale Politiker und
       Beamte stehen in deren Sold. 2020 verübte das Kartell sogar im Herzen von
       Mexiko-Stadt einen bewaffneten Angriff gegen Harfuch, der damals
       Sicherheitsminister der Hauptstadt war.
       
       Das militärisch gut ausgerüstete CJNG führt in mehreren Regionen
       regelrechte Kriege gegen konkurrierende Organisationen sowie die
       Zivilbevölkerung und konnte dabei zunehmend Boden gewinnen. Immer wieder
       erscheinen Bilder in den sozialen Medien, auf denen in Militäruniformen
       gekleidete Männer mit schweren Waffen zu sehen sind. Mittlerweile
       kontrolliert das CJNG laut der NGO Insight Crime 28 Bundesstaaten. Der
       US-amerikanischen Antidrogenbehörde DEA zufolge verfügt es über 18.000
       Kämpfer und ist auch international in vielen Staaten aktiv.
       
       Der ehemalige Polizist [2][El Mencho galt als der unangefochtene Anführer
       des Kartells.] Er führte das CJNG wie ein Unternehmen. Ob durch seinen Tod
       die Gewalt eingedämmt wird, ist fraglich. Der interne Machtkampf im
       Sinaloa-Kartell hat in den letzten Jahren zu schweren Kämpfen und
       zahlreichen Toten geführt. Diese Dynamik könnte jetzt auch dem
       Jalisco-Kartell drohen.
       
       23 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolf-Dieter Vogel
       
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