# taz.de -- Venezuela nach Maduro: Mehr als 100 weitere politische Gefangene frei
       
       > Venezuelas Regierung lässt erneut politische Gefangene frei. Präsidentin
       > Rodríguez zeigt Gesprächsbereitschaft, weist aber „Befehle aus
       > Washington“ zurück.
       
 (IMG) Bild: Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez – Maduros frühere Stellvertreterin
       
       afp/dpa | In Venezuela sind bei einer erneuten Freilassung politischer
       Gefangener mindestens 104 Menschen freigekommen. Der Chef der
       Nichtregierungsorganisation Foro Penal, Alfredo Romero, schrieb am Sonntag
       im Kurzbotschaftendienst X, im ganzen Land habe es Haftentlassungen
       gegeben. Die Identität von 104 Freigelassenen habe bereits verifiziert
       werden können, erklärte Foto Penal in Onlinediensten. Die Anzahl der
       Freigelassenen könnte laut Romero noch steigen.
       
       Die venezolanische Führung hat nach der gewaltsamen Absetzung von
       Staatschef Nicolás Maduro bei einem US-Militäreinsatz Anfang Januar
       wiederholt politische Gefangene freigelassen. Übergangspräsidentin Delcy
       Rodríguez – Maduros frühere Stellvertreterin – [1][setzt auf eine
       Annäherung mit Washington und hat versprochen], eine „bedeutende Zahl“
       politischer Gefangener freizulassen.
       
       ## Kritik an Washington
       
       Am Sonntag zeigte Rodríguez sich jedoch selbstbewusster. „Es reicht mit den
       Befehlen aus Washington an Politiker in Venezuela“, sagte sie in einer
       Rede. „Die venezolanische Politik sollte unsere Meinungsverschiedenheiten
       und inneren Konflikte lösen“, sagte sie und forderte: „Schluss mit den
       ausländischen Mächten!“
       
       Die venezolanische Opposition und Menschenrechtsorganisationen beklagen,
       die Freilassungen gingen zu langsam voran. Vor zahlreichen Gefängnissen in
       dem südamerikanischen Land haben sich Angehörige von politischen Gefangenen
       in der Hoffnung auf weitere Freilassungen versammelt.
       
       ## Rodríguez will auch mit Kritikern zusammenarbeiten
       
       Mit den neuen Freilassungen steigt die Zahl der Menschen, die nach dem
       US-Einsatz freigelassen wurden, laut verschiedenen Organisationen auf
       mindestens 240 Menschen. Den bisherigen Angaben von Foro Penal zufolge
       befanden sich bis zur vergangenen Woche immer noch mehr als 700 politische
       Gefangene in Haft. Die Regierung in Caracas spricht von insgesamt 626
       Freilassungen, aber seit Dezember. Die Freilassung politischer Häftlinge
       [2][ist eine der größten Forderungen der Opposition].
       
       Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez, die unter Maduro
       Vizepräsidentin war, erklärte sich am Wochenende erneut bereit, mit der
       Opposition zusammenzuarbeiten. „Es darf keine politischen oder
       parteipolitischen Differenzen geben, wenn es um den Frieden in Venezuela
       geht“, sagte sie.
       
       ## Umstrittene Friedensnobelpreisträgerin
       
       Allerdings kritisierte Rodríguez die Friedensnobelpreisträgerin María
       Corina Machado, ohne sie namentlich zu nennen. „Es ist beschämend zu sehen,
       wie eine Venezolanerin, die sich selbst als Venezolanerin bezeichnet, sich
       für die Bombardierung und die militärische Aggression gegen Venezuela
       bedankt“, sagte sie. Machado hat Mitte Januar US-Präsident Donald Trump im
       Weißen Haus [3][ihre Nobelpreis-Medaille übergeben].
       
       Nach Maduros Gefangennahme ist Rodríguez die Figur innerhalb der
       venezolanischen Regierung, mit der Washington direkt verhandelt – vor allem
       über die Verwaltung der großen Ölvorkommen des Landes. Maduro sitzt nun in
       New York im Gefängnis. Ihm soll wegen mutmaßlicher Drogendelikte der
       Prozess gemacht werden.
       
       26 Jan 2026
       
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