# taz.de -- Proteste in Grönland: Gröne Welle, rote Fahne
       
       > In Grönland und Dänemark demonstrieren am Samstag Tausende Menschen gegen
       > die aggressive Rhetorik von US-Präsident Trump. Der legte indes nach.
       
 (IMG) Bild: Wollen über ihre eigene Zukunft bestimmen: Grönländer:innen demonstrieren am 17. Januar in Nuuk gegen die Pläne des US-Präsidenten Donald Trump
       
       Allein der Zeitpunkt war eine Provokation. Als US-Präsident Donald Trump am
       frühen Samstagabend Strafzölle gegen eine Reihe europäischer Länder
       ankündigte, waren die Menschen in Grönland gerade noch zu Tausenden auf den
       Straßen. „Nicht zu verkaufen. Nicht zu übernehmen“, „Hände weg“: Die
       Botschaft der hochgehaltenen Plakate in Richtung US-Regierung war
       eindeutig, wie Bilder des grönländischen Rundfunks KNR zeigen.
       
       Ziel des Zugs der nach Schätzungen 5.000 Demonstrierenden in der Hauptstadt
       Nuuk war das US-Konsulat. Auf einem KNR-Video von 17.20 Uhr – kurz vor
       Trumps Zoll-Drohung – sind dort Menschengrupen zu sehen, die „Kalaallit
       Nunaat“ rufen – den grönländischen Namen ihrer Insel – und ihre
       Landesflaggen schwenken.
       
       Grönlands Regierungschef Jens-Fredrik Nielsen sprach in einem Beitrag auf
       Facebook von einem bewegenden Tag mit starken Gefühlen und deutlichem
       Zusammenhalt. „Mit Demonstrationen für Grönland haben viele Gemeinschaft
       und Verantwortung gezeigt. Das macht mich aufrichtig stolz“, schrieb er.
       Nielsen demonstrierte gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger Múte B. Egede.
       „Stark und würdevoll“, beschrieb er die Demonstration. „Danke für die Ruhe,
       den Respekt und die Gemeinschaft. Wir stehen zusammen.“
       
       Auch in Dänemark zeigten dies die dort lebenden Grönländer. Und sie waren
       nicht allein damit: Viele Dänen gingen aus Solidarität mit. Allein in
       Kopenhagen waren es um die 20.000 Menschen. Die rot-weiße Flagge Grönlands
       wehte an diesem Tag in vielen dänischen Städten vor den Rathäusern, auch in
       Aarhus, Aalborg und Odense gingen Menschen auf die Straße. „Ich bin
       gerührt“, sagte eine Demonstrantin dem dänischen Rundfunk DR. Dass in
       Kopenhagen so viel Solidarität gezeigt werde, dass sie dort neben Dänisch
       auch ihre Muttersprache Grönländisch auf der Demonstration höre, sei sehr
       bewegend.
       
       ## Gemischte Gefühle
       
       Kurz darauf kündigte US-Präsident Trump wegen des Streits um Grönland dann
       Strafzölle gegen acht europäische Länder an, darunter auch Deutschland. Die
       jüngst begonnene Verstärkung der militärischen Präsenz mehrerer
       [1][Nato-Länder auf Grönland f]ührte Trump als einen Grund an – Dänemark
       insistiert hingegen, alles geschehe ja genau deshalb, weil die US-Regierung
       doch um die angemessene Verteidigung Grönlands so besorgt sei.
       
       Am Ende eines solchen Tages erneut hinnehmen zu müssen, dass Trump den
       Willen der grönländischen Bevölkerung ignoriert, schlage sich auf die
       Stimmung nieder, stellte DR-Korrespondent Lasse Lindegaard vor Ort in Nuuk
       fest. Es sei eine Form von Resignation zu bemerken oder das Gefühl, dass
       dies alles nun bald ein Ende haben müsse. Trotzdem spürten viele in
       Grönland gerade wegen der Demonstrationen, die Menschen über alle
       politischen Richtungen hinweg versammelt hätten, einen großen Zusammenhalt,
       so der Reporter.
       
       Auch die grönländische Ministerin Naaja H. Nathanielsen, zuständig unter
       anderem für Wirtschaft und Rohstoffe, beschrieb zwei Seiten – einerseits
       sei der Samstag ein „Tag des Stolzes und der Einheit“ gewesen. Auf dem
       Heimweg habe sie dann von Trumps Strafzöllen erfahren, schrieb sie in einem
       Internetbeitrag. Von den ersten Reaktionen der betroffenen Länder sei sie
       beeindruckt. „Ich bin dankbar und hoffnungsvoll, dass Diplomatie und
       Bündnistreue sich durchsetzen werden.“ Diese außergewöhnlichen Zeiten
       verlangten nicht nur Anstand, sondern auch Mut, so die Ministerin.
       
       Erst [2][vor wenigen Tagen] hatten sich der dänische Außenminister Lars
       Løkke Rasmussen und seine grönländische Minister-Kollegin Vivian Motzfeldt
       in Washington mit US-Vizepräsiden J.D. Vance und Außenminister Marco Rubio
       getroffen. Erstmals sprachen damit die betroffenen Länder direkt über
       Trumps hartnäckiges Grönland-Gebaren. Danach gab es Uneinigkeit über das
       Erreichte: Løkke Rasmussen sagte, die Fronten blieben zwar bestehen, aber
       immerhin werde es bald eine Arbeitsgruppe auf hohem Niveau geben, die über
       die Uneinigkeit im Gespräch bleiben wolle.
       
       ## Dänemark sucht Freunde
       
       Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt hingegen tat anschließend so, als
       wäre diese Arbeitsgruppe dazu da, die Übernahme Grönlands durch die USA im
       Detail zu besprechen. Vance und Rubio äußerten sich gar nicht – was von
       Beobachtern in Dänemark als weiterer Beweis gesehen wurde, dass in dieser
       Sache allein Trumps Linie zählt.
       
       Am Sonntag kündigte Løkke Rasmussen dann Besuche in mehreren europäischen
       Hauptstädten an. Zunächst stand Oslo auf dem Programm, am Montag dann
       London und Donnerstag Stockholm. Thema der Gespräche mit seinen jeweiligen
       Amtskollegen sei die Sicherheit in der Arktis, wie das Außenministerium in
       Kopenhagen mitteilte. Die aktuelle Lage stelle neue Ansprüche an die
       Nato-Länder bei Koordination, Präsenz und Abschreckung, hieß es in der
       Mitteilung. „In einer unruhigen und unvorhersehbaren Welt braucht Dänemark
       nahe Freunde und Alliierte.“
       
       18 Jan 2026
       
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