# taz.de -- Trump will Grönland: Überfordert mit dem Zoll-Troll
       
       > Acht Länder will Trump mit Strafzöllen belegen, bis man ihm Grönland
       > überlasse. Die Europäer begegnen seinen Forderungen mit gewohnter
       > Ratlosigkeit.
       
 (IMG) Bild: Taten sich mit einer Antwort schwer: EU-Ratspräsident António Costa und Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Paraguay
       
       US-Präsident Donald Trump hat die Europäer auf dem falschen Fuß erwischt.
       Die EU-Spitze war gerade in Paraguay – zur Unterzeichnung des
       [1][Freihandelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten] – als
       Trump im Machtkampf um Grönland neue Strafzölle gegen mehrere europäische
       Länder ankündigte.
       
       EU-Ratspräsident António Costa und Kommissionschefin Ursula von der Leyen
       taten sich mit einer Antwort zunächst schwer. „Zölle würden die
       transatlantischen Beziehungen untergraben und eine gefährliche
       Abwärtsspirale riskieren“, warnten sie in einer gemeinsamen Erklärung.
       Europa werde geeint, koordiniert und entschlossen reagieren.
       
       Doch wie die europäische Reaktion aussehen würde, ließen die beiden
       EU-Granden offen. Nicht einmal die europäische Außenbeauftragte Kaja Kallas
       fand klare Worte. China und Russland würden sich ins Fäustchen lachen,
       schrieb Kallas auf X. „Sie sind diejenigen, die von den Spaltungen unter
       den Verbündeten profitieren.“
       
       Erste Beratungen waren dann am Sonntagnachmittag geplant, bei einem
       Krisentreffen der EU-Botschafter in Brüssel. Von einem Sondergipfel war
       zunächst keine Rede. Dabei geht es an die politische und wirtschaftliche
       Substanz.
       
       ## Schon wieder eine Kraftprobe
       
       Um die Europäer zu zwingen, die geplante Übernahme Grönlands durch die USA
       zu schlucken, will Trump ab dem 1. Februar [2][einen Aufschlag von 10
       Prozent] auf Einfuhren verhängen; ab dem 1. Juni sogar von 25 Prozent.
       Dieser Aufschlag werde so lange fällig, „bis eine Einigung über den
       vollständigen und kompletten Kauf Grönlands erzielt ist“.
       
       Betroffen sind neben Dänemark, zu dem Grönland gehört, auch Deutschland,
       Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und
       Finnland. Diese Länder hatten in der vergangenen Woche Soldaten nach
       Grönland geschickt oder angekündigt, dies zu tun. Es war als Zeichen der
       europäischen Solidarität gemeint – nun droht eine Kraftprobe mit den USA,
       schon wieder.
       
       Trumps Drohung erinnert an den Handelsstreit, den Trump im vergangenen Jahr
       vom Zaun gebrochen hat, und der mit einer Kapitulation der EU endete. Von
       der Leyen stimmte im Sommer 2025 zu, die Zölle für US-Exporte nach Europa
       auf null zu senken – für europäische Waren sollen dagegen 15 Prozent
       gelten.
       
       Allerdings wird dieser ungleiche Deal noch nicht voll umgesetzt, das
       Europaparlament muss noch zustimmen. Die EU-Abgeordneten verfügen damit
       über einen starken Hebel. Aus dem Parlament kam auch die heftigste
       Gegenwehr. Trumps aktuelle Drohungen stellten den Handelsdeal nun gänzlich
       infrage, erklärte der Chef der konservativen EVP-Fraktion, Manfred Weber
       (CSU). „Die Null-Prozent-Zölle auf US-Produkte müssen ausgesetzt werden“,
       so Weber.
       
       ## Frankreich uneins mit Deutschland
       
       Noch weiter ging der Chef des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD). Er
       will nicht nur die Umsetzung des Handelsdeals stoppen, sondern fordert
       auch, das EU-Gesetz gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen anzuwenden.
       
       Das sogenannte [3][Anti Coercion Instrument] (ACI) war ursprünglich als
       Antwort auf Druck aus China eingeführt worden. Dieses Instrument ermöglicht
       der EU verschiedene Gegenmaßnahmen, wenn wirtschaftlicher Druck ausgeübt
       wird, um politische Entscheidungen zu erzwingen. Schon im Zollstreit mit
       Trump war gefordert worden, ACI anzuwenden.
       
       Die EU-Staaten sind bislang davor zurückgeschreckt. Diesmal könnte es aber
       ernst werden. Präsident Emmanuel Macron werde beantragen, das ACI zu
       aktivieren, hieß es am Sonntag im Pariser Élysée-Palast. Macron sei damit
       beschäftigt, die europäische Reaktion auf die „inakzeptablen Drohungen von
       Präsident Trump“ zu koordinieren.
       
       Die lahme Antwort aus Brüssel reicht Macron offenbar nicht – er will
       Gegenwehr organisieren und die EU-Spitzen zum Jagen tragen. Ob ihm das
       gelingt, bleibt abzuwarten. Deutschland hat sehr zurückhaltend auf Trumps
       neue Drohungen reagiert – und Kanzler Friedrich Merz (CDU) beansprucht
       ebenfalls, die EU zu führen. Wenn Berlin auf der Bremse steht, geht in
       Brüssel gar nichts.
       
       18 Jan 2026
       
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