# taz.de -- Proteste in Iran: Teheran streitet Hinrichtungen von Demonstranten ab
       
       > In der Nacht hatte Iran zeitweise seinen Luftraum geschlossen, aus Sorge
       > vor einem US-Angriff. Dass die USA militärisch eingreifen, bleibt
       > weiterhin möglich.
       
 (IMG) Bild: Es gebe am Donnerstag keine Hinrichtungen, sagt der iranische Außenminister Abbas Araghtschi dem US-Sender Fox News
       
       afp | Nach Drohungen von US-Präsident Donald Trump hat Teheran eine
       Aussetzung der Hinrichtungen in Iran für Mittwoch und Donnerstag bekannt
       gegeben. Es werde „weder heute noch morgen“ Hinrichtungen durch Erhängen
       geben, sagte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi am Mittwoch in
       einem Interview mit dem US-Sender Fox News. Trump erklärte, die „Tötungen“
       in Iran hätten aufgehört. Die Lufthansa teilte derweil mit, sie meide „bis
       auf Weiteres“ den Luftraum über Iran und dem Nachbarland Irak.
       
       Trump sagte bei einer Veranstaltung im Weißen Haus vor Journalisten, er
       habe aus „zuverlässiger Quelle“ erfahren, dass „die Tötungen in Iran
       aufhören“, und er fügte an: „Sie haben aufgehört, und es gibt keine Pläne
       für Hinrichtungen.“ Zuletzt hatten die Justizbehörden in Iran
       Schnellverfahren gegen die bei den regierungskritischen Protesten
       festgenommenen Demonstranten angekündigt.
       
       Auf die Frage, ob eine [1][militärische Intervention der USA] damit
       ausgeschlossen sei, antwortete Trump: „Wir werden es uns ansehen und sehen,
       wie der Prozess abläuft.“
       
       Zuletzt hatte der US-Präsident mit einer scharfen Reaktion gedroht, falls
       Teheran wie angekündigt Demonstranten hinrichten lässt. Am Dienstag hatte
       er in seinem Onlinedienst Truth Social in Richtung der Demonstranten in
       Iran geschrieben, Hilfe sei „unterwegs“.
       
       ## Erfan Soltani soll vorerst nicht hingerichtet werden
       
       Die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw teilte mit, die
       Hinrichtung des Demonstranten Erfan Soltani sei ausgesetzt worden. Es
       bestünden jedoch weiterhin „ernsthafte und anhaltende Bedenken“
       hinsichtlich des Rechts auf Leben des 26-Jährigen, erklärte die Gruppe
       unter Berufung auf Verwandte Soltanis. Menschenrechtsgruppen und Washington
       hatten gewarnt, Soltanis Hinrichtung sei für Mittwoch angesetzt.
       
       Teheran betonte derweil, die Proteste unter Kontrolle gebracht zu haben.
       Ein hochrangiger iranischer Vertreter sagte Journalisten, es habe seit
       Montag keine neuen „Ausschreitungen“ gegeben, die er gleichzeitig von
       früheren Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten unterschied. „Jede
       Gesellschaft kann Proteste erwarten, aber wir werden keine Gewalt
       tolerieren“, sagte der Vertreter.
       
       Der iranische Außenminister sagte im Interview mit Fox News, Teheran habe
       „nach drei Tagen von terroristischen Operationen“, die von Israel
       inszeniert worden seien, die „volle Kontrolle“ über die Lage in Iran. Die
       friedlichen Proteste seien zwischen dem 7. und 10. Januar von äußeren
       Elementen unterwandert worden, „die den Plan hatten, eine große Anzahl von
       Tötungen zu erschaffen, um Präsident Trump zu provozieren, sich in diesen
       Konflikt einzumischen und einen neuen Krieg gegen den Iran zu beginnen“,
       sagte Araghtschi.
       
       ## Iranische Justiz bezeichnet Protestierende als Kriminelle
       
       Der iranische Justizminister Amin Hossein Rahimi wiederholte diese
       Behauptung. [2][Die Kundgebungen nach dem 7. Januar] seien „keine Proteste
       mehr“ gewesen, sagte er iranischen staatlichen Nachrichtenagenturen. Wer
       dort verhaftet wurde, sei „definitiv ein Krimineller“ gewesen.
       
       Mehrere Staaten, darunter Indien und Spanien, riefen ihre Bürger auf, Iran
       angesichts der angespannten Sicherheitslage zu verlassen. Die britische
       Regierung gab bekannt, ihre Botschaft in Teheran sei „vorübergehend
       geschlossen“ worden.
       
       Zuvor hatten bereits mehrere Staaten ihre Sicherheitshinweise für
       Staatsbürger in der Region verschärft. So wiesen die USA einen Teil der
       Mitarbeiter an ihrem Luftwaffenstützpunkt in Katar an, diesen zu verlassen,
       und forderten Staatsbürger auf, Iran zu verlassen.
       
       Auch der Flugverkehr war von den Entwicklungen betroffen. Die Lufthansa gab
       bekannt, „bis auf Weiteres“ den Luftraum über Iran und Irak zu meiden. Dies
       gelte „für alle Fluggesellschaften der Lufthansa-Gruppe“, teilte ein
       Konzernsprecher der Nachrichtenagentur AFP mit. Zudem würden bei
       Verbindungen in die israelische Metropole Tel Aviv und die jordanische
       Hauptstadt Amman ab Donnerstag und bis einschließlich kommenden Montag die
       Rückflüge noch am selben Tag stattfinden.
       
       Der UN-Sicherheitsrat trifft sich am Donnerstag auf Anfrage der USA hin zu
       einem „Briefing“ zu der Lage in Iran, wie ein Sprecher der somalischen
       Präsidentschaft des Gremiums mitteilte.
       
       In Iran gab es in den vergangenen zwei Wochen massive Proteste gegen die
       Führung der seit 1979 bestehenden Islamischen Republik. Die Behörden gingen
       brutal gegen die Demonstrierenden vor. Die Menschenrechtsorganisation Iran
       Human Rights (IHR) geht von bislang mindestens 3.428 getöteten
       Demonstrantinnen und Demonstranten aus. Zu den Zahlen der Getöteten gibt es
       allerdings [3][sehr unterschiedliche Angaben]. Mehr als 10.000 Menschen
       wurden demnach im Zuge der Massenproteste festgenommen.
       
       15 Jan 2026
       
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