# taz.de -- Proteste in Iran: Es gelten jetzt Ausgangssperren
> Eine iranische Menschenrechtsorganisation spricht von Massenmord.
> Staatliche Kräfte würden gezielt fliehende Demonstrant*innen
> erschießen.
(IMG) Bild: Slogan „Der Iran ist unsere Heimat, die Flagge ist unser Leichentuch“ auf dem Enghelab-Platz in Teheran am 15. 1. 2026
Siavash Shirzad ist Kurde aus Bukan, einer Stadt im Nordwesten Irans. Am 9.
Januar steht er auf dem Punak-Platz in Teheran, inmitten der landesweiten
Proteste gegen das Regime. Er und Dutzende weitere Menschen tanzen einen
kurdischen Reihentanz. Es ist ein offener Akt des Widerstands gegen einen
Staat, der die kurdische Kultur systematisch unterdrückt.
Das Video der Szene verbreitet sich rasant in den sozialen Netzwerken. Nun
ist klar: Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer auf die tanzenden
Protestierenden. Dabei wurden Siavash Shirzad und weitere Menschen getötet.
Was sich seit mehr als zwei Wochen auf den Straßen Irans abspielt,
bezeichnet die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO) als
[1][Massenmord]. Ihren neuesten Recherchen zufolge setzten staatliche
Streitkräfte zwischen dem 8. und 11. Januar schwere militärische Waffen
gegen Zivilist*innen ein, darunter DSchK-Maschinengewehre.
Augenzeug*innen berichten von gezielten Angriffen auf fliehende
Demonstrierende und von Erschießungen auf offener Straße.
Gleichzeitig berichten Quellen aus zahlreichen Städten von einer massiven
Militarisierung des öffentlichen Raums. In Teheran, Karaj, Hamadan, Qazvin
und weiteren Städten wurden Ausgangssperren verhängt, Straßen abgeriegelt
und die Bewegungsfreiheit drastisch eingeschränkt. In den Abendstunden
gelten Maßnahmen, die IHRNGO als faktisches Kriegsrecht beschreibt.
Sicherheits- und Militärkräfte patrouillieren in Wohnvierteln,
Kontrollpunkte prägen das Stadtbild.
## Vor allem junge Menschen
Die Zahl der Todesopfer ist kaum zu erfassen. Nach von IHRNGO überprüften
Informationen wurden seit Beginn der Proteste mindestens 3.428
Demonstrierende getötet und Tausende weitere verletzt. Unter den Opfern
sind überwiegend junge Menschen, darunter auch Minderjährige und Frauen.
Die Organisation geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher
liegt.
[2][Unbestätigte Schätzungen sprechen von 5.000 bis zu 20.000 Toten], so
IHRNGO. Eine unabhängige Überprüfung ist derzeit aufgrund der anhaltenden
vollständigen Internetabschaltung nahezu unmöglich. „Die entsetzlichen
Augenzeugenberichte über erschossene Demonstrierende auf der Flucht, der
Einsatz militärischer Waffen und die Tötung Verwundeter auf offener Straße
deuten auf Verbrechen mit dem Ziel der Massentötung von Zivilist*innen
hin“, erklärt Mahmood Amiry-Moghaddam, Direktor von Iran Human Rights. Ihm
zufolge seien der Oberste Führer Ali Khamenei und alle Institutionen, die
unter seiner Autorität handeln, verantwortlich.
Parallel zur Gewalt eskaliert die Repression auf juristischer Ebene. Laut
IHRNGO wurden im Zusammenhang mit den Protesten rund 20.000 Menschen
festgenommen. Nach öffentlichen Aussagen des Justizchefs habe die Führung
der Justiz beschleunigte Todesurteile gegen Demonstrierende gefordert. Der
Justizminister der Islamischen Republik erklärte die festgenommenen
Protestierenden pauschal zu Kriminellen.
US-Präsident Donald Trump behauptete auf seiner Pressekonferenz,
Hinrichtungen seien ausgesetzt und die Gewalt gegen Protestierende gestoppt
worden. Menschenrechtsorganisationen und -Aktivist*innen empören sich über
diese Aussage und warnen vor Massenverfahren ohne rechtsstaatliche
Standards und vor unmittelbar drohenden Hinrichtungen. Laut des Abdorrahman
Boroumand Center wurden vergangenes Jahr mehr als 2.000 Menschen
hingerichtet. Seit Jahresbeginn wurde 55 Personen exekutiert.
16 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gewaltsame-Eskalation-in-Iran/!6145911
(DIR) [2] /Proteste-in-Iran/!6145943
## AUTOREN
(DIR) Daniela Sepehri
## TAGS
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Schwerpunkt Iran
(DIR) Teheran
(DIR) Donald Trump
(DIR) GNS
(DIR) wochentaz
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Proteste in Iran
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Omid Nouripour zur Lage in Iran: „Das Grundgefühl ist Schmerz“
Irans Regime habe an Macht eingebüßt, sagt Grünen-Politiker Omid Nouripour.
Ein Gespräch über die Zukunft des Landes und seine Kindheit in Teheran.
(DIR) Zukunft von Iran: Mit dem Fall des Regimes wird das Land nicht demokratischer
Die Mullah-Diktatur muss fallen, das wünschen sich viele. Genauso viele
profitieren vom System und halten daran fest. Die Lage in Iran bleibt
fragil.
(DIR) Proteste in Iran: „Wir brauchen dringend Hilfe“
Die Proteste in Iran scheinen weniger zu werden, weil das Regime extrem
brutal reagiert. Was Menschen in Iran über eine Intervention von außen
denken.