# taz.de -- Linke setzt auf Enteignung: Die dickste rote Linie
> Neuköllns Linke will den „Deutsche Wohnen Enteignen“-Mitgründer Rouzbeh
> Taheri ins Parlament schicken. Er sagt: Ohne Enteignung wird es keine
> Regierung geben.
(IMG) Bild: Vom DWE-Aktivisten ins Parlament: Rouzbeh Taheri
Die Vergesellschaftung der Bestände der großen privaten Wohnungskonzerne
wird für eine Regierungsbildung nach der Abgeordnetenhauswahl im Herbst zur
Gretchenfrage. Für die Linke, die nach aktuellem Stand der Umfragen, bei
der Konstituierung des nächsten Senats wohl ein gehöriges Wort mitzureden
haben wird, steht die Umsetzung des Volksentscheids schon lange ganz oben
auf der Prioritätenliste. Nun aber bekommt das Thema mit einer unerwarteten
Personalie noch einmal eine ganz neue Dringlichkeit.
Wie die taz erfuhr, soll Rouzbeh Taheri, Mitinitiator der Kampagne Deutsche
Wohnen & Co Enteignen und ihr jahrelanger Sprecher für die Linke ins
Abgeordnetenhaus einziehen. Der Bezirksverband Neukölln will ihn auf einer
Mitgliederversammlung am kommenden Samstag auf Listenplatz eins aufstellen.
Der Bezirksvorstand hat die Wahlliste einstimmig abgesegnet – einen
Gegenkandidaten für Taheri gibt es nicht.
Die Linke tritt bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus nicht mit einer
Landesliste für die ganze Stadt, sondern mit einzelnen Bezirkslisten an. In
Hochburgen wie Neukölln gilt der Einzug für die vorderen
Listenkandidat:innen als sicher. Und auch Taheri zweifelt nicht an
seiner Mission. Im Gespräch mit der taz sagt er: Im Abgeordnetenhaus wolle
er „Sprecher für Vergesellschaftung“ sein und als solcher die Umsetzung des
Volksentscheids vorantreiben.
Taheri zieht bei dem Thema eine dicke rote Linie: „Es wird keine
Regierungskoalition unter Beteiligung der Linken geben, die nicht umgehend
mit der Umsetzung des Volksentscheids beginnt.“ Einem Koalitionsvertrag,
der eine Umsetzung nicht mit konkreten Schritten und Zeitfristen
untermauert, werde er „niemals zustimmen“.
## Partei ist sich einig
Bei der Linken in Neukölln wird man das gerne hören. Die Begeisterung für
Regierungsbeteiligungen ist in dem vom eher dogmatischen sozialistischen
Netzwerk Marx 21 geprägten Verband seit jeher gering ausgeprägt.
Maximalforderungen, auch unerfüllbare, sind da ein geeignetes Mittel.
Gleichwohl dürften sich bei Taheris Sätzen auch bei jenen in der Partei,
die für eine Regierungsbeteiligung auch größere Kompromisse eingehen
würden, die Fußnägel kaum aufstellen.
So hatte [1][Elif Eralp, Kandidatin der Linken für das Amt der Regierenden
Bürgermeisterin, im Interview mit der taz] kurz nach ihrer Ernennung im
Oktober gesagt: „Natürlich muss man immer Kompromisse eingehen, das ist
klar. Aber zentral ist für uns die Mietenfrage. Das heißt, es braucht die
Vergesellschaftung.“
Ebenso sieht das auch Niklas Schrader, der zwar mit Unterstützung aus
Neukölln 2023 über die Landesliste ins Parlament eingezogen war, inzwischen
aber aufgrund von Differenzen über die politische Ausrichtung seine Heimat
in der Linken Pankow gesucht hat. Auf Anfrage sagt der innenpolitische
Sprecher der Fraktion: Die Forderung nach Umsetzung von Deutsche Wohnen
Enteignen „entspricht der Stimmung in der Partei“. Ohne einen Plan dafür,
„wird es schwer, eine Koalition einzugehen“.
Taheri sagt: „Es hängt von der SPD ab. Sie muss Farbe bekennen.“ Wenn sie
sich nicht für die Umsetzung von DW Enteignen entscheiden kann, werde es
„keine Koalition mit ihr geben“. Sie müsse dann „begründen, warum sei
weiterhin die Willensbekundung der Berliner Bevölkerung ignoriert“.
## Aktivistisch ins Parlament
In diesem Fall werde es das angekündigte Gesetzes-Volksbegehren der
Initiative geben, die jede Koalition zur Umsetzung zwingen würde. Für
„große Veränderungen“ sei außerparlamentarischer Druck weiter maßgeblich,
so Taheri. Der „Tendenz bürgerlicher Parlamente, Menschen zu integrieren
und zu absorbieren“ wolle er sich entgegenstellen, auch mithilfe klarer
„Absprachen zu Rechenschaftspflichten“, die in der Linken Neukölln
getroffen wurden.
Taheri hatte 2004 die PDS aus Protest gegen die Regierungspolitik des
rot-roten Berliner Senats verlassen. Auch ging er als einer der Mitgründer
der Berliner WASG den Weg der Verschmelzung mit der PDS zur Linken nicht
mit. Er engagierte sich stattdessen beim S-Bahn-Tisch und bei
stadtpolitischen Initiativen. Seit 2022 ist er Verlagsleiter der
Genossenschaft der Tageszeitung nd. Diese Position wolle er aber
rechtzeitig vor der Wahl aufgeben.
Erst vor zwei Jahren trat Taheri wieder in die Linke ein, nach dem Austritt
von Sahra Wagenknecht und in Reaktion auf das Potsdamer
Remigrations-Treffen. Seitdem ist er einfaches Basismitglied der Linken in
Neukölln, die aufgrund ihrer Positionierungen zu Nahost, etwa [2][gegen den
Ausschluss von Ramsis Kilani] wegen Antisemitismusvorwürfen auch
innerparteilich in der Kritik stehen. Taheri sagt dazu: „Nahost war nie
mein Schwerpunkt.“ Gleichwohl fügt er hinzu: „Die Position des
Bezirksverbandes unterscheidet sich nicht von meiner.“
Der erfahrene Aktivist will zudem im Neuköllner Wahlkreis 3, der von
Rixdorf bis zur Blaschkowallee reicht, als Direktkandidat antreten – und
auch dafür stehen die Chancen gut. Zwar lag bei der Wahl 2023 der damalige
Linken-Kandidat Moritz Wittler beim Erststimmenergebnis nur auf Platz 4,
doch der Abstand zur siegreichen SPD-Abgeordneten Derya Çağlar betrug
lediglich 4,5 Prozentpunkte.
Seitdem aber ist die Linke sowohl landesweit als auch im Bezirk stark
gewachsen und hat ihre Mitgliederzahl verdoppelt. Bei der Bundestagswahl
vor einem Jahr hatte sie [3][mit einem massiven Wahlkampf für Ferat Koçak]
erstmals ein Direktmandat in einem westdeutschen Wahlkreis gewonnen. Auf
Haustürgespräche wolle man auch im kommenden Wahlkampf wieder setzen, so
Taheri. Er habe, für DWE, das schon gemacht, bevor es die Parteien für sich
entdeckten.
14 Jan 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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