# taz.de -- Kritik an geplanter Digital-Reform: Big Techs Einfluss auf die EU
> Zwei NGOs werfen der EU-Kommission vor, Lobbypositionen übernommen zu
> haben. Die widerspricht. Doch es gibt noch ein anderes Problem.
(IMG) Bild: Will bis 2029 bis zu 5 Milliarden Euro einsparen: die EU-Vizepräsidentin Henna Virkkunen
Die EU-Kommission will die Regeln für Digitales und Datenschutz deutlich
überarbeiten – und ein Teil der geplanten Änderungen stand einer
Untersuchung zufolge auf der Wunschliste der Big-Tech-Konzerne. Die NGOs
Lobbycontrol und Corporate Europe Observatory (CEO) haben die
[1][Ergebnisse] der Untersuchung am Mittwoch vorgestellt. „Der
Digital-Omnibus ist das größte Weihnachtsgeschenk, das sich Big Tech hätte
wünschen können“, sagt Bram Vranken von Corporate Europe Observatory. Die
EU-Kommission weist die Vorwürfe zurück.
Unter dem Label Omnibus hat die EU-Kommission in den vergangenen Monaten
mehrere Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, unter anderem im Bereich
Umwelt und Berichtspflichten für Unternehmen, etwa bei Lieferketten. Den
Omnibus-Paketen gemeinsam ist, dass sie deutlich auf Deregulierung setzen
und damit in vielen Fällen den Interessen der Wirtschaft nachkommen.
Beim Digital-Omnibus, [2][den die Kommission im Dezember vorgestellt hat],
kam Druck auch von der deutschen Bundesregierung und aus den USA.
US-Präsident Trump hat konsequente Regeln für Tech-Konzerne immer wieder
als Argument für eine Verhängung von hohen Zöllen seinerseits genannt.
Mit dem Digital-Omnibus sollen unter anderem die
Datenschutz-Grundverordnung und der [3][AI Act, der künstliche Intelligenz
reguliert], verändert werden. Laut der Kommission ist das Ziel der
Änderungen, die Regeln zu vereinfachen und Unternehmen zu entlasten. Das
soll die Kosten für die Wirtschaft reduzieren und so Wachstum begünstigen.
Bis 2029, so bezifferte es die EU-Vizepräsidentin Henna Virkkunen bei der
Vorstellung der Pläne, sollen sich so bis zu 5 Milliarden Euro einsparen
lassen.
## KI-Regeln verschoben, Datenschutz aufgeweicht
Die NGOs Lobbycontrol und Corporate Europe Observatory haben nun die
geplanten Regelungen im Detail unter die Lupe genommen und mit konkreten
Forderungen aus der Big-Tech-Branche verglichen. Demnach wurden in
mindestens sieben Fällen Lobbypositionen von Big Tech in den Digital
Omnibus aufgenommen. Das betreffe unter anderem die Verschiebung von Regeln
für künstliche Intelligenz, die Lockerung der Definition dessen, was
persönliche Daten sind, und deren Nutzung für das Training von KI-Modellen.
„In ihrem fehlgeleiteten Streben nach Wettbewerbsfähigkeit opfert die
Kommission grundlegende Rechte“, kritisiert Vranken.
Die EU-Kommission widerspricht den Vorwürfen. „Der Digital-Omnibus ist das
Ergebnis eines umfassenden, transparenten Prozesses, in dem die
Zivilgesellschaft, kleine und mittlere Unternehmen und akademische
Einrichtungen gleichermaßen Gelegenheit hatten, ihre Beiträge
einzubringen“, erklärt eine Sprecherin der Kommission. Die Veränderung der
Regelungen sollte „allen europäischen Bürgerinnen und Bürgern und
Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe“, zugutekommen.
Neben der inhaltlichen Kritik weisen die beiden NGOs auf ein weiteres
Problem hin: Die Lobbyarbeit von Tech-Konzernen richte sich zunehmend an
die Adresse von rechtspopulistischen und extrem rechten Parteien. Felix
Duffy von Lobbycontrol bezeichnet das als „brandgefährliche Entwicklung“.
„Autoritäre Kräfte haben ein Interesse an unregulierten Plattformen, auf
denen sie ungestört Lügen verbreiten können.“ Eine Schwächung der
EU-Gesetze fürs Digitale würde somit die Machtkonzentration von Big Tech
und gleichzeitig autoritäre politische Agenden stärken.
14 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.lobbycontrol.de/macht-der-digitalkonzerne/wie-big-tech-in-bruessel-datenschutz-und-ki-regeln-beeinflusst-123685/
(DIR) [2] /Lockerung-von-Datenschutzregeln/!6131136
(DIR) [3] /Kuenstliche-Intelligenz/!6009041
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
## TAGS
(DIR) Verbraucherschutz
(DIR) Datenschutz
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Datenschutzgrundverordnung
(DIR) EU-Kommission
(DIR) Big Tech
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) DSGVO
(DIR) Digital
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Lockerung von Datenschutzregeln: EU will alle Warnungen ignorieren
Die EU-Kommission will Firmen Zugriff auf sensible Daten erleichtern und
das KI-Gesetz bis zu 16 Monate aussetzen. Daran gibt es scharfe Kritik.
(DIR) Datenschützer über EU-Vorstoß: „Tod durch 1000 Schnitte“
Mit dem „Digitalen Omnibus“ will die EU-Kommission Gesetze vereinfachen.
Datenschützer Max Schrems sieht stattdessen einen Angriff auf die DSGVO.
(DIR) Digitale Rechte in Europa: Datenschützt euch doch selbst
Die EU plant eine umfassende Deregulierung ihrer Internet-Gesetzgebung.
Kritiker fürchten einen massiven Rückschritt für digitale Grundrechte.