# taz.de -- Social Media in Australien: „Das Verbot löst keines der Probleme“
       
       > Australien hat als erstes Land ein Mindestalter für die
       > Social-Media-Nutzung vorgeschrieben. Die Regierung sieht Erfolge,
       > Bürgerrechtler üben Kritik.
       
 (IMG) Bild: Auf welchen Plattformen sind diese Kids wohl unterwegs? Momentaufnahme aus Sydney
       
       Zwei Monate nach dem [1][Start des Social-Media-Verbots für unter
       16-Jährige in Australien] zeichnen sich erste Konsequenzen ab. Nach Angaben
       der australischen Regierung haben die Plattformen insgesamt 4,7 Millionen
       Konten von Kindern oder Jugendlichen gelöscht oder deaktiviert.
       
       Während die Regierung von einem Erfolg spricht, sehen
       Bürgerrechtsorganisationen das Verbot kritisch: „Das Verbot löst keines der
       Probleme, die Social-Media-Plattformen verursachen, ihre schädlichen
       Effekte bleiben“, sagte Tom Sulston von der australischen NGO Digital
       Rights Watch bei einer Diskussion des deutschen Tech-Thinktanks Interface
       am Mittwoch.
       
       In Australien dürfen seit Dezember Menschen unter 16 Jahren bestimmte
       Social-Media-Plattformen – unter anderem Tiktok, Instagram, Snapchat,
       Facebook und X – nicht mehr verwenden. In der Pflicht sind die Anbieter:
       Sie müssen überprüfen, ob neue und bestehende Nutzer:innen das
       Mindestalter erfüllen.
       
       Die Regierung sieht das Verbot in einer ersten Bilanz als Erfolg. Die
       Kinder „können echte Verbindungen aufbauen zu ihren Geschwistern und zu
       ihren Eltern, sie können Skateboard fahren, schreiben, lesen, sich mit
       Kunst und Musik beschäftigen“, sagte Kommunikationsministerin Anika Wells
       im Januar.
       
       ## 1,2 Millionen Jugendliche betroffen
       
       Zahlen dazu, wie viele Social-Media-Accounts unter 16-jähriger
       Australier:innen es vor dem Verbot gab, liegen allerdings nicht vor.
       Welchen Prozentsatz die 4,7 Millionen gelöschten oder deaktivierten
       Accounts ausmachen, ist daher unklar. Die Zahl der Australier:innen
       zwischen 13 – dem üblichen Mindestalter, das die Plattformen selbst setzen
       – und 16 beziffert die Regierung auf 1,2 Millionen. Von der Regulierung
       betroffen sind 10 Plattformen.
       
       Bürgerrechtler Sulston kritisiert, dass Kinder und Jugendliche nun in
       deutlich unreguliertere Plattformen getrieben würden. Plattformen, [2][auf
       denen Hass und Extremismus ungehindert verbreitet] werden, wo es praktisch
       keine Moderation und keine Kontaktmöglichkeiten für Betroffene oder
       Aufsichtsbehörden gibt. Doch selbst, wenn die Jugendlichen diesen
       fernblieben und mit 16 ein Konto auf Tiktok, Snapchat oder X erstellten:
       „Mit dem Erreichen der Altersgrenze ist man nicht schlagartig kompetent,
       mit diesen Plattformen umzugehen.“
       
       Zwar sei es möglich, dass sich das Verbot bei einem Teil der Minderjährigen
       [3][positiv auf die mentale Gesundheit] auswirke. „Aber es wird definitiv
       negative Auswirkungen auf andere haben, zum Beispiel solche, die in
       abgelegenen Gegenden wohnen und diskriminierten Gruppen angehören.“ Sulston
       zufolge würden Hilfsorganisationen für Kinder und Jugendliche berichten,
       dass zehn Prozent der Anrufe von Minderjährigen kämen, die durch das Verbot
       von ihrem Netzwerk an Unterstützer:innen abgeschnitten worden seien.
       
       ## Wo ein Wille, da ein Weg
       
       Gleichzeitig häufen sich Berichte, die beschreiben, wie leicht der
       Alters-Check zu umgehen sei. Denn viele Anbieter setzen hier auf eine
       softwarebasierte Überprüfung per Video. Stirnrunzeln, falsche Wimpern oder
       Schnurrbärte, ältere Freunde oder Geschwister, die in die Kamera schauen –
       und schon ist die Altersgrenze geknackt.
       
       Auch die australische Regierung räumt ein, dass die Anbieter hier
       nachbessern müssen. E-Safety-Beauftragte Julie Inman Grant betonte jedoch,
       dass eine nicht perfekte Umsetzung nicht bedeute, dass die Regel sinnlos
       sei: „Sonst wären auch Tempolimits umsonst, weil Menschen rasen, und
       Altersgrenzen für Alkohol, weil manche Kinder dennoch welchen bekommen.“
       
       In Deutschland wird die Debatte um eine Altersgrenze im Sommer an Fahrt
       aufnehmen: Dann soll die von der Bundesregierung eingesetzte
       [4][Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“]
       ihre Ergebnisse vorstellen.
       
       11 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /KI-Grok-von-Elon-Musk/!6145544
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 (DIR) [4] https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/bundesregierung-beruft-expertenkommission-ein-269648
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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