# taz.de -- Fastenmonat in Jordanien: Bloß nicht auf offener Straße essen!
       
       > Der Ramadan hat begonnen. Und damit in vielen arabischen Ländern das
       > Verbot, tagsüber in der Öffentlichkeit zu essen und zu trinken – auch in
       > Jordanien.
       
 (IMG) Bild: Amman im Dornröschenschlaf: Die sonst so quirligen Restaurants haben ihre Rolltore heruntergelassen
       
       Es ist Samstag, kurz nach Mittag, doch die berühmte Regenbogenstraße in
       Amman ist nahezu menschenleer. Lediglich kleine Touristengruppen schlendern
       durch die zu dieser Jahreszeit nur mäßig warmen Straßen der Stadt.
       
       Die sonst so quirligen Restaurants haben ihre Rolltore heruntergelassen,
       die gesamte Straße liegt in einer Art Dornröschenschlaf. Nur in wenigen
       Lokalen warten Kellner hinter blickdichten Gardinen auf Kunden.
       
       Es ist Ramadan und das bedeutet in Jordanien so wie im Rest der
       muslimischen Welt: Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird gefastet,
       einen Monat lang. Kein Tropfen Wasser, kein Essen. Die Abstinenz von
       Mahlzeiten, Rauchen, Sex und sonstigen Vergnügen ist eine der Säulen des
       Islams, wird als heilig angesehen und dient unter anderem dazu, sich
       Reflexion und Gebet zu widmen. Menstruierende Frauen, Kinder, Reisende und
       Kranke sind ausgenommen, die Gesundheit geht vor.
       
       ## Gefängnis oder Geldstrafe
       
       Trotzdem gilt für alle, gleich welchen Glaubens: Essen und trinken an
       öffentlichen Orten ist verboten. Wer dagegen verstößt, kommt für einen
       Monat ins Gefängnis – oder muss 15 jordanische Dinar zahlen, knapp 18 Euro.
       Über die Strafe entscheidet der zuständige Richter.
       
       Ausnahmen gelten für Menschen, die sich des Ramadans nicht bewusst waren
       oder zum Fastenbrechen gezwungen wurden, etwa durch plötzlich auftretende
       Krankheit. Um den vielen ausländischen Studierenden, NGO-Mitarbeitenden,
       Tourist*innen und Nichtmuslim*innen im Land entgegenzukommen, dürfen
       Restaurants mit touristischer Lizenz seit einigen Jahren tagsüber legal
       öffnen, solange die Essenden diskret von äußeren Blicken abgeschirmt sind.
       
       Das Verbot ist im Artikel 274 des Strafgesetzbuchs aus dem Jahr 1960
       geregelt. Unklar ist, ob und wie viele Menschen auf der Grundlage dieses
       Gesetzes bereits ins Gefängnis gekommen sind. Doch in diesem Jahr wird das
       Gesetz in den sozialen Netzwerken heiß diskutiert. „Als Christin
       respektiere ich meine Freunde und andere in der Öffentlichkeit, aber
       Menschen wegen essen oder trinken ins Gefängnis zu schicken, ist extrem“,
       schreibt etwa eine Nutzerin, „Und was ist mit Menstruierenden oder
       Nichtmuslimen?“, fragt eine andere.
       
       ## Kaufkraft von 1960
       
       Am Abend [1][kurz nach Iftar, dem Fastenbrechen], sitzen in einem Garten
       vier Freund*innen, trinken süßen Tee, essen Brot mit Hummus, Reis und
       Linsensalat. Die Luft ist frisch, ein Geruch von verbranntem Holz steigt
       aus der Feuerschale. „Ich finde, es sollte keine Straftat sein, sondern
       eher eine Ordnungswidrigkeit“, sagt Alina*, eine 25-jährige Deutsche, die
       in Amman lebt. „Verhaften finde ich schon sehr streng.“ Ihr Kumpel wundert
       sich eher über die Unverhältnismäßigkeit der Alternative zwischen Gefängnis
       und 18 Euro Bußgeld. Dies kann jedoch an der Kaufkraft im Jahr 1960 liegen,
       aus dem das Gesetz stammt.
       
       „Einmal musste ich vier Kilometer laufen, weil kein Bus mehr gefahren ist,
       irgendwann konnte ich nicht mehr, ich habe mich hinter einer Straßenecke
       versteckt und etwas mit Zucker gegessen“, beichtet die 23-jährige Maria*
       aus Spanien. Ahmad aus Ägypten findet das Gesetz hingegen gut. Schließlich
       sei Jordanien ein muslimisches Land, man müsse die Traditionen
       respektieren.
       
       Ähnlich sehen es zwei junge Jordanier, 26 und 30 Jahre alt, die sich auf
       Nachfrage der taz dazu äußern, doch anonym bleiben möchten. „Es geht nur
       darum, die Tradition des heiligen Monats zu bewahren“, sagt einer. Als
       Christ faste er jedoch nicht.
       
       Es ist bereits Nacht, in der Ferne hört man dumpfes Böllerkrachen. In einem
       Restaurant der Regenbogenstraße tragen Kellner im gedimmten Licht Krüge mit
       Bier zu einer Gruppe Norwegern. „Ich habe auf Roya News davon erfahren,
       dachte aber nicht, dass man dafür ins Gefängnis kommt“, sagt einer von
       ihnen. Ein anderer schaut erstaunt. In der Felsenstadt Petra hätten heute
       alle getrunken und gegessen, erzählt er und schmunzelt.
       
       *Name von der Redaktion geändert.
       
       27 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bahnfahren-in-Indien/!6140129
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Serena Bilanceri
       
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