# taz.de -- Wahlergebnis in Uganda: Autokratie bleibt stabil
> Seit 1986 regiert Yoweri Museveni Uganda, nun wurde er erneut gewählt.
> Der Präsidentschaftskandidat Bobi Wine ist laut eigenen Angaben einer
> Entführung nur knapp entkommen.
(IMG) Bild: Ugandas alter und neuer Präsident Yoweri Museveni, Juli 2022
epd/dpa | Fünf weitere Jahre wird Yoweri Museveni an der Spitze Ugandas
stehen. Knapp 72 Prozent stimmten laut offiziellen Ergebnissen bei der Wahl
am Donnerstag für den 81-Jährigen, der bereits heute zu den am längsten
amtierenden Staatschefs der Welt zählt.
Seit 1986 regiert Museveni das ostafrikanische Land – zunehmend
autokratisch, auch [1][weil sein Rückhalt in der Bevölkerung langsam
schwindet]. Für seinen Wahlsieg hatte der Langzeitpräsident vorab die
Grundlagen geschaffen: Alle Mitglieder der Wahlkommission sind von ihm
berufen. Die Armee war rund um den Wahlkampf im Einsatz, an der Seite der
Regierung.
Zuvor sei Ugandas Präsidentschaftskandidat Bobi Wine laut eigenen Angaben
einem Entführungsversuch staatlicher Sicherheitskräfte entkommen. „Ich
möchte bestätigen, dass ich ihnen entkommen konnte“, schrieb Wine, ein
ehemaliger Musiker, der mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi heißt, auf
X. Wenige Stunden zuvor hatte Wines Oppositionspartei National Unity
Platform (NUP) mitgeteilt, Wine sei nachts von einem Armeehelikopter
gewaltsam verschleppt worden.
Der 44-jährige Wine bestätigte, Militär und Polizei hätten seine Residenz
überfallen, wo er bereits seit Donnerstag unter Hausarrest stand. Die
Eindringlinge hätten demnach die Stromversorgung unterbrochen und
Überwachungskameras abgeschaltet. Ein Hubschrauber sei über seinem Haus
gekreist. Wine halte sich nun nach eigenen Angaben versteckt, während seine
Frau und andere Familienmitglieder weiter unter Hausarrest stünden. Bobi
Wine ist Museveni schärfster Rivale und besonders bei jungen Leuten
beliebt. Diese stellen demografisch die Mehrheit der Bevölkerung.
## Internetsperre und Vorwürfe des Wahlbetrugs
Die Opposition wirft der Regierung indes Wahlbetrug vor. Diese hatte
bereits seit Dienstagabend das Internet gesperrt und der Zugang zu sozialen
Medien blockiert. Zudem verbot die Regierung Journalisten, über eventuelle
Proteste und Unruhen zu berichten. Aktivisten hatten schon im Wahlkampf
Repressionen gegen Oppositionskandidaten und ihre Anhänger kritisiert. Das
UN-Menschenrechtskommissariat äußerte Besorgnis über „unzulässigen
Einschränkungen“ der Opposition durch staatliche Sicherheitskräfte.
Als Yoweri Museveni das erste Mal Präsident wurde, war er etwas älter als
40 Jahre. Jahrelang hatte er mit Milizen gegen seine Vorgänger Idi Amin und
Milton Obote gekämpft. Im tansanischen Daressalam hatte Museveni zuvor
Politikwissenschaft studiert. Damals sagte er: „Das Problem in Afrika und
Uganda sind nicht die Menschen, sondern ihre Anführer, die sich an die
Macht klammern.“
Geboren wurde Museveni 1944 im Westen Ugandas, zu Zeiten der britischen
Kolonialherrschaft. Er stammt aus einer Familie nomadischer Viehhirten.
Sein Name ist abgeleitet von dem siebten (englisch: „seventh“) Regiment der
„Kings African Rifles“, einem Regiment von ugandischen Soldaten, die im
Ersten und Zweiten Weltkrieg an der Seite der Briten kämpften.
## Vater der Nation
Heute sieht sich Museveni als Vater der Nation – ihm seien die Stabilität
und das Wirtschaftswachstum zu verdanken, betont er immer wieder. Um an der
Macht zu bleiben, hat er zweimal die Verfassung ändern lassen: erst, um die
Begrenzung der möglichen Amtszeiten aufzuheben, dann die Altersgrenze.
Seine Politik verbindet Museveni bisweilen mit einer antiwestlichen
Rhetorik. Einflüsse von außen will er abwehren. Auch homosexuelle Menschen
sieht er als Vertreter einer westlichen Lebensweise und verfolgt sie. Ein
2023 in Kraft getretenes Gesetz ermöglicht drakonische Strafen für
gleichgeschlechtliche Handlungen, in manchen Fällen sogar die Todesstrafe.
Trotz teils scharfer Kritik aus dem Ausland gilt es bis heute.
Laut eigener Aussagen will Museveni bei zukünftigen Wahlen nicht mehr
antreten. Die Frage, wer auf ihn folgen könnte, ist offen. Im Machtzentrum
des Landes dreht sich bisher alles um seine engste Familie. Die Minister
sind austauschbar. Im Laufe der vergangenen Jahre hat Musevenis Sohn
Muhoozi Kainerugaba die Leitung der Armee übernommen. Auch Musevenis
Halbbruder Salim Saleh hat großen Einfluss.
Ehemalige Freunde und Weggefährten wie den nun Oppositionellen Kizza
Besigye verfolgt Museveni hingegen hart. Besigye ist seit mehr als einem
Jahr in Haft, ihm wird Verrat vorgeworfen und er ist vor einem
Militärgericht angeklagt. Dass Museveni sich zu Anfang seiner Amtszeit vor
vier Jahrzehnten als Versöhner und Vertreter der Einheit Ugandas inszeniert
hatte, davon ist nicht mehr viel zu spüren.
17 Jan 2026
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