# taz.de -- Nach den Wahlen in Uganda: Armeechef wünscht sich Ermordung des Oppositionsführers
       
       > Nach der Wahlniederlage gegen Präsident Museveni ist Ugandas
       > Oppositionsführer Bobi Wine auf der Flucht. Jetzt jagt ihn Musevenis Sohn
       > persönlich.
       
 (IMG) Bild: Da hatten Ugandas Sicherheitskräfte ihn noch im Blick: Bobi Wine mit seiner Ehefrau am Wahltag
       
       Auf sämtlichen Straßen, die aus Ugandas Hauptstadt Kampala hinausführen,
       herrscht derzeit Stau. Polizisten stoppen jedes Fahrzeug, jeden Lastwagen,
       jedes Motorrad. Sie suchen nach dem Oppositionsführer Robert Kyagulanyi,
       bekannt unter seinem Künstlername Bobi Wine.
       
       Der 43-jährige Präsidentschaftskandidat der Partei NUP (National Unity
       Platform) hat vergangenen Donnerstag [1][die Präsidentschaftswahl gegen
       Amtsinhaber Yoweri Museveni verloren], laut Wahlkommission mit 25 gegen 72
       Prozent. Er nannte die Ergebnisse „gefälscht“.
       
       Ugandas Armeechef und ältester Sohn des Präsidenten, Muhoozi Kainerugaba,
       eröffnete am Tag nach der Wahl [2][per X] die Jagd auf den Rivalen seines
       Vaters: „Ich gebe ihm genau 48 Stunden Zeit, sich der Polizei zu stellen.
       Sollte er dies nicht tun, werden wir ihn als Geächteten/Rebellen behandeln
       und entsprechend gegen ihn vorgehen.“ Am selben Tag umzingelten Polizisten
       und Soldaten Wines Haus in Kampala „Hubschrauber kreisten über uns“,
       berichtete Wine auf der Plattform X und sagte, ihm sei die Flucht gelungen.
       Zunächst hatten Gerüchte zirkuliert, der Oppositionsführer sei abgeführt
       worden oder in einem der geheimen Foltergefängnisse gelandet, in welchen in
       der jüngsten Vergangenheit Mitglieder seiner Partei NUP misshandelt wurden.
       
       Doch dieses Mal war Bobi Wine offenbar vorbereitet. Am Samstagvormittag
       meldete er sich über soziale Medien aus einem unbekannten Ort zu Wort: „Du
       hast den Überfall auf mein Haus befohlen, um mir zu schaden!“, wandte sich
       der 43-Jährige direkt an Ugandas 51-jährigen Armeechef: „Ich habe dich mit
       deinen eigenen Waffen geschlagen und bin entkommen. Und da stehst du nun,
       von Angst und Panik ergriffen, und bestätigst deinen finsteren Plan gegen
       mich!“
       
       ## Im Visier des Twitter-Generals
       
       Kainerugaba, der seit Jahren als aussichtsreichster Nachfolger seines
       Vaters im Amt des Präsidenten gehandelt wird, ist afrikaweit berüchtigt für
       [3][seine provokanten X-Posts]. In Uganda wird er neckisch der
       „Twitter-General“ genannt. Mit weit über einer Million Followern auf X hat
       er in den vergangenen Jahren mehrfach für diplomatische Verwerfungen
       gesorgt. Er drohte unter anderem damit, dass seine Armee Sudan oder Kenia
       erobert.
       
       Auch jetzt lässt er seinen Unmut auf X aus. Dabei ist das Internet in
       Uganda größtenteils lahmgelegt. Zwei Tage vor den Wahlen ließ die Regierung
       alles ausschalten. Erst am Sonntag, nach der Bekanntgabe der Ergebnisse,
       wurde das Internet teilweise wieder hochgefahren. Soziale Netzwerke wie X,
       Tiktok oder Whatsapp sind aber weiterhin blockiert. Die Sicherheitsorgane
       fürchten offenbar, Wine würde online zu Massenprotesten ausrufen, wie es in
       Kenia und Tansania geschehen ist.
       
       Kainerugaba bestätigt in einem seiner feurigen Posts sogar die Vorwürfe der
       Opposition. Wine hatte in seiner ersten Videobotschaft aus seinem Versteck
       heraus gemeldet, dass am Wahltag 22 seiner Anhänger von Polizei und
       Militärs getötet worden seien – eine Zahl, die bislang von niemandem
       bestätigt worden war.
       
       Prompt [4][twitterte der Armeechef am Montagabend]: „Wir haben seit letzter
       Woche 22 NUP-Terroristen getötet.“ Und es folgte eine eindeutige Drohung:
       „Ich bete, dass Nummer 23 Kabobi ist.“ In der Sprache Luganda ist das
       Präfix „ka“ eine Verniedlichung – Kabobi ist also der „kleine Bobi“.
       
       Kainerugabas Ärger über Wines Abtauchen hat auch persönliche Gründe. Sein
       Vater Museveni hatte in den 1980er Jahren als junger Freiheitskämpfer aus
       dem Untergrund heraus eine Guerillaarmee aufgestellt, um Ugandas damalige
       Diktatoren hinwegzufegen. Jetzt soll er selber einen Oppositionsführer
       aufspüren, der ihm seinen möglichen zukünftigen Job streitig macht. Eine
       enge Kollaboration mit Kenia, Tansania und Ruanda hat Kainerugaba bereits
       im Vorfeld der Wahlen vereinbart, um Oppositionelle, die sich in die
       Nachbarländer absetzen, dingfest zu machen.
       
       „Wie dem auch sei, ich werde wieder auftauchen, wann immer ich es will“,
       [5][antwortet Wine]. „Dann könnt ihr und euer Vater mit mir machen, was ihr
       wollt“, schreibt er und betont: „Das ist unser Land!“
       
       20 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ugandas-Praesident-wiedergewaehlt/!6146372
 (DIR) [2] https://x.com/mkainerugaba/status/2013287572705783880
 (DIR) [3] https://x.com/mkainerugaba
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 (DIR) [5] https://x.com/HEBobiwine/status/2013311659142443463
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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