# taz.de -- Nach Blackout in Berlin: „Vulkangruppe“ bedauert Zeitpunkt des Anschlags
       
       > Die „Vulkangruppe“, die sich zum Anschlag aufs Berliner Stromnetz
       > bekannte, äußert sich erneut – und amüsiert sich über das Tennis-Debakel
       > von Kai Wegner.
       
 (IMG) Bild: Polizeikräfte stehen an der Brandstelle der Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde in Berlin
       
       Nach dem Brandanschlag auf eine Stromkabelbrücke im Berliner Ortsteil
       Lichterfelde meldet sich die „Vulkangruppe“, [1][die sich zu der Tat
       bekannte], nochmals zu Wort – diesmal mit einem „Offenen Brief“ an die vom
       Stromausfall Betroffenen und an die linke Bewegung. Der Anschlag wird darin
       erneut verteidigt. Selbstkritisch aber wird eingeräumt: „Mit dem heutigen
       Wissen um die Auswirkungen für Teile der Bevölkerung, hätten wir diese
       Aktion in eine warme Jahreszeit verlegt.“
       
       Das Schreiben lässt sich nicht final überprüfen, wirkt aber authentisch. Es
       wurde auf einer einschlägigen Internetseite veröffentlicht, auf der auch
       Bekennerschreiben zu früheren „Vulkangruppen“-Aktionen und weiteren
       Sabotageaktionen auftauchten. Auch korrespondiert der Duktus mit vorherigen
       Schreiben und der Text offenbart noch einmal [2][mutmaßliches Täterwissen,
       wie die Kabel entzündet wurden].
       
       In der Nacht zu Samstag hatten Unbekannte in Berlin eine Kabelbrücke vor
       dem Gaskraftwerk Berlin-Lichterfelde in Brand gesetzt. Das führte zu einem
       tagelangen, großflächigen Stromausfall, der Zehntausende Haushalte betraf
       und [3][bis Mittwoch andauerte]. Schulen und Supermärkte blieben
       geschlossen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mussten mit
       Notstromaggregaten versorgt werden.
       
       ## „Die Tragweite war weder beabsichtigt noch einkalkuliert“
       
       „Die Aktion war kein geplanter Angriff auf die Stromversorgung Berlins“,
       wird in dem aktuellen Schreiben der „Vulkangruppe“ beteuert. Ziel sei es
       gewesen, das „fossile Gaskraftwerk auszuschalten, weil es nicht mehr
       verantwortbar ist, weiter die Erde zu zerstören“. Die Folgen der Aktion
       seien nicht absehbar gewesen. „Die Tragweite der Auswirkung auf ungefähr
       40.000 private Haushalte war von uns weder beabsichtigt noch
       einkalkuliert.“ Man sei davon ausgegangen, dass ein Stromausfall nur einige
       Stunden dauern würde.
       
       Die Autor*innen betonen, sie hätten bewusst Fernwärmerohre nicht
       angegriffen, „weil es uns nicht darum ging, der Bevölkerung
       Unannehmlichkeiten und Härten während des Frosts zu bereiten“. Die Gruppe
       will auch jede Gefährdung von Menschenleben ausgeschlossen haben. „Wir
       hätten diese Aktion nicht durchgeführt, wenn wir dessen nicht sicher
       gewesen wären.“
       
       Weiter heißt es: „Die pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörige
       lassen uns nicht kalt.“ Dass diese und andere Menschen es „schwer hatten“,
       daraus „können und sollten wir, andere Vulkangruppen und andere militante
       Gruppen, Schlüsse ziehen“. Die Gruppe begrüßt, wie sich die Betroffenen des
       Stromausfalls vielfach selbstorganisiert hätten. Davor habe man „großen
       Respekt“. Hier sollten sich auch linke Gruppen bei künftigen Krisenfällen,
       ob durch Sabotage oder nicht, einbringen.
       
       Den Anschlag an sich aber verteidigt die Gruppe. Und sie erklärt: „Den
       toten Villenvierteln allerdings weinen wir keine Träne hinterher.“ Dass
       Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris
       Spranger (SPD) zuletzt von Linksterrorismus sprachen und inzwischen die
       Bundesanwaltschaft zu diesem Vorwurf ermittelt, weist die Gruppe brüsk
       zurück.
       
       ## Terrorvorwurf wird zurückgewiesen
       
       „Wenn man von der heraufziehenden Klimakatastrophe nichts wissen will, dann
       zeigt man mit den Fingern auf andere und schreit Terrorismus“, heißt es im
       Schreiben. Die „Terrorismuskeule“ sei „der hilflose Versuch, sich der
       Auseinandersetzung um Widerstand gegen die Zerstörung der Erde zu
       entziehen“. Um mit dem Vorwurf des Terrors zu überzeugen, würden nun
       Betroffene „aus den Altenheimen und Senior*innenresidenzen
       hervorgeholt“. Das sei „pure Heuchelei“.
       
       Wie in einer [4][vorherigen, kurzen zweiten Stellungnahme] nach dem
       Anschlag weist die Gruppe auch nochmal zurück, dass der Anschlag eine
       „False Flag Aktion“ und eigentlich russische Sabotage gewesen sein könnte.
       Man lasse sich auch nicht steuern durch Geheimdienste: „In Russland und
       China würden wir Menschenmögliches tun, was den Diktaturen schadet und den
       Menschen hilft. Sabotage wäre naheliegend.“
       
       Auch eine [5][Distanzierung einer vermeintlichen Ursprungsgruppe der
       „Vulkangruppe“], deren erstes Bekennerschreiben 2011 nach einem
       Brandanschlag am Berliner Bahnhof Ostkreuz auftauchte, wird abgetan. Dieser
       Text komme „nie und nimmer von einer Vulkangruppe“, schreiben die jetzigen
       Autor*innen. Er sei „ein Fake“, weil viel zu „flach“, inhaltlich
       unausgegoren und ohne „Autorisierung“ und Belege, dass er wirklich von
       einer „Vulkangruppe“ stamme.
       
       Entweder komme der Text von einem „Troll“, einer Einzelperson oder von
       einem Geheimdienst oder „Faschisten“, die Verwirrung und Spaltung stiften
       wollten, mutmaßen die Autor*innen. Betont wird aber, dass es mehrere Zellen
       gebe, die als „Vulkangruppe“ unterwegs seien. Man selbst könne nur
       Verantwortung für den aktuellen Anschlag in Lichterfelde übernehmen.
       
       ## Bisher keine Tatverdächtigen ermittelt
       
       Sicherheitsbehörden hatte das erste Bekennerschreiben der „Vulkangruppe“
       als authentisch erachtet und den Anschlag den Linksmilitanten
       zugeschrieben. Tatverdächtige konnten dazu bisher nicht ermittelt werden –
       auch bei allen bisherigen Taten der „Vulkangruppen“ seit 2011 war dies
       nicht gelungen. Ermittler*innen werten aktuell Spuren vom Tatort,
       Zeug*innenhinweise und Bilder von Überwachungskameras aus, um diesmal
       Verantwortliche zu finden. Die „Vulkangruppe“ gibt sich in ihrer aktuellen
       Erklärung unbesorgt: „Wir sind entspannt.“
       
       In der Berliner Landespolitik wird derweil weiter über das Krisenmanagement
       von Regierungschef Wegner diskutiert – [6][der am ersten Tag des Anschlags
       Tennis spielen war, statt sich voll der Krisenbewältigung zu widmen], wie
       ihm Kritiker*innen vorwerfen. Die „Vulkangruppe“ äußert sich auch dazu
       – und das belustigt: Diese Entwicklung sei „ein amüsantes Detail“ des
       ganzen Geschehens.
       
       9 Jan 2026
       
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 (DIR) Konrad Litschko
       
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