# taz.de -- Trump, Wegner und Jebsen: Das Vulkangruppen-Franchise
> Zu viele Bekennerschreiben zum Stromausfall in Berlin, Kai Wegner glänzt
> mit „Laschet-Moment“ und die GLS-Bank kündigt linken Organisationen.
(IMG) Bild: Kai Wegner, Regierender Bürgermeister
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?
Küppersbusch: USA erwägen, Grönländern Kopfprämien zu bieten.
taz: Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Sondervermögen! Sofort!
taz: Im Süden Berlins sorgte eine militante „Vulkangruppe“ für einen
mehrtägigen Ausfall der Energieversorgung. Motiv: den fossilen Kapitalismus
sabotieren. Was halten Sie von der Aktion?
Küppersbusch: Inzwischen hat sich [1][eine ältere „Vulkangruppe“] von der
aktuell bekennenden „Vulkangruppe“ distanziert. Vielleicht ist das ein
Franchise wie McDonald’s oder der Russe karnevalisiert als Linksaktivist.
Keine Ahnung, dem Normalbürger wurde spürbar dargelegt, dass es ohne
fossile Energien echt doof ist. Hm, vielleicht doch die Russen.
taz: Kurz nach der Sabotage war der Regierende Bürgermeister Kai Wegner mit
seiner Liebsten beim Tennis. Tags darauf verheimlichte er das und gab sich
als unermüdlichen Krisenmanager. Ist er im Amt noch haltbar?
Küppersbusch: Wegner hat das obligate Date mit den Fotojournalisten, die
einen tatkräftig dreinschauenden Gummistiefelinsassen erwarten, blau
gemacht. Blöd war’s, das erstmal zu leugnen, zur Strafe wird ihm das als
[2][„Laschet-Moment“] angehängt. Hieße ja, dass er eigentlich ein feiner
Kerl ist und nach ihm ein schlechterer kommt.
taz: In Sachsen-Anhalt ist Ministerpräsident Rainer Haseloff in dieser
Woche vorzeitig abgetreten. Offenbar um seinen präferierten Nachfolger Sven
Schulze ins Rampenlicht zu stellen. Ein kluger Move?
Küppersbusch: Ursprünglich wollte Haseloff bis zur Wahl durchziehen, obwohl
sein Nachfolger Schulze schon im August bestimmt worden war. Diese Lösung
jetzt ist ein als „sowohl als auch“ getarntes „weder noch“. Hey, cool, wenn
das auf den Plakaten stünde. Geht ja nur um den drohenden Wahlsieg der AfD.
taz: Nach dem Angriff auf Venezuela dreht Donald Trump außenpolitisch
weiter am Rad, beschlagnahmt russische Öltanker, geiert auf Grönland. Sind
Merz und seine EU-Amtskollegen damit überfordert?
Küppersbusch: Merz und die anderen Europäer wollen Trump in
Sicherheitsgarantien für die Ukraine locken. Er ruft Grönland als Preis
auf. Mach was. Mit Venezuela haben sich die USA erstmal einen Failed State
mit Schurkenregime ans Bein gebunden, so was kann dauern. In Grönland
verfügt Amerika durch ein Abkommen im Kalten Krieg 1951 über weitgehende
Rechte, knapp unterm Besatzungsstatut etwa in Deutschland. Für die Ukraine
muss Merz also werben, in Grönland beschwichtigen und bei Venezuela warten.
Sieht eher nach Schönheitstanz aus als nach High Noon. Merz’ Naturell käme
es entgegen, mit der Faust auf den Tisch zu kloppen, er hat nur keinen
Tisch.
taz: In Minneapolis schoss ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE der
37-jährigen Renee Good in den Kopf, als sie sich einer Kontrolle entziehen
wollte. Wird Trump auch das aussitzen?
Küppersbusch: Inzwischen kann man [3][die Katastrophe auf drei Videos]
unterschiedlicher Perspektiven nach erleiden. Eines vom Schützen, eines von
Goods Partnerin Rebecca, ein drittes zeigt beide. Auch bei 100 Videos
blieben Details streitbar; offensichtlich ist: Der Schusswaffengebrauch ist
jäh, unangemessen; das Opfer versucht, die Szene zu verlassen und den Täter
zu umfahren – nicht umzufahren. Die Welt ist Augenzeuge, wie Trump und
seine „Heimatschutzministerin“ Noem das Gegenteil herbeifantasieren und –
und das ist ihr Ziel – so ihren Truppen signalisieren: Wir sind stärker als
die Wahrheit. Eine relative Mehrheit der Amerikaner steht auf so was.
taz: Im Iran kommt es zu den größten Aufständen seit Jahrzehnten. Europa
verhält sich relativ leise. Warum?
Küppersbusch: Weil man weder für die blutige Diktatur dort sein kann – noch
für die völkerrechtswidrigen Angriffe der USA und Israels.
taz: Die GLS Bank hat linken Organisationen die Konten gekündigt. Tausende
Kund*innen protestieren. Auch die taz ist Kund*in. Sollen wir kündigen?
Küppersbusch: Na hör mal, taz! Und fern jedes „Ätsch, selber schuld!“:
Hattest nicht du mit fetten Recherchen zur „Erasmus“-Stiftung der AfD und
zum Turboschwallkanal von Ken Jebsen die GLS überzeugt, endlich deren
Konten zu kündigen? Nun geht die Bank also gegen Linke los. Die DKP, die
für Kuba Spenden sammelt; die „Rote Hilfe“, weil sie die „Antifa Ost“
unterstützt. Beide wähnen dahinter US-Interventionen. Doch ausgerechnet die
„alternative“ Bank verkremlt sich hinter „regulatorischen Gründen“ und
verweigert Klarheit. Jetzt ist es heikel, einerseits „debanking“ als
politische Waffe zu verurteilen – und damit andererseits „gleiches Recht
für alle“ zu fordern. Auch für Rechte und Spinner. Vielleicht erschreckt
die GLS ein bisschen, wenn der gute Kunde taz Transparenz fordert. Sagt
einfach, ihr habt die Geheimnummer vergessen.
taz: Und was macht der RWE?
Küppersbusch: Freundschaftsspiel gegen Zweitligist Dresden, 1 zu 1. Kann
nächste Saison wieder kommen, unklar ist, in welcher Liga.
Fragen: Tobias Bachmann
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und würde manchmal auch
lieber Tennis spielen gehen.
11 Jan 2026
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