# taz.de -- Mercosur-Abkommen kurz vor Abschluss: Mehrheit instabil – aber ausreichend
> Italien will nach Zugeständnissen der EU-Kommission für das
> Mercosur-Abkommen stimmen. Damit scheint der Weg frei, trotz Widerstand
> aus Frankreich und Polen.
(IMG) Bild: Französische Landwirte protestieren am Donnerstag in Paris gegen das Mercosur-Freihandelsabkommen
Mit Deutschland und Italien, aber gegen Frankreich und Polen: In der EU
zeichnet sich nach langem Ringen eine Mehrheit für das [1][umstrittene
Freihandelsabkommen mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten] ab.
Für den Beschluss sind 15 der 27 Mitgliedstaaten nötig, die zusammen
mindestens 65 Prozent der Bevölkerung der EU ausmachen.
Ob diese sogenannte [2][qualifizierte – aber alles andere als stabile –
Mehrheit] zustande kommt, dürfte sich am Freitag zeigen: Dann ist die
finale Abstimmung im Ministerrat in Brüssel geplant. Bereits am Montag will
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den seit mehr als 20 Jahren
geplanten Deal in Paraguay besiegeln.
Ursprünglich wollte von der Leyen schon im Dezember alles klarmachen. Doch
beim letzten EU-Gipfel des Jahres stellte sich neben Frankreich, Polen und
einigen kleineren EU-Staaten auch [3][noch das Schwergewicht Italien] quer.
Das reichte für eine Sperrminorität. Auf Wunsch der italienischen
Regierungschefin Giorgia Meloni wurde das Votum noch einmal auf Januar
vertagt.
## Irland und Frankreich gegen Abkommen
Um die Zustimmung zu sichern – oder zu erkaufen, wie die Kritiker sagen –,
hat die EU-Kommission einige teure Zugeständnisse gemacht. So hat die
Brüsseler Behörde eine schnellere Auszahlung von 45 Milliarden Euro an
Hilfen für Landwirte vorgeschlagen. Außerdem sollen Einfuhrzölle für
bestimmte Düngemittel gesenkt werden. Brüssel könnte auch noch die neue
CO₂-Grenzabgabe aussetzen, hieß es.
Italien machte daraufhin den Weg für den Mercosur-Deal frei. Außenminister
Antonio Tajani hob die „enormen Vorteile“ einer solchen Vereinbarung
hervor. „Wir haben den Abschluss des Abkommens immer unterstützt“, erklärte
er. Italien habe jedoch auch stets die Notwendigkeit betont, „den
berechtigten Anliegen des Agrarsektors gebührend Rechnung zu tragen“.
Demgegenüber reichen Irland die Zugeständnisse offenbar noch nicht. „Wir
stimmen gegen das Abkommen“, erklärte der stellvertretende Regierungschef
Simon Harris am Donnerstag. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist dieser Vertrag
immer noch nicht akzeptabel“, [4][bekräftigte auch Frankreichs
Regierungssprecherin Maud Bregeon.] In Paris gab es bereits am Donnerstag
massive Bauernproteste.
Frankreich dürfte jedoch am Freitag überstimmt werden, auch von Deutschland
– ein ungewöhnlicher Vorgang. Allerdings hatte Kanzler Friedrich Merz schon
vor Wochen klargemacht, dass er trotz der viel beschworenen
deutsch-französischen Zusammenarbeit keine Rücksicht auf Paris nehmen
werde. Aus deutscher Sicht kommt dem Mercosur-Deal strategische Bedeutung
zu.
## Größte Freihandelszone der Welt
Das sieht man auch in der EU-Kommission so. Behördenchefin von der Leyen
hatte im Sommer einen für Deutschland und die EU nachteiligen Handelsdeal
mit US-Präsident Donald Trump geschlossen. Das Mercosur-Abkommen gilt nun
als unverzichtbares Gegengewicht. Nach dem [5][US-Militärcoup in Venezuela]
sei ein guter Draht zu Lateinamerika wichtiger denn je, heißt es in
Brüssel.
Die EU ist aber nicht nur von der Not getrieben. Sie verspricht sich von
dem Abkommen auch handfeste wirtschaftliche und politische Vorteile. Mit
dem Deal würde die größte Freihandelszone der Welt mit rund 700 Millionen
Konsumenten entstehen. Der Warenhandel – 2024 im Wert von 111 Milliarden
Euro – dürfte profitieren. Vor allem deutsche Exporteure wittern große
Chancen.
Der Deal wäre aber auch ein geopolitisches Signal an Lateinamerika, das
wieder zunehmend unter der Fuchtel der USA steht. Mit seiner
Militär-Intervention in Venezuela hat Trump die berüchtigte
[6][Monroe-Doktrin] aus dem 19. Jahrhundert wiederbelebt, der zufolge
Südamerika eine Domäne der USA ist. Damals richtete sich diese Doktrin vor
allem gegen Europa. Nun will die EU dagegenhalten.
Zunächst muss sie aber innere Widerstände überwinden. Wenn der
Mercosur-Deal zustande kommt, könnte dies nicht nur Bauernproteste, sondern
auch politische Instabilität auslösen. Denn nicht nur Frankreich fürchtet
unlautere Konkurrenz aus Südamerika. Auch in Polen, Belgien und Italien gab
es schon Proteste. Und in Deutschland rufen aufgebrachte Landwirte wieder
zu Demonstrationen auf.
8 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mercosur/!t5295520
(DIR) [2] https://www.consilium.europa.eu/de/council-eu/voting-system/qualified-majority/
(DIR) [3] /Handel-mit-Lateinamerika/!6139937
(DIR) [4] /EU-Handelsabkommen-mit-Mercosur/!6138227
(DIR) [5] /Trumps-Angriff-in-Venezuela/!6143137
(DIR) [6] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/donroe-doktrin-100.html
## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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