# taz.de -- Undurchsichtige Rüstungsaufträge der EU: BSW-Chef De Masi zieht gegen von der Leyen vor Gericht
> Die EU-Kommissionschefin soll über ihre Kontakte zur Rüstungsindustrie
> unvollständig Auskunft gegeben haben. De Masi will ein Grundsatzurteil
> erzwingen.
(IMG) Bild: In der Kritik: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
Mangelnde Transparenz und undurchsichtige Geschäfte – dieser Vorwurf
verfolgt Ursula von der Leyen seit ihrem Wechsel von Berlin nach Brüssel im
Jahr 2019. Nun steht die deutsche Präsidentin der Europäischen Kommission
wieder am Pranger: Der deutsche Europaabgeordnete Fabio De Masi, [1][seit
Kurzem Chef des BSW], hat Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) in
Luxemburg eingereicht. Sein Vorwurf: Mangelnde Transparenz und
undurchsichtige Kontakte zur Rüstungsindustrie.
Von der Leyen hatte 2025 die „Wiederbewaffnung“ der EU angekündigt und ein
rund 800 Milliarden Euro schweres Aufrüstungsprogramm aufgelegt. Ein Teil
davon wird [2][durch neue EU-Schulden finanziert] – im Eilverfahren ohne
Parlamentsbeteiligung, weshalb bereits eine Klage vor dem EuGH läuft. Der
Rechtsausschuss des EU-Parlaments habe einstimmig die Erhebung einer
Nichtigkeitsklage beschlossen, mit der die günstige Darlehensvergabe
gekippt werden könnten, teilte der SPD-Europaabgeordnete René Repasi im
Juni vergangenen Jahres mit.
De Masi will nun ein weiteres Grundsatzurteil erzwingen. Von der Leyen habe
ihre vertraglich verbriefte Pflicht verletzt, Anfragen aus dem Parlament zu
beantworten, heißt es in der Klageschrift, die der taz vorliegt. De Masi
verlangte im März 2025 Auskunft über alle Kontakte der Kommissionschefin
mit Rüstungsherstellern. Er fragte nach Treffen, Telefonaten,
Videokonferenzen, E-Mails und Briefwechseln. Die Antwort kam erst im
Oktober 2025 und war – so De Masi – unvollständig.
Kein Einzelfall: [3][EU-Abgeordnete aller Fraktionen] klagen über mangelnde
Transparenz und schleppende Bearbeitung ihrer Anfragen durch von der Leyens
Kommission. Statt nach sechs Wochen, wie in den EU-Verträgen vorgesehen,
werden parlamentarische Anfrage oft erst nach mehreren Monaten, manchmal
auch gar nicht beantwortet. Auch Nichtregierungsorganisationen wie
„Transparency International“ und „Lobbycontrol“ kritisieren immer wieder
mangelnde Transparenz.
## Kein Wandel bei restriktiver Informationspolitik
So schlug Lobbycontrol bereits im Oktober 2024 Alarm, weil die
EU-Kommission der Waffenlobby entgegenkommen und Rüstungsinvestitionen als
nachhaltig erklären wollte. Auch von der Leyens [4][Handelsdeal mit
US-Präsident Donald Trump] wurde von der deutschen NGO als intransparent
und einseitig kritisiert. Hohe Wellen schlug auch eine Klage der New York
Times. Sie forderte die Herausgabe von Dokumenten zur Impfstoffbeschaffung
in der Coronakrise und bekam vor Gericht teilweise recht.
An der restriktiven Informationspolitik der EU-Kommission hat sich aber
nichts geändert. „Frau von der Leyen hält sich wohl für Ludwig XIV.“,
kritisiert De Masi in Anspielung auf den berüchtigten „Sonnenkönig“ im
Frankreich des 17. Jahrhunderts. Die CDU-Politikerin sei „vom
Beschaffungsfilz der Bundeswehr bis zur Pfizer-Affäre immer wieder durch
Missmanagement und Löschung von Akten in Erscheinung getreten“. Bei der
Aufrüstung drohten nun „neue Beschaffungsskandale“.
Die EU-Kommission kontert kühl: „Wir teilen die Rechtsauffassung von Herrn
De Masi ausdrücklich nicht. Es ist aber sein gutes Recht, eine ihn nicht
zufriedenstellende Verwaltungsentscheidung gerichtlich überprüfen zu
lassen.“ Auf das Ergebnis darf man gespannt sein. De Masi fährt nicht nur
schweres Geschütz auf, sondern hat auch prominente Unterstützung:
Prozessbevollmächtigter ist der frühere sächsische Verfassungsrichter
Professor Christoph Degenhart.
Degenhart hat 2012 Verfassungsbeschwerde gegen den Euro-Rettungsschirm und
den Fiskalpakt eingelegt und an anderen großen Verfahren zu EU-Themen
teilgenommen. Der emeritierte Professor für Staats- und Verwaltungsrecht
ist auch Prozessvertreter des BSW vor dem Bundesverfassungsgericht im
Verfahren um eine Neuauszählung der Bundestagswahl 2025. Die Partei war bei
der Wahl ganz knapp an der [5][Fünf-Prozent-Hürde] gescheitert.
8 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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