# taz.de -- Berliner BSW und seine Kandidaten: Wahlkampf unterhalb der 5-Prozent-Hürde
       
       > Der BSW-Landesverband stellt seine Spitzenkandidaten zur
       > Abgeordnetenhauswahl vor. Es hagelt Gemeinplätze. Berlin aber fällt
       > hinten runter.
       
 (IMG) Bild: Alexander King (links) und Michael Lüders, Spitzenkandidaten für das BSW am 20. September
       
       Nur wenige Tage nach seinem zweiten Geburtstag startet das BSW in den
       Wahlkampf. In einer Pressekonferenz stellte der Berliner Landesverband die
       Spitzenkandidaten für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus (AGH) im
       September vor. Das vielleicht Verblüffendste daran: Sahra Wagenknecht ist
       nicht dabei.
       
       Die Liste führt Dr. Alexander King an. Er ist der einzige BSW-Abgeordnete,
       der bereits AGH-Mitglied ist. Für die Linke gewählt, wechselte King aber
       die Partei und sitzt nun als Fraktionsloser für das BSW im
       Abgeordnetenhaus.
       
       Er sei vom Landesvorstand der Partei aufgrund seiner parlamentarischen
       Erfahrung vorgeschlagen worden, erzählt King. Außerdem wolle er
       abschließen, was er in seiner letzten Amtszeit begonnen hatte.
       Hervorgetreten ist „der Einzelkämpfer“ dort durch über 50 schriftliche
       Anfragen zur „Corona-Politik“. Auch heute macht er sich für die Gründung
       eines parlamentarischen Corona-Ausschusses stark. Seine übrigen
       Wahlkampf-Programmpunkte sind im Kontrast dazu mehrheitsfähiger: soziale
       Wohnraumversorgung, Ausweitung des öffentlichen Sektors, Stärkung der
       Kaufkraft, Tarifbindung.
       
       ## Expertise in Sachen Außenpolitik – und Thriller
       
       „Hallöchen in die Runde“, meldet sich Michael Lüders zu Wort. Wie King und
       Wagenknecht selbst ist auch der Zweitplatzierte auf der BSW-Liste ein
       ehemaliges Linken-Mitglied. Parlamentarische Erfahrung bringt er nicht mit,
       dafür viel Expertise in Sachen Außenpolitik. Lüders gilt als
       Nahost-Experte, er schreibt etwa Bücher über den Israel-Palästina-Konflikt.
       Aber auch Thriller: Die Recklinghäuser Zeitung bezeichnet ihn als „Meister
       der Spannung sowie souveräner Sachkenner der wirtschaftlichen
       Zusammenhänge“.
       
       Ginge es nach Lüders, würde Berlin wieder Partnerstadt von Moskau. „Und von
       Ramallah“, fügt er lächelnd an. Die Städtepartnerschaften sollen laut
       Lüders eine „Friedenspolitik von unten“ ermöglichen. Ob das eine parallele
       Außenpolitik des Landes Berlin bedeute? „Das Regionale, das Nationale, das
       Globale sind nicht mehr voneinander zu teilen“, rechtfertigt sich Lüders.
       „Alles ist miteinander verbunden.“
       
       Damit scheint das BSW vor allem eins zu zeigen: Ihr Konzept einer
       Friedenspartei hat auf lokalpolitischer Ebene nicht besonders viel zu
       bieten. Daher schlägt Spitzenkandidat King Volksbefragungen „nach Schweizer
       Vorbild“ vor.
       
       Die Pressekonferenz findet in einem unscheinbaren Raum hinter dem Bahnhof
       Friedrichstraße statt. An der Wand hängen Bilder aus Gaza mit Titeln wie
       „Israel bombardiert Zelte vertriebener Palästinenser in Gaza“. Auch über
       den Köpfen der Politiker:innen hängen zwei solche Bilder. Sie zeigen
       menschenleere Trümmerhaufen.
       
       Die Zustimmungswerte der Partei sind laut einer Umfrage vom Dezember 2025
       mit 4,6 Prozent weiterhin unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde. Bis im
       September hat das BSW noch Zeit, die Zustimmungswerte anzuheben. Der
       aktuelle Zustand der Partei lässt allerdings eher fragen, ob es sie bis
       dahin noch geben wird.
       
       12 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nathan Pulver
       
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