# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Bedenken gegen Einsatz deutscher Soldaten in der Ukraine
       
       > Bundeskanzler Merz hat eine Beteiligung der Bundeswehr bei der
       > Absicherung eines Waffenstillstands angedeutet. Bedenken kommen nicht nur
       > aus der SPD.
       
 (IMG) Bild: Soll sich die Bundeswehr bei der Absicherung eines Waffenstillstands in der Ukraine beteiligen?
       
       Die Reaktionen auf eine [1][deutsche Beteiligung an einer Friedenstruppe in
       der Ukraine] sind in Deutschland verhalten. „Ich bezweifle, dass der
       Deutsche Bundestag ein Mandat beschließen würde, das die Entsendung
       deutscher Truppen in die Ukraine einschließt“, sagte der SPD-Außenpolitiker
       Ralf Stegner der taz. Es gebe aus guten Gründen viele Vorbehalte gegen
       einen Einsatz deutscher Soldaten in der Ukraine.
       
       „Deutsche Truppen in der Ukraine, wo die Nazis furchtbare Gräuel
       angerichtet haben, wären fast so schlimm wie deutsche Truppen in Israel“,
       sagte das altgediente SPD-Mitglied Axel Schäfer aus Bochum. Schäfer saß bis
       2025 für die Partei im Bundestag. Deutsche Soldaten in die Ukraine zu
       entsenden, halte er wie viele in der Partei für ausgeschlossen, so Schäfer
       zur taz.
       
       In einem gemeinsamen Statement betonen Fraktionsvize Siemtje Möller und die
       Sprecher für Außen und Verteidigung Adis Ahmetović und Falko Droßmann zwar,
       dass Deutschland seiner besonderen Verantwortung gerecht werden müsse.
       „Gleichzeitig bleibt es aber dabei, dass es zunächst einmal einer
       Verständigung über einen Waffenstillstand bedarf.“ Die Frage einer wie auch
       immer gearteten und zusammengesetzten Friedensmission, die vom Bundestag
       mandatiert werden müsse, stelle sich erst danach.
       
       Nicht nur aus der SPD kommen Bedenken, sondern auch aus Bayern. „Bevor
       junge deutsche Männer in die Ukraine müssen, sollten zunächst einmal
       jüngere ukrainische Männer aus Deutschland wieder heim“, sagte CSU-Chef
       Markus Söder am Dienstag bei der Klausur seiner Partei in Seeon. „Junge
       ukrainische Männer müssen in ihre Heimat und das Land verteidigen“,
       forderte Söder.
       
       Noch vehementer ist die Ablehnung der Linkspartei. Einen Einsatz von
       deutschen Soldaten in der Ukraine halte er für „kreuzgefährlich“ sagte
       Linken-Chef Jan van Aken der taz. „Sobald Russland angreift, wären wir im
       Krieg.“ Seine Partei werde einem Mandat, das den Einsatz von Nato-Soldaten
       mit Kampfauftrag gegen Russland vorsieht, „niemals zustimmen“.
       
       ## Entscheidende Fragen unbeantwortet
       
       Am Dienstagabend hatte Bundeskanzler Friedrich Merz nach einem Treffen der
       sogenannten Koalition der Willigen in Paris angekündigt, dass Deutschland
       bereit sei, sich im Falle eines Waffenstillstands in der Ukraine auch
       militärisch einzubringen. Konkret schlug er vor, „dass wir nach einem
       Waffenstillstand Kräfte für die Ukraine auf benachbartem Nato-Gebiet
       einmelden.“ Das heißt, Deutschland könnte etwa Soldaten in Polen
       stationieren, die von dort aus einen Waffenstillstand absichern. Wobei Merz
       für sich und die Bundesregierung nichts ausschließen wollte – also auch
       nicht, dass die Bundeswehr später in die Ukraine ausschwärmt.
       
       Frankreich und Großbritannien wollen sogar noch weitergehen und mehrere
       Militärstützpunkte in der Ukraine einrichten. Frankreichs Präsident
       Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer und der
       ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unterzeichneten in Paris eine
       Absichtserklärung über die Entsendung einer multinationalen Truppe im Fall
       eines Waffenstillstands. Frankreich könne „mehrere tausend“ Soldaten
       entsenden, sagte Macron. Die multinationale Truppe solle auf dem Boden, in
       der Luft und im Meer „weit von der Kontaktlinie entfernt“ eingesetzt
       werden, sobald es einen Waffenstillstand gebe.
       
       Die Frage, ob und wann es einen Waffenstillstand gibt, ist die
       entscheidende und Voraussetzung für alle weiteren Gedankenspiele. Sie ist
       weiter ungeklärt, zumal Russland an den Gesprächen in Paris nicht beteiligt
       war und auch kein Interesse an einem Waffenstillstand erkennen lässt. Zudem
       hatte Russlands Präsident Wladimir Putin mehrmals erklärt, keine
       Nato-Soldaten auf ukrainischem Gebiet zu dulden.
       
       ## Oder doch UN-Blauhelme?
       
       Er halte es deshalb für sehr unwahrscheinlich, dass Russland sich auf ein
       Abkommen einlasse, das eine Nato-Sicherheitstruppe einschließt, sagte
       Stegner und ist mit dieser Einschätzung nicht allein. Auch andere in der
       SPD teilen diese Skepsis. Stegner forderte die Bundesregierung auf, stärker
       auf eine multilaterale Lösung mit Beteiligung Chinas und Indiens
       hinzuarbeiten.
       
       Auch van Aken hält es für zentral, weitere Player und vor allem China
       stärker in die Gespräche für einen Waffenstillstand in der Ukraine
       einzubinden. Die Alternative zu einer europäischen Friedenstruppe, die
       einen möglichen Frieden in der Ukraine überwacht, seien klassische
       UN-Blauhelm-Soldaten.
       
       Allerdings müsste Russland einer solchen Truppe im Sicherheitsrat ebenfalls
       zustimmen. Und ob seine Partei zustimmen würde, dass sich die Bundeswehr an
       einer solchen Mission beteiligt, ließ van Aken ebenfalls offen.
       
       7 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Paris-Gipfel-zu-Sicherheitsgarantien/!6143439
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
 (DIR) Sabine am Orde
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Diplomatie
 (DIR) Bundeswehr
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Sicherheitsabkommen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Russlands Überfall auf die Ukraine: 20 Tote pro erobertem Quadratkilometer
       
       Russlands Verluste und Kosten im Ukrainekrieg sind kolossal. Erstmals räumt
       nun der Verteidigungsminister die direkten Kriegskosten ein.
       
 (DIR) Krieg in der Ukraine: Klitschko fordert die Kyjiwer auf, ihre Stadt zu verlassen
       
       In Kyjiw sollen in der Hälfte aller Wohnblöcke die Heizungen ausgefallen
       sein. Russland hatte die Ukraine in der Nacht mit einer Hyperschallrakete
       angegriffen.
       
 (DIR) Regierungsumbau: Turbulenter Jahresanfang in der Ukraine
       
       Präsident Selenskyj will wichtige Teile des ukrainischen
       Sicherheitsapparats neu aufstellen. Teilweise stößt das auf Unverständnis
       und Kritik.
       
 (DIR) „Sicherheitsgarantien“ von Paris: Europäische Beruhigungspillen für die Ukraine
       
       In Paris hat sich Europa verpflichtet, zu einer Friedenssicherung in der
       Ukraine militärisch beizutragen. Aber Frieden ist gar nicht in Sicht.
       
 (DIR) Paris-Gipfel zu Sicherheitsgarantien: Macron und Starmer bereit für Truppen in der Ukraine
       
       Einen Waffenstillstand würden Frankreich und Großbritannien absichern. Merz
       sprach zwar von deutschen Truppen – allerdings nicht in der Ukraine selbst.
       
 (DIR) Entwurf für Ukraine-Gipfelerklärung: USA sollen Überwachung eines Waffenstillstands leiten
       
       Sollte zwischen der Ukraine und Russland ein Waffenstillstand vereinbart
       werden, sollen dies die US-Amerikaner überwachen mit Beteiligung der
       Europäer.
       
 (DIR) Sicherheitsgarantien für die Ukraine: Darum geht es beim heutigen Treffen in Paris
       
       Seit Monaten wird um eine Lösung im Ukraine-Krieg gerungen. Nun steht das
       nächste Treffen der sogenannten Koalition der Willigen an.