# taz.de -- Regierungsumbau: Turbulenter Jahresanfang in der Ukraine
> Präsident Selenskyj will wichtige Teile des ukrainischen
> Sicherheitsapparats neu aufstellen. Teilweise stößt das auf Unverständnis
> und Kritik.
(IMG) Bild: Seine Regierung soll an die Anforderungen der aktuellen Phase des Krieges angepasst werden, sagt Wolodymyr Selenskyj, hier in Zypern
Es begann turbulent, dieses neue Jahr in der Ukraine. Präsident Wolodymyr
Selenskyj hat Führungspositionen in den höchsten staatlichen Institutionen
umfassend neu besetzt. Es sei notwendig, den Staatsapparat an die
Anforderungen der aktuellen Phase des Krieges und des Verhandlungsprozesses
anzupassen, begründete er seine Entscheidung.
Generell nimmt der ukrainische Präsident nur selten solche Änderungen vor.
Das letzte Mal geschah dies bei einer Regierungsumbildung im Sommer 2025,
die in der Gesellschaft fast unbemerkt blieb. Generell reagieren die
meisten Ukrainer seit Kriegsbeginn eher zurückhaltend auf solche
Veränderungen.
Aber die Versetzung von Kyrylo Budanow, bisher Chef des
Militärnachrichtendienstes, zum Leiter des Präsidialamtes wurde jetzt
heftig diskutiert und auf Social Media sogar [1][mit der Entlassung des
Oberbefehlshabers der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, vor
zwei Jahren] verglichen. Budanow gilt als einer der beliebtesten
Militärführer in der Ukraine. Seine Versetzung wird als Signal für eine
Stärkung des militärischen Kurses der Staatsführung sowie für eine
Konzentration auf Friedensverhandlungen wahrgenommen. Doch es gab auch
Stimmen, die eine Schwächung des Nachrichtendienstes befürchteten.
## Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums
Der Wechsel des Verteidigungsministers in der Ukraine wurde hingegen
gelassen aufgenommen: Mykhailo Fedorov, bisher Minister für digitale
Transformation, [2][soll auf Denys Schmyhal folgen], der den Posten erst im
Sommer übernommen hatte. Fedorov ist in der Gesellschaft beliebt, und sein
Eintritt in das Verteidigungsministerium wird mit der Notwendigkeit der
Modernisierung der Armee begründet, insbesondere im Bereich der unbemannten
Systeme und digitalen Dienste.
Der schmerzhafteste und umstrittenste Schritt war der Rücktritt des Leiters
des Inlandsgeheimdienstes (SBU) der Ukraine, Wassyl Maljuk, auf Druck der
Präsidialverwaltung, der noch vom Parlament bestätigt werden muss. Diese
Entscheidung löste sowohl in der ukrainischen Gesellschaft als auch beim
Militär heftige Reaktionen aus.
Sowohl Soldaten als auch Militärexperten befürchten, dass mit einem Wechsel
zum jetzigen Zeitpunkt die innere Sicherheit der Ukraine gefährdet werden
könnte. Es gibt auch Stimmen, die betonen, dass diese Rotationen vor
möglichen Wahlen politisch konnotiert seien und vermuten, dass Selenskyj
sich, unter Einbeziehung angesehener Militärs, ein neues Team von
Führungskräften mit hohem gesellschaftlichem Ansehen aufbaut.
Aktuell wurde nun Jewhen Chmara, Leiter der SBU-Spezialeinheit „Alfa“, zum
amtierenden Vorsitzenden des SBU ernannt. Eine Reihe von Experten
betrachtet diese Veränderungen als Teil einer systematischen Reform der
Geheimdienste, über die Selenskyj bereits früher gesprochen hatte, die nun
aber konkrete Formen annimmt.
## Veränderungen vor dem Hintergrund des Pariser Treffens
Diese Umbesetzungen fanden vor dem Hintergrund eines weiteren für die
Ukraine wichtigen Ereignisses statt: [3][dem Treffen der Koalition der
Willigen in Paris am 6. Januar], bei dem wichtige Fragen der Sicherheit und
Unterstützung der Ukraine abgestimmt wurden. Die wichtigste Vereinbarung
war eine gemeinsame Erklärung über Sicherheitsgarantien für die Ukraine.
Gleichzeitig weisen einige Experten und Politiker darauf hin, dass weitere
Details wie der rechtliche Status der Garantien, der Umfang und die Form
des Truppeneinsatzes, die Finanzierung und die Garantien für den Fall einer
möglichen erneuten Aggression seitens Russlands noch geklärt werden müssen.
Einige befürchten, dass ohne eine klare Phase der Umsetzung der
Vereinbarung die Risiken für die Ukraine weiterhin hoch bleiben könnten.
Insgesamt wird dieses Treffen in der ukrainischen Gesellschaft als ein
Schritt nach vorne bei der Schaffung einer breiteren internationalen
Gemeinschaft angesehen, die bereit ist, die Ukraine nicht nur während des
Krieges, sondern auch danach zu unterstützen.
Aus dem Ukrainischen Gaby Coldewey
8 Jan 2026
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