# taz.de -- Sicherheitsgarantien für die Ukraine: Darum geht es beim heutigen Treffen in Paris
> Seit Monaten wird um eine Lösung im Ukraine-Krieg gerungen. Nun steht das
> nächste Treffen der sogenannten Koalition der Willigen an.
(IMG) Bild: Videokonferenz der Koalition der Willigen in Kyjiw im Oktober: Wie könnte ein Waffenstillstand überwacht und abgesichert werden?
dpa | Die westlichen Unterstützer der Ukraine wollen an diesem Dienstag mit
Vertretern der USA in Paris über die Absicherung eines möglichen
Waffenstillstands oder Friedens für das von Russland angegriffene Land
beraten. Zu dem Treffen der sogenannten Koalition der Willigen werden
Vertreter aus 35 Ländern erwartet, darunter 27 Staats- und Regierungschefs.
Aus Deutschland reist Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an.
Für die USA sollen der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner,
Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, teilnehmen. Auch der
ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj wird erwartet, ebenso
[1][Nato-Chef Mark Rutte]. Fragen und Antworten zum Thema:
## Worum geht es bei dem Treffen in Paris?
Bei den Gesprächen der von Frankreich und Großbritannien angeführten
Koalition soll es im Detail darum gehen, wie ein Waffenstillstand überwacht
und abgesichert werden könnte. Auch über eine angedachte [2][multinationale
Truppe zur Absicherung eines Friedens] zwischen Russland und der Ukraine
will man sprechen.
Daneben wollen die Länder über die Unterstützung der ukrainischen Armee,
die langfristige Zusammenarbeit mit der Ukraine beim Thema Verteidigung und
die Unterstützung des Landes im Falle neuer Angriffe beraten.
Ein genauer Ablauf des Treffens war zunächst nicht bekannt. Frankreichs
Präsident Emmanuel Macron dürfte im Anschluss bei einer Pressekonferenz
über die Ergebnisse informieren.
## Worauf hat sich die Koalition bereits verständigt?
26 westliche Länder hatten sich bereits im September bereiterklärt, Truppen
zur Absicherung eines Waffenstillstands oder Friedens zwischen Russland und
der Ukraine zu entsenden. Dabei geht es um Bodentruppen oder Kräfte in der
Luft oder auf See, die nicht unbedingt in der Ukraine selbst, sondern auch
[3][in Grenznähe beziehungsweise der Region] zum Einsatz kommen können. Der
Truppeneinsatz soll jede neue größere Aggression verhindern und zur
dauerhaften Sicherheit der Ukraine beitragen. Frankreich hatte mehrfach
klargestellt, dass es nicht um einen Fronteinsatz, sondern eine
Friedenswahrung von weiter weg gehe.
## Was sind die großen Knackpunkte bei dem Treffen?
Aus französischer Sicht ist man sich unter Europäern, den USA und der
Ukraine über das Wesentliche einig – nämlich die Sicherheit der Ukraine.
Was genau die USA aber zur Wahrung eines Friedens in der Ukraine beisteuern
wollen, ist weiterhin unklar. Zuvor hieß es von einem hochrangigen
US-Beamten, dass kein Einsatz von US-Bodentruppen geplant sei. Jüngste
Gespräche hatte Witkoff immer wieder lediglich als „produktiv“ bezeichnet.
Trump hatte vor Monaten noch versprochen, dass es keinen Einsatz von
US-Truppen in der Ukraine geben werde. Die Vereinigten Staaten seien aber
bereit, die verbündeten Europäer zu unterstützen – etwa aus der Luft.
Außerdem ist weiterhin offen, welche Länder sich konkret mit wie vielen
Soldaten und Militärgerät an einer Friedenstruppe beteiligen wollen. Auch
eine mögliche Beteiligung der Bundeswehr ist noch offen.
## Wie stellt Deutschland sich bei der Unterstützung der Ukraine auf?
Die Bundesregierung hat sich noch nicht klar positioniert, was sie zu einer
Friedenstruppe beitragen würde. Für sie kommt die Debatte zu früh.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat bisher betont, dass die Stärkung der
ukrainischen Armee Priorität habe. Über alles Weitere müsse später
entschieden werden.
## Wie unterscheidet sich der Pariser Gipfel vom Berliner Treffen im
Dezember?
Der Pariser Gipfel konzentriert sich auf die Sicherheitsgarantien für die
Ukraine nach einem Waffenstillstand und was die Verbündeten dafür
einbringen können. Das Berliner Treffen Mitte Dezember war Teil der
Bemühungen um eine Gesamtvereinbarung zur Beendigung des Krieges mit
Russland – das allerdings nicht dabei war. Am Tisch saßen die USA, die
Ukraine und die wichtigsten europäischen Staaten.
## Was ist der derzeitige Stand der Friedensgespräche?
Die vielen internationalen Treffen seit Mitte November sind keine
klassischen Friedensverhandlungen – nämlich zwischen zwei Konfliktparteien.
Immer noch geht es darum, auf einer Seite eine abgestimmte Position zu
finden – der angegriffenen Ukraine, ihrer Unterstützer und der USA: Wie
soll ein Frieden erreicht werden, wie soll die Ukraine sich künftig wehren
können, welche Garantien ihrer Sicherheit braucht sie? Russland ist nur
durch eine Pendeldiplomatie der USA einbezogen.
Selenskyj sagte zwar vor dem Jahreswechsel, die einzelnen Elemente einer
Lösung seien zu 90 Prozent vereinbart. Doch die schwierigen Gebietsfragen
sind nicht gelöst. Moskau verlangt einen Rückzug ukrainischer Truppen aus
dem Teil der Gebiete Donezk und Luhansk, die es bislang nicht erobern
konnte. Die USA üben Druck auf Kyjiw aus, dem zuzustimmen, weil ein Frieden
sonst nicht erreichbar sei. Die Ukraine lehnt dies ab.
Auf russischer Seite ist bislang kein Einlenken erkennbar. Moskau hält an
seinen Maximalforderungen fest, die auf einen militärischen Sieg über die
Ukraine und eine politische Unterwerfung des Nachbarlandes hinauslaufen.
## Wie blickt Moskau auf die „Koalition der Willigen“?
Russland lehnt eine mögliche Präsenz ausländischer Truppen in der Ukraine –
zumal aus Nato-Staaten – strikt ab. Solche Einheiten seien für die
russische Armee ein legitimes Angriffsziel, heißt es.
Aus Moskauer Sicht ist die „Koalition der Willigen“ ein europäisches
Projekt und wird deshalb abgelehnt. Kremlchef Wladimir Putin und seine
Führung setzen darauf, Konfliktfragen bilateral mit Trump zu lösen. Den
europäischen Staaten wirft der Kreml vor, sie wollten den Krieg verlängern
und seien Russland feindlich gesonnen – auch wenn dieses sie gar nicht
angreifen wolle.
6 Jan 2026
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