# taz.de -- Gespräche über Ukraine-Friedensplan: Wie willig ist die „Koalition der Willigen“?
> Die Ukraine verlangt von europäischen Partnern klare Zusagen für eine
> Truppenstationierung. Es geht um die Absicherung eines möglichen
> Friedens.
(IMG) Bild: Trümmer eines Wohnblocks in Charkiw, der am 2. Januar bei einem russischen Angriff zerstört wurde
Unter dem Eindruck des US-Militärschlages gegen Venezuela haben am Samstag
die nationalen Sicherheitsberater aus 18 westlichen Partnerländern der
Ukraine in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw über die Ausgestaltung von
„Sicherheitsgarantien“ für das Land im Falle eines Friedensschlusses mit
Russland beraten. Die USA hatten ihre direkte Beteiligung an dem Treffen
vorher abgesagt – inzwischen ist klar, warum. Trumps Sonderbeauftragter
Steve Witkoff ließ sich per Video zuschalten.
Die Beratungen sind Teil des Zeitplans, der beim Treffen des ukrainischen
Präsidenden Wolodymyr Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump in dessen
Privatsitz Mar-a-Lago in den USA am 28. Dezember vereinbart worden war. Es
bestehe nun über einen möglichen Friedensplan zu 90 Prozent Einigkeit, hieß
es nach dem Gespräch.
Der wichtigste ungeklärte Punkt betraf westliche „Sicherheitsgarantien“.
Nachdem während Selenskyjs Aufenthalt in den USA Russlands Präsident
Wladimir Putin eine [1][Lüge über einen angeblichen ukrainischen
Drohnenangriff auf eine seiner Residenzen] in die Welt setzte und Trump das
zunächst zu glauben schien, wuchsen die Zweifel daran, was eine
US-Sicherheitsgarantie für die Ukraine – die nicht gelten würde, wenn
Russland einen Angriff als Antwort auf eine „Provokation“ geltend machen
könnte – wert sein kann.
Im Mittelpunkt steht jetzt die Frage einer europäischen Absicherung eines
Waffenstillstands in der Ukraine nach einem Friedensschluss. Nachdem im
vergangenen Jahr Großbritanniens Premierminister Keir Starmer und
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dafür eine „Koalition der Willigen“
aus der Taufe gehoben hatten, aber ohne konkrete Vorhaben, verlangte die
ukrainische Seite in Kyjiw nun Klartext.
## USA gehören nicht zur „Koalition der Willigen“
„Die Führungsnationen sind Großbritannien und Frankreich. Sie müssen
militärisch auf jeden Fall präsent sein“, [2][sagte Präsident Selenskyj
gegenüber Journalisten] nach dem Treffen. Wenn die „Koalition der Willigen“
nicht willig sei, nütze sie nichts. „Ob es die Koalition überhaupt gibt,
hängt davon ab, ob gewisse Länder dazu bereit sind, ihre Präsenz zu
aktivieren. Wenn sie gar nicht bereit sind, ist es nicht wirklich eine
Koalition der Willigen.“
Die genauen Beiträge einzelner Länder sollen nun am Montag in Paris bei
einem Treffen auf Stabschefebene besprochen werden. Deutschland hält sich
dazu bisher sehr bedeckt. Darauf soll am Dienstag ein Gipfel auf der Ebene
der Staats- und Regierungschefs folgen. Dies soll wiederum die Vorlage für
ein neues Treffen mit den USA liefern, die selbst kein Teil der „Koalition
der Willigen“ sind.
Eine Umsetzung aller Pläne hängt davon ab, dass Russland irgendwann
einwilligt, was bisher nicht in Sicht ist – im Gegenteil. Putin hat in
jüngster Zeit mehrfach betont, dass es seine Ziele in der Ukraine auf
militärischem Weg erreichen will. Truppen aus Nato-Staaten in der Ukraine
lehnt Russland ohnehin ab.
Allein im Laufe der vergangenen Woche hat Russland laut Selenskyj rund
2.000 Luftangriffe gegen die Ukraine durchgeführt: mehr als 1.070
Gleitbomben, fast 1.000 Drohnen und 6 Raketen. Am 2. Januar wurde in der
Stadt Charkiw [3][ein ganzes Wohnhaus bei einem direkten Angriff weitgehend
zerstört], es gab über 30 Verletzte, bis Sonntag stieg die Zahl der
geborgenen Toten auf fünf. Die Zählung ist schwer, weil immer wieder
einzelne Leichenteile aus den Trümmern gezogen werden.
## Selenskyj bildet Kabinett um
Zum Jahresbeginn nahm Selenskyj außerdem eine Reihe von Umbesetzungen in
seiner Regierung vor. So wird der bisherige Militärgeheimdienstchef
[4][Kyrylo Budanow] Leiter des Präsidialamts. Vorgänger Andrij Jermak war
Ende November wegen Korruptionsverdachts zurückgetreten.
Budanow, der an diesem Sonntag seinen 40. Geburtstag feiert, werden eine
Reihe gewagter Militäreinsätze zugeschrieben, ebenso beste Beziehungen in
die USA, wo er eine Geheimdienstausbildung absolvierte. Der 34-jährige
Drohnen-Experte und bisherige Digitalminister Mychailo Fedorow wird neuer
Verteidigungsminister anstelle von Denys Schmyhal, der ins
Energieministerium wechselt.
4 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/BohuslavskaKate/status/2006483751879197160
(DIR) [2] https://euromaidanpress.com/2026/01/04/zelenskyy-says-uk-and-france-troop-deployment-is-mandatory-for-security-guarantees/
(DIR) [3] https://www.pravda.com.ua/eng/news/2026/01/02/8014376/
(DIR) [4] https://x.com/ChiefDI_Ukraine/status/2007077419849560350
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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