# taz.de -- Ukrainischer Blick auf Venezuela: „Schlag gegen russische Interessen“
       
       > Während sich Ukraines Regierung vorsichtig zustimmend zum US-Angriff auf
       > Venezuela äußert, wird dieser in der Gesellschaft unterschiedlich
       > bewertet.
       
 (IMG) Bild: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij bei einem Briefing am 3. Januar
       
       „Wenn man so mit Diktatoren umgehen kann, dann wissen die USA, was sie als
       Nächstes tun müssen“, kommentierte Präsident Wolodymyr Selenskyj das
       US-Eingreifen in Venezuela. Das südamerikanische Land sei seit Jahrzehnten
       eine brutale von Russland unterstützte Diktatur, argumentiert der
       Abgeordnete Maryan Zabloskiy von der Regierungspartei „Diener des Volkes“
       auf Facebook. Die US-Maßnahmen seien gerechtfertigt. Für die Ukraine sei
       die Entwicklung sehr positiv. Russland verliere Einfluss, Ressourcen und
       Prestige.
       
       Mit der Festnahme Maduros verliere Russland einen weiteren Verbündeten,
       zitiert 24tv.ua den Politologen Petro Oleschtschuk. Venezuela sei für
       Russland nach dem [1][Sturz Assads in Syrien] ein neuer Rückschlag. Die
       Entwicklung zeige, dass Russlands internationales Bündnissystem zunehmend
       brüchig werde.
       
       Das offizielle Kyjiw müsse das Vorgehen des US-Präsidenten in Venezuela
       unterstützen, meint der Politologe Gleb Ostapenko laut 24tv.ua. Moskau sei
       dort machtlos, könne lediglich seine Besorgnis äußern.
       
       Der auf Militär spezialisierte Beobachter Denis Popowitsch glaubt, dass die
       Ölpreise fallen, sollten die USA tatsächlich das venezolanische Öl
       kontrollieren. Und das wäre, so zitiert ihn 24tv.ua, für Russlands
       Staatshaushalt ein empfindlicher Schlag.
       
       ## Maduros „antiukrainische Regime“
       
       Auf „Radio NV“ bewertet der Politologe Iwan Fetschko die amerikanische
       Militäroperation in Venezuela als Erfolg. Diese habe die Fragilität und
       strukturelle Schwäche des venezolanischen Regimes offengelegt. Gleichzeitig
       sei der Schlag gegen Venezuelas „antiukrainisches Regime“ auch ein Schlag
       gegen die russischen Interessen gewesen. Denn Russland wurde eine wichtige
       Stütze in der westlichen Hemisphäre genommen.
       
       Wenig Freude indes bereitet das US-Vorgehen dem in der Ukraine sehr
       bekannten exilrussischen Journalisten Arkardi Babchenko. „Ich würde mich an
       der Stelle der Ukrainer nicht darüber freuen.“ Nun herrsche nicht mehr das
       Völkerrecht, sondern das Recht des Stärkeren. Und das sei langfristig
       gefährlich. Wenn Trump nun glaube, er könne Diktatoren jederzeit schnell
       stürzen, senke das die Hemmschwelle für neue militärische Abenteuer. Und
       wenn sich die USA dann auch noch auf andere Kriege konzentrierten, stünde
       die Ukraine Putin allein gegenüber, so Babchenko in der New Voice.
       
       Auch der Gewerkschaftsaktivist Vitali Dudin warnt davor, militärische
       Interventionen – selbst durch Verbündete – zu legitimieren, weil das
       internationale Recht weiter ausgehöhlt wird. Langfristig schade das der
       Ukraine.
       
       Nun zeige sich, so der in Odessa lebende Anarchist Wjatscheslaw Asarow,
       dass Trump sich vorwiegend mit Lateinamerika und sogenannten „ungehorsamen
       Staaten“ beschäftigen werde und damit die ukrainezentrierte Phase der
       Weltpolitik vorbei sei. Für die ukrainische Führung bedeute das, dass sie
       sich in einer sich schnell wandelnden Welt rasch sichern solle, was noch zu
       sichern sei: Sicherheitsgarantien, Investitionen und Territorien. Das sei
       nur durch einen Friedensvertrag möglich.
       
       ## Sorge, dass Maduro zum Märtyrer werden könnte
       
       Serhi Sydorenko und Hanna Schelest fürchten in der Ukrajinska Prawda, dass
       es mit Maduro so gehen könne wie mit [2][Saddam Hussein]. Die USA hatten
       ihn als Verbrecher hingestellt, tatsächlich aber wird er von vielen nun als
       Märtyrer angesehen. Bisher hatten auch Führer von mit den USA verfeindeten
       Staaten wie Muammar al-Gaddafi oder iranische Ayatollahs die
       Vollversammlung der UNO in New York besuchen können, so Sydorenko und
       Schelest. Wenn die Amerikaner auf dem Territorium eines anderen Staates so
       handeln wie sie es getan haben und Trump andeutet, dass er dies wiederholen
       könnte, stelle sich die Frage, ob er nicht ähnliches eines Tages auch auf
       eigenem Territorium tun werde.
       
       5 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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