# taz.de -- Zugstrecke Hamburg – Hannover: Bahn will durch die Heide
       
       > Das Bundesverkehrsministerium plant eine bessere Zugverbindung im Norden:
       > Die Neubauidee gewinnt, die Wünsche der Anlieger sind zu teuer.
       
 (IMG) Bild: Jahrzehntelanger Streit, um die völlig überlastete Schienenstrecke Hannover–Hamburg zu verbessern: Nun soll es ein Neubau richten
       
       Die Pläne für einen Ausbau der Zugverbindung zwischen Hamburg und Hannover
       werden konkreter. Das Bundesverkehrsministerium hat jetzt dem Bundestag das
       Ergebnis der Vorplanung für eine neue Bahnstrecke vorgelegt: Der Neubau sei
       demnach deutlich vorteilhafter als ein Ausbau der bestehenden Strecke. Denn
       die Wünsche der Anlieger, so teilte das Eisenbahnbundesamt (EBA) mit,
       machten den Ausbau unwirtschaftlich.
       
       Über eine leistungsfähigere Bahnverbindung zwischen Hamburg, Hannover und
       Bremen wird unter dem [1][Stichwort Y-Trasse] schon seit Jahrzehnten
       diskutiert. In dem Beteiligungsverfahren „Dialogforum Schiene Nord“ mit
       Bürgerinitiativen, Verbänden und Kommunen wurde als Kompromiss dann die
       Variante „Alpha E“ entwickelt. Die sieht einen Ausbau der bestehenden
       Strecke vor, insbesondere ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen.
       
       Auch der Bund und die Bahn unterzeichneten diesen Kompromiss – das war im
       Jahr 2015. Weniger glücklich damit waren Stadt und Landkreis Lüneburg, die
       unter dieser Variante zu leiden gehabt hätten, aber auch die Stadt Hamburg,
       der [2][Verkehrsclub Deutschland (VCD)] und [3][Fridays for Future], denen
       diese Ausbaulösung nicht reichte – ganz im Gegensatz wiederum etwa zum
       Naturschutzbund (Nabu).
       
       2022 stellte sich heraus, dass die Bahn doch wieder über einen Neubau der
       Strecke Hamburg–Hannover nachdachte. „Die gemeinsam 2015 im Dialogforum
       erarbeitete Lösung hat sich in der planerischen Betrachtung als nicht
       möglich erwiesen“, erklärte ein Vertreter der Bahn in Celle.
       
       ## Autobahn und Bahn bündeln
       
       Stattdessen schlägt die Bahn nun als Vorzugsvariante eine Trasse von
       Seevetal zunächst mehr oder weniger dicht an der A7 vor und dann weiter
       über Bergen und an Celle vorbei nach Hannover. Diese Variante ist nach dem
       Bewertungsschema der Bahn in puncto Raumordnung, Umwelt, Betrieb und Kosten
       günstiger als die sogenannte bestandsnahe Variante.
       
       Die Bahn hat dafür Punktezahlen für bestimmte Schutzgüter ermittelt und für
       jede Kategorie addiert. So schneidet die Neubaustrecke etwa mit Blick auf
       Natur und Landschaft, Rohstoffsicherung und Erholung/Tourismus deutlich
       schlechter ab als ein Streckenausbau. Das Gleiche gilt für die
       Flächeninanspruchnahme, Boden, Luft und Klima.
       
       Besser schneidet der Neubau beim Schutz von Kulturgütern, der
       Wasserwirtschaft und dem Thema Energie ab, ebenso beim Schutz von Tieren,
       Pflanzen und der biologischen Vielfalt sowie von
       Natura-2000-Schutzgebieten. Die Lärmbelastung könne durch die Bündelung mit
       der A7 und der B3 gering gehalten werden. Zudem wäre ein Neubau mit 14,1
       Milliarden gegenüber 19,4 Milliarden Euro deutlich billiger als ein Ausbau
       der Bestandsstrecke.
       
       Auf Basis dieser Vorplanung kommt das Eisenbahnbundesamt zu dem Ergebnis,
       „dass der zuwendungsrechtlich geforderte Grundsatz der Wirtschaftlichkeit
       und Sparsamkeit gewahrt wird“. Dabei übersteige der Nutzen die Kosten um
       das Anderthalbfache.
       
       Das gelte allerdings nur, wenn die über das gesetzliche Maß hinaus gehenden
       Forderungen aus der Region nicht erfüllt werden. Dazu gehören zusätzlicher
       Lärmschutz, ein Tunnel, weitere Netzverknüpfungen, Haltepunkte, Geh- und
       Radwege und ein Fonds zur Sicherung hoher Siedlungsqualität.
       
       [4][Aus Sicht des EBA und der Bahn ist diese Variante] die einzige, „welche
       alle rechtlichen, verkehrlichen und wirtschaftlichen Anforderungen
       erfüllt“. Dazu gehöre, dass nur ein Neubau mit vier Gleisen die nötige
       Kapazität schaffen könne, um den geltenden Verkehrsprognosen gerecht zu
       werden.
       
       Die niedersächsische Landesregierung bezweifelt diese Prognosen und findet,
       der Überlastung könne auch mit dem Ausbau begegnet werden – und zwar
       schneller als mit einem Neubau, was wiederum die Bahn bestreitet. Die Bahn
       müsse sich fragen lassen, „inwieweit sie weitere Mittel in eine [5][Planung
       stecken möchte, die die Entwicklung des Schienenverkehrs für weitere
       Jahrzehnte einfriert]“, heißt es in einer Antwort der Landesregierung auf
       eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Martina Machulla.
       
       Darin kritisiert die rot-grüne Landesregierung auch, die Bahn orientiere
       sich bei ihren Planungen nicht am aktuellen, sondern an einem unterstellten
       zukünftigen Bedarf 2040. Diese basiere aber im Wesentlichen auf einer
       Umleitung des Verkehrs von Hamburg ins Ruhrgebiet.
       
       Das Bundesverkehrsministerium weist darauf hin, dass die Strecke heute
       schon zu 147 Prozent ausgelastet ist. Bei den vom Bund prognostizierten
       Zugzahlen sei der Handlungsbedarf groß. „Die Entscheidung, unter welchen
       Prämissen die Planung fortgesetzt wird, obliegt allein dem Bundestag“,
       schreibt das Ministerium auf seiner Website.
       
       7 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bahnstrecke-Hamburg---Hannover/!6137218
 (DIR) [2] /Bahn-Engpass-Norddeutschland/!6045946
 (DIR) [3] /Bahnausbau-in-Niedersachsen/!5948245
 (DIR) [4] https://dip.bundestag.de/drucksache/bericht-%C3%BCber-das-ergebnis-der-vorplanung-und-der-fr%C3%BChen-%C3%B6ffentlichkeitsbeteiligung/284027
 (DIR) [5] /Bahnstrecke-Hamburg---Hannover/!6137218
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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