# taz.de -- EU-Reaktionen auf Trumps Zölle: Europa, hol deine Folterinstrumente raus!
> Trump greift nach Grönland und droht erneut mit Strafzöllen. Statt
> aufzuspringen und zurückzuschlagen, werden erst einmal Phrasen
> gedroschen.
(IMG) Bild: Greift nach Grönland und droht den Europäern erneut mit Strafzöllen: US-Präsident Donald Trump
Europa, bitte aufwachen! Das möchte man den EU-Politikern zurufen, die sich
wie Schlafwandler durch die wilden 20er Jahre des 21. Jahrhunderts
schleppen und immer noch keine Antwort auf die imperiale Politik von
US-Präsident Donald Trump gefunden haben. Dabei ist Trumps Vorgehen keine
Überraschung. Gleich nach Beginn seiner zweiten Amtszeit am 20. Januar 2025
hat der MAGA-Mann erklärt, dass er Grönland „haben muss“. Kurz darauf hat
er aberwitzige Strafzölle gegen die EU und den Rest der Welt verhängt.
Das war ein Weckruf. Schon damals hätten die Europäer aufwachen müssen.
Doch weil sie die Drohungen gegen Grönland nicht ernst nahmen und der
Handel höchste Priorität hatte, haben sie sich erpressen lassen und einen
schlechten Deal abgeschlossen. Das rächt sich nun. Trump greift nach
Grönland und droht erneut mit Strafzöllen. Er legt sogar noch einen drauf
und versucht, die EU zu spalten: Nur Westeuropäer sollen höhere Zölle
zahlen, Osteuropa wird verschont.
Es ist ein Déjà-vu – nicht von der angenehmen Art, sondern als Albtraum.
Doch Europa ist immer noch nicht richtig wach. Statt aufzuspringen und
schnell zurückzuschlagen, haben die EU-Politiker [1][erst einmal Phrasen
gedroschen].
Man bekenne sich zu den Prinzipien des Völkerrechts, der territorialen
Integrität und der nationalen Souveränität, schrieb EU-Ratspräsident
António Costa zwei Tage nach Trumps Attacke. Gegenwehr? Keine! Die soll
erst bei einem Sondergipfel folgen – vielleicht. Erst einmal wolle man den
Weg des Dialogs gehen, heißt es in Brüssel. Die Politik der Beschwichtigung
wird also fortgesetzt. Ausgerechnet das Weltwirtschaftsforum in Davos wird
zum Hoffnungsträger, denn da trifft sich die Elite mit Trump.
## Kein Heil in Davos
Nein, von Davos ist kein Heil zu erwarten, mit großen Fensterreden und
kleinen Hinterzimmer-Deals lässt sich dieser Machtkampf nicht lösen. Die
Zeit des Dialogs ist vorbei, Europa muss die Folterwerkzeuge auf den Tisch
legen. Alles andere würde Trump als Zeichen der Schwäche auslegen – und
nachlegen. Als Nächstes könnte Island drankommen oder Kanada. Und dann hat
der Imperator auch noch die Möglichkeit, die Ukraine fallen zu lassen und
die EU mit Kriegsangst zu erpressen.
Das ist der Kern des Problems: Die EU ist durch ihre Fixierung auf die
Ukraine erpressbar geworden. Sie hat eine Konzession nach der anderen
gemacht – in der irrigen Hoffnung, Trump zu besänftigen und ihn wenigstens
in der Ukraine bei der Stange zu halten. Diese Hoffnung hat sich nicht
erfüllt, im Gegenteil. Trump fährt die Hilfe für die Ukraine immer weiter
herunter, gleichzeitig dreht er die Daumenschrauben für die EU immer mehr
an. Nun [2][sehen sich die Europäer einem Zwei-Fronten-Krieg ausgesetzt].
Wenn sie in dieser verzweifelten Lage nicht endlich aufwachen und zu
Gegenwehr blasen, ist ihnen nicht mehr zu helfen.
19 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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