# taz.de -- Klimakrise: Wie holen wir CO2 wieder aus der Atmosphäre?
> 2025 wurde erneut so viel CO2 ausgestoßen wie in keinem Jahr zuvor. Einen
> Teil davon kann man wieder loswerden. Ein Methodencheck.
(IMG) Bild: Ohne CO2-Entnahme aus der Luft wird die Klimakrise nicht zu lösen sein
Achtunddreißig Milliarden Tonnen: so viel CO2 stößt die Menschheit etwa in
die Atmosphäre aus, Jahr für Jahr. Doch zumindest einen ganz kleinen Teil
des Kohlenstoffs holt sie wieder zurück: rund zwei Milliarden Tonnen CO2
werden der Atmosphäre jährlich wieder entzogen – durch CDR. Hinter dem
Kürzel für „Carbon Dioxide Removal“, also Kohlenstoffentnahme, stecken
[1][sämtliche Methoden, mit denen] CO2 aus der Luft geholt werden kann –
von klassischen Ansätzen wie Aufforstung bis zu Technologien, die noch in
der Entwicklung stecken. Und ohne CO2-Entnahme wird sich die Klimakrise
nicht bändigen lassen.
Trotzdem: „Mit Abstand am wichtigsten ist es, die Emissionen zu senken“,
sagt Felix Havermann, Wissenschaftlicher Koordinator des
Forschungsprogramms CDRterra an der LMU München. Expert:innen betonen
immer wieder, Kohlenstoffentnahme dürfe keine Ausrede sein, um die radikale
Senkung des CO2-Ausstoßes einfach vom Programm zu nehmen. Auch wenn fossile
Energieproduzenten CDR für genau diese Argumentation immer wieder
missbrauchen, um ihr Geschäftsmodell zu retten.
Das macht die Forschung zu den Entnahmemethoden aber nicht überflüssig.
„Ohne Kohlenstoffentnahme gibt es keine Netto-Null oder netto-negativen
Emissionen“, sagt Felix Havermann. Denn eine Welt, in der gar kein CO2 mehr
ausgestoßen wird, wird es nicht geben. Daher muss zukünftig jedes
ausgestoßene Gramm an anderer Stelle wieder eingefangen werden.
„In extrem optimistischen Szenarien gehen wir davon aus, dass wir im Jahr
2050 etwa neun Gigatonnen CO2 pro Jahr durch CDR aus der Atmosphäre holen
können“, sagt Havermann. Viel zu wenig, um unseren aktuellen CO2-Ausstoß
auszugleichen. Auch das zeigt: Der Kohlenstoffausstoß muss runter, denn
Kohlenstoffentnahme wird nur die wirklich unvermeidbaren Emissionen
ausgleichen können.
Eine einfache Lösung gibt es dabei nicht. „Es wird ein Portfolio an
CDR-Methoden brauchen, um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen“, sagt
Felix Havermann. Nur: Welche konkreten Methoden verstecken sich hinter dem
Kürzel CDR und wie groß kann ihre Rolle im Kampf gegen den Klimawandel
sein? Hier stellen wir sechs Ideen vor.
## Die Low-Tech-Option: Aufforstung
Wie funktioniert’s?
Die wohl am leichtesten verständliche Methode zur Kohlenstoffentnahme:
Bäume speichern CO2. Darum entzieht Anpflanzen neuer Wälder der Atmosphäre
CO2. So einfach ist diese CDR-Methode im Prinzip. Leider wird es in der
Praxis [2][etwas komplizierter].
Was bringt es wirklich?
Aufforstung erledigt schon heute über fünfzig Prozent der weltweiten
CO2-Entnahme. Gemeinsam mit zwei weiteren naturnahen Methoden, verbessertem
Waldmanagement und der [3][Wiedervernässung von Mooren] sind es sogar so
gut wie hundert Prozent. Kein Wunder: Das Pflanzen von Bäumen ist keine
Technologie, die noch jahrelang teuer entwickelt werden müsste, sondern
altbekannt und günstig.
Darüber hinaus bringen neue Wälder zusätzlich zur der CO2-Einsparung eine
Menge positiver Nebeneffekte mit sich. Sie können, klug angelegt, wertvolle
Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen sein. Sie können degradierte
Böden wieder aufwerten, Wasserzyklen regulieren und nicht nur global,
sondern auch lokal Temperaturen senken.
Trotzdem: Die langfristige CO2-Speicherung von Wäldern ist im Vergleich mit
anderen Methoden ziemlich unsicher. „Brände, Dürren oder illegale
Abholzung: Es gibt viele Wege, wie der in einem Wald gespeicherte
Kohlenstoff außerplanmäßig wieder in die Atmosphäre gelangen kann“, sagt
Felix Havermann.
Klar ist auch, dass viele Waldbesitzer ihr Holz nicht ewig wachsen lassen,
sondern wirtschaftlich nutzen wollen. Werden die gefällten Bäume zu
Brennholz verarbeitet, verschwindet das gebundene CO2wieder in die
Atmosphäre und der CDR-Effekt ist dahin. Besser ist es, das gewonnene Holz
als Baumaterial zu nutzen, das viele Jahrzehnte oder im besten Fall
Jahrhunderte bestehen bleibt.
Im Optimalfall bliebe der Wald größtenteils sich selbst überlassen, denn
große, alte Bäume speichern am meisten CO2. Doch jeder Wald braucht Fläche
– Fläche, die für andere Nutzungen ausfällt. So entstehen
Landnutzungskonflikte, vor allem zwischen Aufforstung und Landwirtschaft.
Je mehr eine Volkswirtschaft aufforstet, desto weniger landwirtschaftliche
Erträge wird sie erzielen.
Blickt man auf die globale Balance von Auf- und Abholzung, kann von
Kohlenstoffentnahme durch Aufforstung nicht die Rede sein: Für den Zeitraum
von 2015 bis 2025 schätzt die UN-Landwirtschaftsorganisation einen
jährlichen globalen Waldverlust von knapp 7 Millionen Hektar, etwas weniger
als die Fläche Bayerns. Weltweit wird also noch immer weniger Wald
gepflanzt als gerodet.
Und was kostet’s?
Aufforstung zählt zu den günstigsten CDR-Methoden. Die genauen Preise
schwanken je nach Lage des Aufforstungsprojektes stark, liegen
typischerweise aber bei ca. 100 Dollar pro gespeicherter Tonne CO2.
Das Fazit des Experten
„Aufforstung ist günstig und theoretisch schnell machbar – aber wie lange
das im Wald gespeicherte CO2der Atmosphäre wirklich fernbleibt, ist
unsicher. Trotzdem lohnt es sich für das Klima und richtig gemacht auch für
den Umweltschutz, möglichst viele Bäume zu pflanzen“, sagt Felix Havermann
von der LMU München.
## Der Speicher auf dem Feld: Gesteigerte Gesteinsverwitterung
Wie funktioniert’s?
Wer seine Feinde aufhalten will, legt ihnen Steine in den Weg. Wer den
Klimawandel aufhalten will, legt Steine auf den Acker. Hinter der Idee
steckt ein natürlicher Prozess: [4][Gestein reagiert chemisch mit
Regenwasser, das im Fallen] CO2 aus der Atmosphäre aufnimmt. Dabei
verbindet sich das atmosphärische CO2 mit den Mineralien im Gestein. Kurz
gesagt: Das Gestein verwittert. Das einmal an die Gesteinsmineralien
gebundene CO2 landet langfristig im Grundwasser oder im Meer und bleibt der
Atmosphäre über Jahrtausende entzogen.
Die Entnahmemethode der gesteigerten Gesteinsverwitterung – auf Englisch
„Enhanced Rock Waethering“ (ERW) – beruht darauf, diesen natürlichen
Prozess zu beschleunigen. Dafür wird feines Gesteinsmehl auf
landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Denn aufgrund der viel größeren
Oberfläche kann eine Tonne gemahlenes Gestein auf Äckern viel schneller und
viel mehr Kohlenstoff an sich binden als die gleiche Menge an natürlich
vorkommendem Stein. Das verwendete Gesteinsmehl kann einerseits direkt zu
Verwitterungszwecken abgebaut werden. Andererseits fällt es in vielen
Steinbrüchen sowieso an und gilt bisher typischerweise als Abfallprodukt.
Was bringt es wirklich?
Den Äckern schadet das Gesteinsmehl nicht, im Gegenteil: Es ergänzt mit
seinen Mineralien konventionelle Düngemittel und steigert so die
Bodenfruchtbarkeit. Außerdem nimmt Gesteinsverwitterung anders als
beispielsweise Aufforstung keine landwirtschaftlichen Flächen weg, sodass
keine Landnutzungskonflikte auftreten.
Trotzdem hat die Methode ihre Herausforderungen. Nicht jedes Gestein ist
für das Verfahren gleich gut geeignet. Außerdem fallen auch durch den
Transport des Gesteinsmehls Kosten und CO2-Emissionen an. „Je näher der
Acker am Steinbruch liegt, desto besser“, sagt Felix Havermann.
Ein weiteres Problem ist die Messbarkeit. „Momentan ist es noch sehr
schwierig, genau zu quantifizieren, wie viel Kohlenstoff der Atmosphäre
durch den Einsatz von Gesteinsmehl auf einem Acker genau entzogen wird“,
sagt Havermann. Dabei seien in den nächsten Jahren aber Fortschritte zu
erwarten.
Und was kostet’s?
Derzeit zahlen Unternehmen etwa 360 Dollar, um eine Tonne CO2 durch
Gesteinsverwitterung auszugleichen. Felix Havermann erwartet für die
nächsten Jahre noch einmal deutlich fallende Preise.
Das Fazit des Experten
„Die Technologie ist gut erforscht und sowohl in Deutschland als auch
global gibt es Potenziale, durch Gesteinsverwitterung viel CO2 aus der
Atmosphäre zu holen. Die Methode hat gute Chancen, eine große Rolle im
CDR-Mix der Zukunft zu spielen.“
## Der Staubsauger der Lüfte: Direct Air Capture
Wie funktioniert’s?
Das Wort „direct“ im Namen Direct Air Capture trifft es: Keine Methode zur
Kohlenstoffentnahme kommt so auf den Punkt wie diese. Wir wollen CO2 aus
der Atmosphäre holen? Okay, dann bauen wir eine Maschine, die CO2 aus der
Atmosphäre holt.
Etwas komplizierter wird es, wenn man sich die zugrundeliegende Technologie
genauer ansieht. Denn unsere Luft enthält nur etwa 0,042 Prozent CO2. Das
ist zwar deutlich mehr als vor der Industrialisierung (als der Wert noch
bei 0,028 lag), bedeutet aber trotzdem, dass sehr viel Luft durch die
Maschinen laufen muss.
Angesaugt wird diese typischerweise durch große Ventilatoren. In der
Direct-Air-Capture-Maschine läuft sie dann, je nach Technologie, durch
flüssige oder feste Filter – beispielsweise Natriumhydroxid oder künstliche
Harze. Daraufhin wird der Filter erhitzt, das reine CO2 wird abgelöst und
gefangen. Die Filter können wiederverwendet werden, das gefangene CO2 wird
unterirdisch gespeichert, um der Atmosphäre langfristig fernzubleiben.
Was bringt es wirklich?
Ein Vorteil gegenüber anderen CDR-Methoden liegt darin, dass die Menge des
abgetrennten Kohlenstoffs sich hier viel genauer messen lässt als bei
anderen Methoden.
Andererseits verbraucht Direct Air Capture enorm viel Energie und lohnt
sich daher wenn überhaupt nur an Standorten, an denen viel günstiger und
vor allem grüner Strom zur Verfügung steht. CO2-Entnahme mit Strom, dessen
Erzeugung wiederum CO2 ausstößt, ergibt keinen Sinn.
Das größte Hindernis sieht Felix Havermann aber in der fehlenden
Infrastruktur für den Transport und die unterirdische Speicherung des
eingefangenen Kohlenstoffs. [5][Zwar wurde 2025 in Deutschland ein Verbot
von] CO2-Speicherung aufgehoben. Doch das Vorgehen ist unter
Umweltverbänden umstritten, und ob es sich in Deutschland je im größeren
Stil durchsetzen wird, steht in den Sternen.
Und was kostet’s?
Direct Air Capture ist extrem teuer: im Bau der Maschinen, und durch den
Energieverbrauch. Eine Tonne durch DAC gespeichertes CO2 kostet auf dem
Weltmarkt momentan rund 490 Dollar und somit deutlich mehr als die meisten
anderen CDR-Methoden.
Entsprechend niedrig ist die Nachfrage, weshalb sich viele Start-ups
momentan vor allem darauf konzentrieren, das gefangene CO2
wiederzuverwenden statt einzulagern, beispielsweise in der Herstellung von
E-Fuels für Flugzeuge. Es ist zwar klimafreundlicher, wenn ein Flugzeug mit
E-Fuels statt mit fossilen Brennstoffen angetrieben wird. Aber echte
Kohlenstoffentnahme liegt nur vor, wenn das gefangene CO2 langfristig
gespeichert wird, statt es in E-Fuels wieder in die Atmosphäre zu blasen.
Das Fazit des Experten
„Direct Air Capture braucht eine große und teure Speicherinfrastruktur, um
das gefangene CO2 langfristig in tiefen Bodenschichten zu speichern.
Abgesehen von Norwegen gibt es global noch keine ausgebaute Infrastruktur.
Bis DAC einmal eine große Rolle im CDR-Mix spielen wird, kann es also noch
Jahre oder Jahrzehnte dauern.“
## Der alternative Energieträger: Bioenergie mit CO2-Abscheidung
Wie funktioniert’s?
Hier treffen sich der natürliche Ansatz der Aufforstung und die Technologie
der Kohlenstoffverpressung, die wir schon von der
Direct-Air-Capture-Methode kennen.
Die Idee: Schnell wachsende Pflanzen wie Mais oder Raps entziehen der
Atmosphäre beim Wachstum Kohlenstoff. Im nächsten Schritt werden sie zur
Energie- und Wärmegewinnung verbrannt und ersetzen so fossile
Energieträger. Möglicherweise kann dieser Vorgang zur CO2-Entnahmemethode
werden, wenn der Kohlenstoff, der bei der Verbrennung frei wird, durch
Filter abgefangen würde. Danach könnte er genau wie bei der
Direct-Air-Capture-Methode unterirdisch verpresst werden.
Was bringt es wirklich?
Wie so oft verkompliziert sich die einfache Grundidee in der Praxis. Falsch
wäre es Felix Havermann zufolge, im großen Stil Monokulturen anzubauen, um
diese für Bioenergie mit CO2-Abscheidung zu nutzen. Das hätte negative
Folgen für Böden, Wasserhaushalt und Biodiversität, zudem würden die
Flächen nicht mehr zur Verfügung stehen, um Nahrungsmittel und
nachwachsende Rohstoffe anzubauen. Felix Havermann rät, sich auf Rest- und
Abfallstoffe zu konzentrieren. „Schon heute haben wir in Deutschland das
Potenzial, bis zu 25 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr abzuscheiden, indem wir
Abfälle und Reststoffe verbrennen.“
Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass das abgeschiedene CO2
unterirdisch gespeichert werden kann. Wie beim Direct-Air
-Capture-Verfahren stellt sich die Frage, ob die Speicherung in Deutschland
im großen Stil möglich sein wird – und ob es aus Naturschutz-Perspektive
[6][wünschenswert oder zu riskant ist].
Und was kostet’s?
220 Dollar zahlt man auf dem Weltmarkt, um mit dieser Methode eine Tonne
CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen.
Das Fazit des Experten
„Bei dieser Methode kann man einiges falsch machen, aber auch viel richtig.
Gut umgesetzt könnte man nur mit der Verwertung von Abfällen, die sowieso
da sind, viel CO2 aus der Luft holen.“
## Die große Unbekannte: Künstliche Photosynthese
Wie funktioniert’s?
Eine Formel, die die meisten höchstwahrscheinlich in der Schule auswendig
lernen mussten, um sie nach dem Biotest prompt wieder zu vergessen: 6H2O +
6CO2 + Licht = 6O2 + C6H12O6. Auf den ersten Blick kompliziert, beschreibt
diese Formel eine ganz natürliche, Milliarden Jahre alte Methode,
Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu holen: Photosynthese.
Bisher ist Photosynthese Pflanzen, Algen und einigen Bakterien vorbehalten.
Doch dabei muss es nicht bleiben: Wissenschaftler:innen weltweit
forschen daran, [7][künstliche Photosynthese] zu ermöglichen und so
atmosphärisches CO2 zu binden. Dafür braucht es spezielle Katalysatoren,
die Lichtenergie aufnehmen und die chemische Reaktion anstoßen, ähnlich wie
Chlorophyll im Blatt. In einem Reaktor oder auf einer beschichteten
Oberfläche treffen CO2 und Wasser aufeinander, das Licht gibt den
Startschuss für die Umwandlung. Am Ende entsteht eine langfristig bindende,
kohlenstoffhaltige Substanz. So zumindest die Hoffnung.
Was bringt es wirklich?
Künstliche Photosynthese ist das Baby unter den hier beschriebenen
CDR-Methoden. Der Ansatz hat das Forschungslabor noch nicht verlassen und
eine großflächige Umsetzung ist in den nächsten Jahren aus technologischen
und wirtschaftlichen Gründen kaum vorstellbar.
Darüber hinaus konzentriert sich ähnlich wie beim Verfahren zur direkten
CO2-Entnahme aus der Luft ein großer Teil der Forschung darauf, künstliche
Antriebsstoffe herzustellen. Auch hier gilt: Wirkliche Kohlenstoffentnahme
ist es nur, wenn das gefangene CO2 langfristig gespeichert wird, anstatt es
wieder in die Atmosphäre zu pulvern.
Und was kostet’s?
Künstliche Photosynthese hat kein Preisschild, da sie sich noch in der
Entwicklungsphase befindet.
Das Fazit des Experten
„Vielleicht bringt es wenig, vielleicht wird es ein großes Ding: Künstliche
Photosynthese ist die große Unbekannte unter den CDR-Methoden.“
## Die Pyrolyse-Lösung: Pflanzenkohle
Wie funktioniert’s?
Diese Idee beruht auf einer Unterbrechung des natürlichen
Kohlenstoffkreislaufs. Der sieht eigentlich so aus: Pflanzen nehmen während
ihres Wachstums CO2 aus der Luft auf und bauen daraus organischen
Kohlenstoff. Normalerweise geriete der nach dem Absterben der Pflanze
wieder in die Atmosphäre – durch Verrottung, Feuer oder Mikroben.
Dieser Kreislauf wird durch die [8][Herstellung von Pflanzenkohle]
unterbrochen.
Biomasse, egal ob Sägespäne, Kirschkerne oder Pistazienschalen, wird unter
Luftabschluss auf zwischen 400 und 1.000 Grad erhitzt. In diesem Pyrolyse
genannten Prozess spaltet sich die Biomasse in Gase, Öle und einen festen,
kohlenstoffreichen Rückstand auf. Dieser Rückstand wird Pflanzenkohle oder
Biochar genannt und ist chemisch äußerst stabil. Das gebundene CO2bleibt
der Atmosphäre über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende entzogen.
Was bringt es wirklich?
Pflanzenkohle hat neben der Kohlenstoffbindung einige positive
Nebeneffekte: So kann sie in der Landwirtschaft die Wasseraufnahme von
Böden verbessern, Nährstoffe binden und Lebensräume für Mikroorganismen
schaffen. Alternativ kann sie in der Dämmung von Gebäuden eingesetzt und
die bei der Pyrolyse gewonnenen Gase und Öle können häufig weiterverwendet
werden.
Der Ansatz hat weniger Nachteile als einige der anderen Technologien. Aber
natürlich muss die Biomasse gesammelt, getrocknet, transportiert und
verarbeitet werden – und all das braucht Energie. Die Methode eignet sich
vor allem dafür, sowieso abfallende pflanzliche Abfälle, also etwa
Grünschnitt, Schilf und Garten- oder Erntereste zu verwenden. Wälder dafür
abzuholzen oder Ackerpflanzen allein zur Kohleherstellung anzubauen, wäre
kontraproduktiv. Als Düngemittel hat Pflanzenkohle in europäischen Böden
einen messbaren, aber geringeren Effekt als in tropennaher Landwirtschaft.
Und was kostet’s?
Etwa 150 Dollar zahlt man momentan auf dem Weltmarkt, um eine Tonne CO2
durch die Herstellung von Pflanzenkohle aus der Atmosphäre zu holen.
Das Fazit des Experten
„Günstig, dezentral, und gut für unsere Böden: Der Einsatz von
Pflanzenkohle zur Kohlenstoffentnahme [9][hat große Potenziale], gerade in
Deutschland.“
5 Jan 2026
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