# taz.de -- Wahlkampf in Berlin: SPD-Kandidat Krach rollt Linker Eralp den roten Teppich aus
       
       > In einer Diskussion über die Zukunft der Jugend in Berlin finden Linke
       > und SPD viele Gemeinsamkeiten. Die CDU dagegen scheint schon
       > Vergangenheit zu sein.
       
 (IMG) Bild: Steffen Krach & Elif Eralp auf dem Panel Zukunft Berlin
       
       Die Jugend zu fördern ist wichtig. Dem stimmen wohl die meisten zu. Doch es
       erstaunt dann doch, wie harmonisch die Spitzenkandidat*innen [1][Elif
       Eralp (Linke)] und Steffen Krach (SPD) am Mittwochabend über die Zukunft
       von Jugendlichen in Berlin diskutieren. Es ist das erste Mal, dass die
       beiden in dieser Rolle aufeinandertreffen. Und die Einigkeit zwischen ihnen
       könnte kaum größer sein.
       
       Schon am Anfang [2][knüpft Steffen Krach direkt an die gemeinsame
       Geschichte] rot-roter Politik im Land Berlin an. Denn auch wenn vieles zu
       verbessern sei, gäbe es in der Jugendhilfe bereits viele „Superprojekte,
       auf die wir richtig stolz sein können“, sagt er, viele von denen seien
       „schon in den letzten Jahren oder Jahrzehnten zum Beispiel auch von der
       Linken, von uns gemeinsam auf den Weg gebracht“ worden.
       
       Ein großes Problem aber sei, dass diese eben nur temporär als Projekte
       finanziert seien und nicht institutionell gefördert würden.
       Sozialarbeiter*innen und Erzieher*innen hätten von Jahr zu Jahr
       die Unsicherheit, wie es im kommenden Jahr weitergehe. „Davon müssen wir
       wegkommen, da müssen wir die Träger entlasten“, denn diese seien sonst zu
       sehr mit Anträgen beschäftigt, sagt Krach.
       
       Das sieht Elif Eralp genauso. Und sie weist darauf hin, dass die Linke vor
       der Wiederholungswahl bereits angestoßen hatte, Projekte statt nur ein oder
       zwei Jahre lieber über drei oder vier Jahre zu bewilligen. Das würde Träger
       entlasten, und sie könnten Mitarbeiter*innen längerfristig
       beschäftigen. [3][„Das Demokratiefördergesetz, das institutionelle und
       strukturelle Absicherung von Demokratiearbeit] auch bei Jugendlichen
       schaffen soll, hängt im Moment bei Kai Wegner“, sagt sie.
       
       ## Einnahmen steigern
       
       Eralp fordert außerdem, dass das Land die Mittel für Hilfen zur Erziehung
       vollständig übernehmen soll. Die Bezirke müssen die Hilfen verpflichtend
       zahlen, und sind bisher gezwungen, bei ihren freiwilligen Leistungen zu
       kürzen. „Da müssen wir gucken, wie wir die Einnahmen steigern“, sagt sie.
       Krach stimmt ihr zu, sieht bei den Einnahmen aber den Bund in der Pflicht.
       „Das Land hat das Geld ja auch nicht“, sagt er.
       
       Während Krach souverän nach vorne und in eine rotere Zukunft Berlins denkt,
       bleibt Eralp teils noch in ihrer Rolle als Oppositionspolitikerin
       verhaftet. Etwa wenn sie wiederholt auf Dinge hinweist, die CDU und SPD
       hätten umsetzen können, wie die Ausbildungsplatzumlage, eine höhere
       Grunderwerbssteuer, die Gewerbesteuer oder eine Steuer auf unbebauten
       Boden, wo sie teils auch sehr ins Detail geht.
       
       Krach weist sie sehr entspannt darauf hin, dass ja seine Partei mit der
       Partei von Eralp vor noch gar nicht so langer Zeit gemeinsam regiert hatte.
       „Und da haben wir es auch nicht gemacht“, sagt er. Mehr als einmal macht er
       an diesem Abend diesen Schwenk, es sei etwas zu einfach, zu sagen, jetzt
       sei alles schlecht und damals, als die Linken mit an der Regierung waren,
       war alles gut.
       
       Doch es überwiegt die Einigkeit. „Bei Kindern und Jugendlichen werde ich
       nicht sparen“, sagt Krach. Jeder Euro, „das hat Elif auch gerade gesagt“,
       [4][für Kinder und Jugendliche, sei ein sinnvoll ausgegebener Euro]. Doch
       tatsächlich müssten sie sich über die Ausgabenseite unterhalten und
       überlegen, wie Berlin „seriös sparen könne“.
       
       Auch 2001, als Klaus Wowereit Regierender Bürgermeister war, gab es eine
       ähnlich schwierige Finanzsituation, sagt Krach. Es sei „komisch, immer
       dann, wenn kurz vorher ein CDU-Politiker Regierender Bürgermeister war,
       hinterlässt er ruinierte Finanzen und die müssen wir dann hinbekommen“,
       wagt er sogar schon einen kleinen Ausblick auf eine Abwahl von Kai Wegners
       CDU-SPD-Koalition.
       
       ## Argumente wie von Grünen und Linken
       
       Wissenschaft und Kultur, wo am meisten gespart worden sei, das seien die
       Bereiche, in denen Berlin Weltrang habe, führt Krach aus. Die Art und
       Weise, wie politisch unliebsame linke Theater oder Projekte gestrichen
       worden seien, anstatt mit Uni-Präsident*innen oder dem Kulturbereich zu
       reden, „da verliert man das Vertrauen der Bevölkerung“, sagt Krach. Denn
       einmal abgeschaffte Strukturen seine nicht mehr wieder aufzubauen. Er
       schließt damit [5][nahtlos an Argumente an, die linke und grüne
       Fachpolitiker*innen in den letzten Monaten hoch- und runtergebetet]
       haben.
       
       Und am Ende, als Elif Eralp sich für Partizipation von Jugendlichen,
       selbstverwaltete Jugendzentren und [6][für Jugendparlamente in allen
       Bezirken] stark macht, blickt Krach schon auf die Zeit nach der Wahl. „Bei
       dem Punkt können wir uns glaube ich bei Koalitionsverhandlungen relativ
       schnell einigen“, sagt er und führt Eralps Idee weiter: Ein Jugendparlament
       bräuchte es auch auf der Landesebene.
       
       Eingeladen hatte die Diakonie, [7][die mit ihren Bürger*innentalks zur
       Zukunft Berlins] bis zur Wahl im September in allen Bezirken mit
       Berliner*innen ins Gespräch kommen will. Sie hatten auch
       Vertreter*innen aus der Praxis mit aufs Podium geladen. Die Talks
       werden als Podcast veröffentlicht. Beim nächsten Termin am 27. Januar in
       der Stadtmission wird es ums Ehrenamt gehen.
       
       18 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Linken-Kandidatur-in-Berlin/!6119106
 (DIR) [2] /Berliner-SPD-Spitze-tritt-zurueck/!6132024
 (DIR) [3] /Demokratiefoerdergesetz/!5902746
 (DIR) [4] /Antigewaltprojekt/!5950155
 (DIR) [5] /Berliner-Landeshaushalt/!6139256
 (DIR) [6] /Kinder--und-Jugendparlament-in-Berlin/!5983344
 (DIR) [7] https://www.diakonie-portal.de/aktuelles/gemeinsam-mehr-erreichen/zukunft-berlin-der-buergertalk#c25574
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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