# taz.de -- Ausstellung in der Gemäldegalerie Berlin: Carpaccios Rezept
       
       > Vittore Carpaccios Kunst lebt von feinen Schichtungen. Sein Colorito war
       > vermutlich auch Vorbild für das nach dem Renaissancemaler benannte
       > Gericht.
       
 (IMG) Bild: Detail aus Vittore Carpaccios „Grabbereitung Christi“ während der Abnahme des alten, nachgedunkelten Firnisses
       
       Um Vittore Carpaccios einmalige Lichttiefe zu verstehen, lohnt sich ein
       Blick auf die Vorspeise, die seinen Namen trägt. Dort zeigt sich in
       kulinarischer Form, was auch in seiner Malerei geschieht: eine Kunst der
       feinen Schichtungen.
       
       Grundiert wird auf gewebter Leinwand, der neuen Servierplatte der
       venezianischen Malerei. Bellini malte dagegen noch auf Holz. Ebenfalls neu
       ist die helle Grundierung, deren hoher Rückstrahlwert das Licht von unten
       zurückwirft. Anders als sein vermuteter Lehrer entwickelt der Meister der
       [1][Frührenaissance] sein Kolorit von Hell nach Dunkel.
       
       Dann folgt das „Fleisch“: leuchtendes Zinnoberrot, häufig lasierend
       aufgetragen und an bestimmten Stellen mit feinen Spuren von Bleiweiß
       durchzogen. Dadurch entsteht eine helle Maserung, die das Rot öffnet und
       ihm Tiefe verleiht. Zuletzt kommt das „Dressing“, ein extrem dünner,
       reflektierender Firnisüberzug, der das Gemälde schützt und auch dunklere
       Töne zum Leuchten bringt (im Alter aber leider vergilbt). So dringt das
       Licht ins Bild und strahlt durch das Rot wieder heraus.
       
       1950 wurde das gleichnamige Gericht erfunden 
       
       Unter dem Eindruck von Carpaccios Colorito dürfte auch der Inhaber der
       „Harry’s Bar“ in Venedig gestanden haben, als er 1950 das Gericht aus
       hauchdünnem Rindfleisch erfand und nach Carpaccio benannte. Besonders
       eindrucksvoll tritt die Farbgebung in der zugleich beeindruckenden wie
       rätselhaften Grablegung Christi hervor.
       
       Das großformatige Gemälde, nach umfassender Restaurierung nun wieder in
       voller Pracht, bildet das Herzstück der Sonderausstellung [2][Hommage an
       Vittore Carpaccio]. Noch bis zum 6. April 2026 ist es flankiert von
       Arbeiten Giovanni Bellinis und Cima da Coneglianos in der [3][Berliner
       Gemäldegalerie] zu sehen.
       
       2 Dec 2025
       
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 (DIR) Luca Klander
       
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