# taz.de -- DNA-Spuren einer Renaissance-Ikone: Da Vinci Code geknackt?
       
       > Ein Forscherteam hat auf einer Zeichnung Leonardo da Vincis DNA-Spuren
       > entdeckt, die ihm zugeschrieben werden. Lässt sich damit auch sein Genie
       > erklären?
       
 (IMG) Bild: Waren es die Gene, die Leonardo da Vinci zum Genie machten?
       
       Kann Genie angeboren sein? In der [1][Renaissance] verstand man das
       zumindest so. Galt das Genie doch im 15. Jahrhundert als außergewöhnliche
       Geisteskraft, der Intellekt eines Menschen mit einer natürlichen Begabung,
       jemand, der weit über dem Durchschnitt der Intelligenz steht. Nun hat ein
       internationales Forschungsteam womöglich Spuren der DNA [2][Leonardo da
       Vincis] entdeckt, auf einer Kreidezeichnung, die dem vor allem in Florenz
       und Mailand wirkenden italienischen Künstler (1452-1519) zugeschrieben
       wird.
       
       Und zwar handelt es sich um eine Sequenz aus dem Y-Chromosom, das über die
       väterliche Linie weitergegeben wird. Besondere Bedeutung könnte dieser Fund
       auch darin haben, wie in Zukunft Kunst generell authentifiziert wird.
       
       Zum Beispiel, wenn es um umstrittene Werke geht. Es steht aber auch die
       Frage des Genies im Raum und ob nicht doch biologische Merkmale dafür
       verantwortlich sein könnten. Immerhin sagt das internationale
       Forschungsteam selbst, dass es hofft, herauszufinden, was den
       „intelligentesten Menschen der Geschichte“ so einzigartig gemacht hat. Ein
       Beispiel: [3][Da Vincis Fähigkeit], kleinste Veränderungen der
       Lichtverhältnisse wahrzunehmen und einzufangen, könnte ja vielleicht an
       einer besonders ausgeprägten Sehfunktion liegen.
       
       Viele andere Forschende wehren sich aber gegen die Annahme, bestimmte
       Fähigkeiten auf Gene zurückzuführen. Bei Leonardo da Vinci seien es auch
       günstige kulturelle und soziale Umstände gewesen, die seine besonderen
       Talente gefördert haben. Aus diesem Grund gibt es auch kaum weibliche
       Genies, kaum Künstlerinnen, die die Möglichkeit hatten, ihre Begabungen
       sichtbar zu machen. Genie lebt von Umständen, nicht von Chromosomen.
       
       ## Stark fragmentiert
       
       Und ob es sich bei der DNA überhaupt um die von da Vinci handelt, kann man
       laut dem Forschungsteam noch nicht sagen. Die Sequenz sei stark
       fragmentiert und könnte dadurch auch von anderen Personen stammen, die die
       Zeichnung über die Jahrhunderte hinweg berührt haben.
       
       Außerdem fehlt ein genetischer Referenzpunkt, der bei da Vinci schwer zu
       finden ist: Direkte Nachkommen hatte er keine, und an seiner Grabstätte im
       französischen Amboise wurde er mehrfach umgebettet. Bis zweifelsfrei
       nachgewiesen werden kann, ob es sich tatsächlich um da Vincis DNA handelt,
       wird noch eine Weile in Anspruch nehmen. Und selbst wenn, lässt sich aus
       einem einzelnen Y-Chromosom kaum ein ganzes Genie nachweisen.
       
       9 Jan 2026
       
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