# taz.de -- Ludwig-Erhard-Gipfel: Christlich-demokratische Clankriminalität
       
       > Auf Wolfram Weimers Interessenskonflikte folgen nun hektische
       > Absetzbewegungen. Der Kulturstaatsminister sollte die Konsequenzen
       > ziehen.
       
 (IMG) Bild: Kulturstaatsminister Wolfram Weimar könnte seine Geldgier zu Fall bringen
       
       Möchten Sie mit einer amtierenden Ministerin ein vertrauliches Gespräch
       führen, suchen Sie ein offenes Ohr für eine Gefälligkeit? Pssst, die
       „Weimer Media Group“ hat da etwas für Sie im Angebot: Für ein paar Tausend
       Euro können Sie an einem Treffen am bayrischen Tegernsee teilnehmen, das
       den hochtrabenden Namen „[1][Ludwig-Erhard-Gipfel]“ trägt. Und wenn sie ein
       paar Zehntausend Euro mehr hinlegen, dann können sie sogar an einer
       „Executive Night“ teilnehmen, um in informeller Atmosphäre mit Ministern zu
       plaudern.
       
       Sie haben die Wahl zwischen dem „Matterhorn“-Paket für 60 000 Euro und dem
       „Montblanc“-Paket für 80 000 Euro. Das ist doch ein Angebot, das man nicht
       abschlagen kann! Es ist bezeichnend, dass bisher kein konservativer
       Politiker in Berlin und Bayern den Charakter dieses Hochglanz-Treffens
       anrüchig fand, das die Firma des Publizisten, konservativen Kulturkämpfers
       und heutigen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer seit 2014 ausrichtet und
       vermarktet.
       
       Kein Wunder, ist es doch die „Keimzelle der neuen Bundesregierung“, wie
       dessen Gattin Christiane Goetz-Weimer schwärmte. Dort treffen sich seit
       Jahren die Leute, die heute in Berlin an den Schaltstellen der Macht sitzen
       – allen voran Weimer und sein Wanderfreund und Nachbar am Tegernsee,
       Friedrich Merz. Für das kommende Jahr sind [2][Wirtschaftsministerin
       Katherina Reiche], Forschungsministerin Dorothea Bär,
       Landwirtschaftsminister Alois Rainer und Kanzleramtschef Thorsten Frei
       angekündigt.
       
       Aus Bayern außerdem Markus Söder und Hubert Aiwanger sowie diverse
       Staatsekretäre. Die bayrische Staatsregierung hat das „Lobby-Tinder“, wie
       es die Wirtschaftswoche nannte, obendrein jahrelang großzügig finanziell
       unterstützt. Doch inzwischen gehen einige auf Distanz. Die bayrische
       Staatsregierung hat eine Compliance-Prüfung angekündigt und überprüft, ob
       sie die Veranstaltung weiter fördern kann.
       
       ## Weimar go home
       
       Einige Politiker stellen jetzt ihre Teilnahme am nächsten „Gipfel“ oder
       zumindest an der „Executive Night“ infrage – allen voran Bayerns
       Ministerpräsident Markus Söder, der ein gutes Gespür für Stimmungen hat.
       Weimers Ehefrau Goetz-Weimer verzichtet auf den Bayerischen
       Verfassungsorden, den sie für ihre „Leistungen“ als Verlegerin und
       Organisatorin des Ludwig-Erhard-Gipfels erhalten sollte.
       
       Weimer selbst hat jetzt die Hälfte der Anteile an der Verlagsgruppe, die er
       2012 mit seiner Frau gründete, für die Dauer seiner Amtszeit [3][an einen
       Treuhänder übergeben], „um jeglichen Anschein eines Interessenkonflikts zu
       vermeiden“, wie er sagt. Die andere Hälfte gehört aber unverändert seiner
       Frau, die als Chefin des Unternehmens weiter von den guten politischen
       Kontakten ihres Mannes profitieren darf.
       
       Wenn alles bisher angeblich so unproblematisch war – warum dann jetzt diese
       hektischen Absetzbewegungen? Diese Form des Klüngelns und der
       Vetternwirtschaft wird in Bayern gerne verharmlosend mit dem Euphemismus
       „Spezl-Wirtschaft“ umschrieben. Doch es handelt sich nicht um harmlose
       Folklore, sondern um eine Form von christlich-demokratischer
       Clankriminalität, um Korruption.
       
       Dass Weimer in seiner Online-Zeitschrift „The European“ die Reden von
       Politikern ohne deren Wissen und Einwilligung veröffentlichen ließ, zeugte
       bereits von einem eigenwilligen Verhältnis zum geistigen Eigentum anderer.
       Dass er bis heute kein Problem darin sehen will, dass die Firma seiner Frau
       damit Geld verdient, Kontakte zu seinen Ministerkollegen meistbietend zu
       verscherbeln, zeugt von mangelndem Bewusstsein von Recht und Unrecht.
       Weimer schadet mit seinem halbseidenen Geschäftsgebaren dem Ansehen seines
       Amtes. Er sollte zurücktreten.
       
       21 Nov 2025
       
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