# taz.de -- „Friedensplan“ für die Ukraine: Das käme einer Kapitulation gleich
       
       > USA und Russland verhandeln über die Ukraine. Was genau, bleibt unklar.
       > Nur so viel: Moskau könnte seine Maximalforderungen durchsetzen.
       
 (IMG) Bild: Die Ukraine braucht Waffen wie diese Kampfjets, hier bei einem Besuch von Präsident Selenskyj in Frankreich am 17. November
       
       Er brauche kein Taxi, sondern Munition, sagte der ukrainische Präsident
       Wolodymyr Selenskyj kurz nach dem Beginn von Russlands vollumfänglicher
       Invasion in die Ukraine am 24. Februar 2022. Er stellte klar, dass er nicht
       vorhabe, sein Land im Stich zu lassen.
       
       Munition und Waffen braucht der Mann immer noch und vielleicht auch bald
       eine Mitfahrgelegenheit außer Landes. Denn Selenskyj ist, um es freundlich
       zu formulieren, angezählt. Ein [1][Korruptionsskandal] hat die Ukraine in
       eine tiefe innenpolitische Krise gestürzt. Personen [2][aus dem direkten
       Umfeld Selenskyjs] sollen involviert sein. Anzunehmen, dem Präsidenten
       könnten diese Machenschaften verborgen geblieben sein, ist absurd.
       
       Als wäre das nicht schon Herausforderung genug, läuft es für Kyjiw
       [3][militärisch zusehends schlechter]. Für die ausgelaugten Truppen wird es
       immer schwieriger, die Front im Osten des Landes zu halten. Der Fall der
       strategisch wichtigen Stadt Pokrowsk im Donbass ist nur noch eine Frage der
       Zeit. Sogar Selenskyj betonte unlängst, niemand zwinge Soldaten wegen
       Ruinen zu sterben. Die Gefahr für die Ukrainer*innen, durch fortdauernde
       russische Angriffe auf die kritische Infrastruktur im bevorstehenden Winter
       den Kältetod zu sterben, wächst von Tag zu Tag.
       
       Just zu diesem Zeitpunkt tritt Washington wieder auf den Plan – in gewohnt
       erratischer Manier. Während die Republikaner ein Gesetz vorantreiben, um
       Staaten, die von Russland Öl und Gas beziehen, zu sanktionieren, taucht
       plötzlich [4][ein ominöser „Friedensplan“ auf]. Den sollen angeblich
       Amerikaner und Russen ausgedealt haben.
       
       ## Zeitpunkt kein Zufall
       
       Was er genau enthält, ist noch unklar, nur so viel: Sollte sich Kyjiw
       darauf einlassen (müssen), käme das einer Kapitulation gleich, Moskau hätte
       seine Maximalforderungen durchgesetzt. Dass diese Initiative gerade jetzt
       kommt, ist kein Zufall. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass die Ukraine
       jetzt auch noch mit diplomatischen Mitteln sturmreif geschossen werden
       soll.
       
       Was das für die Ukraine bedeutete, und vielleicht nicht nur für sie, ist
       absehbar. Doch mahnende Stimmen scheinen immer noch nicht durchzudringen.
       Täten sie das, würden die europäischen Verbündeten Kyjiws endlich
       entschlossen agieren: Etwa mit Waffenlieferungen, die die Ukraine in eine
       gute Verhandlungsposition bringen. Stattdessen lecken sie ihre Wunden, weil
       es nicht einmal für einen Platz am Katzentisch der Verhandlungen reicht,
       und sie laufen Gefahr, das Momentum endgültig zu verpassen.
       
       An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die ukrainische Zivilgesellschaft –
       ein Beispiel für Resilienz und das Bemühen, auch in Kriegszeiten für
       demokratische Werte einzustehen, Werte, die in Europa so manche/r gerne im
       Munde führt. Vielleicht wäre es da besser zu schweigen – ein zwar
       beschämendes Statement, aber zumindest ein ehrliches.
       
       20 Nov 2025
       
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 (DIR) Barbara Oertel
       
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