# taz.de -- Pulver ohne bitteren Abgang: Ein biblischer Kakaoersatz
       
       > Der Johannesbrotbaum trägt kein Brot, sondern Bohnen. Ihr getrocknetes
       > Fruchtfleisch eignet sich gut für Schokokuchen, für Mousse und auch für
       > Kekse.
       
 (IMG) Bild: Heißt zwar Brot ist aber eher wie Kakoa, der Johannesbrotbaum
       
       Der Name der heutigen Zutat birgt Verwirrungspotenzial. Johannisbrot hat
       mit Brot nichts zu tun und genauso wenig mit Johanniskraut. Nein, es stammt
       vom Johannisbrotbaum, auch Karuben- oder Karobbaum genannt, oder, um in
       meiner Muttersprache, dem Österreichischen, zu bleiben: vom
       Bockshörndlbaum. Dieser Baum, der in Nordafrika, im Mittelmeerraum und
       Vorderasien vorkommt, ist äußerst hitze- und trockenresistent und kann auch
       schon mal zwanzig Meter hoch wachsen.
       
       Er gehört zur Familie der Hülsenfrüchter, ist also mit den Bohnen verwandt,
       und so sehen seine Früchte auch aus. Lange braune Schoten sind es, in denen
       sich neben den Samen auch das Fruchtfleisch befindet. Sie sollen schon
       Johannes den Täufer in der Wüste ernährt haben, das ist auch eine der
       möglichen Erklärungen für ihren Namen.
       
       Das Fruchtfleisch – Carob genannt – ist anfangs weich und süß. Es muss vor
       der Vollreife geerntet werden und härtet anschließend immer mehr aus. Dann
       hält es sich ewig und eins! In heißen Gebieten und in der Dürre hat es
       sicher zum Überleben beigetragen.
       
       Das Carob kann zu Saft gepresst oder zu einer Art Sirup, dem Kaftanhonig,
       eingedickt werden. Ist es getrocknet, lässt sich daraus Carobpulver mahlen,
       das man aber auch gleich fertig kaufen kann. Es ist ein super Kakaoersatz,
       hat dabei keinen bitteren Abgang, sondern ein eher karamelliges Aroma und
       ist frei von Koffein und Theobromin. Dafür enthält es Vitamin A und B,
       Kalzium und Eisen und ist als Hülsenfrucht per Familiendefinition schon
       eiweißreich. Es soll außerdem gut für die Blutfettwerte sein und bei der
       Fettverbrennung helfen.
       
       Einsetzen kann man es genau wie Kakaopulver, etwa für Schokokuchen, für
       Mousse und auch für Kekse. Ein einfaches, gutes Rezept sind meine
       Carobpralinen. Dazu nehme ich [1][Trockenobst], zum Beispiel Feigen,
       Zwetschgen, Datteln, Rosinen, und schneide alles sehr fein. In die klebrige
       Masse streue ich geschälte gestiftelte Mandeln – wer mag, kippt auch noch
       einen Schluck Obstler drauf.
       
       Dann füge ich etwas Carobpulver hinzu und forme kleine Kugeln, die ich
       anschließend nochmals im Pulver oder aber in Nussmehl wende. Die Pralinen
       halten sich im Kühlschrank sicher zehn Tage und können gerade in der nun
       nahenden Adventszeit gut verschenkt werden. Wer sie Kindern geben will,
       tauscht den Alkohol mit Kirschsaft.
       
       Ein Funfact zum Schluss: Da die Kerne des Johannisbrotbaums sehr regelmäßig
       sind, hat man sie früher als Wiegeeinheit für Diamanten benutzt. Der
       Begriff Karat geht also auf dieses gesunde Lebensmittel zurück. Guten
       Appetit!
       
       16 Nov 2025
       
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