# taz.de -- Grün, knackig, sensibel: Ein Bart, der zu fast allem passt
> Der Mönchsbart ist ein salziges Kraut, das gerne an der Küste wächst.
> Gourmets schätzen das Kraut für seinen maritimen Geschmack.
(IMG) Bild: Gegenblättriges Salzkrautgemüse, auch bekannt als Mönchsbart
Oh Mönchsbart, [1][du unterschätztes Kleinod]! Du siehst aus wie ein
wogendes Büschel aus Schnittlauchhalmen, aber das täuscht. Nicht umsonst
wirst du auch Salzkraut genannt: Im Frühling kann man dich hierzulande an
der Ost- und Nordsee finden und mit deinem maritimen Geschmack Salate,
Gemüsepfannen und Quiches aufpeppen.
Ein Grund, weshalb viele Menschen das Frühlingsgemüse nicht kennen, ist
seine geringe Haltbarkeit. Schon nach ein, zwei Tagen macht es schlapp und
muss daher sofort verputzt werden. In Italien, wo es übrigens barba di
frate oder agretti heißt, wird es in den Küstenregionen angebaut und landet
direkt auf dem Speiseteller.
Kauft man Mönchsbart, sollte er knackig und quietschgrün sein, keinesfalls
gelblich. Er lässt sich dämpfen, grillen, schmurgeln oder anbraten. Aber
Vorsicht: Mönchsbart darf nicht lange im Wasser liegen, das laugt den
Geschmack aus. Kocht man ihn länger als ein, zwei Minuten, hat man keinen
Mönchsbart mehr, sondern zahnlosen gekochten Lauch.
Man kann ihn wie Spinat behandeln oder wie Löwenzahnsalat. Mönchsbart
funktioniert mit Reis, Pasta, in Suppen und hervorragend als Beilage zu
Lamm und Fisch. Auch einem Rote-Bete-Risotto gibt er das gewisse Etwas. Und
ich knabbere ihn gern roh, weil das Bissgefühl so einzigartig ist und schon
allein deswegen Freude bereitet.
Zum Mönchsbart passen besonders gut cremige Käsearten wie Burrata oder
Ziegenkäse. Dafür wasche ich die Halme, schneide sie klein, mische sie mit
Olivenöl, Zitronensaft, Pfeffer und reifen Tomatenachteln und verteile die
Burrata über meinen Salat. Schwere, wuchtige (Käse-)Saucen sollte man für
das zarte Kraut allerdings vermeiden, damit erschlägt man es nur.
Sehr gut passt das Salzkraut auch zu Meeresfrüchten, etwa [2][zu den eher
süßen Jakobsmuscheln], die kurz in Olivenöl und Butter angebraten werden.
Den Mönchsbart schwitze ich in etwas Öl und wenig feingehacktem Knoblauch
sehr kurz an, lösche mit etwas Weißwein ab und gebe Pfeffer hinzu. Gesalzen
wird immer erst ganz zum Schluss, da unser Hauptdarsteller ja bereits eine
sehr salzige Grundnote hat. Die Kombination von Süße, salzigem Kraut und
Fett ist unwiderstehlich.
Eine andere Variante, die womöglich so manchen regelmäßigen Leserinnen und
Lesern dieser Kolumne in den Sinn gekommen sein dürfte, ist: Barba di Frate
[3][mit Puntarelle]. Jawoll, kann ich da nur jubeln, bravo! Die beiden
italophilen Gemüse sind auch eine meiner Lieblingspaarungen. Probieren Sie
es gerne aus – guten Appetit!
14 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sarah Wiener
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