# taz.de -- Grüne vor den Stichwahlen in NRW: Fast wie die Linke
       
       > Grüne OB-Kandidatinnen setzen auf Mietenpolitik. Trotz Schwarz-Grün im
       > Landtag gehen sie auf Konfrontation mit der Union. Wenig glaubwürdig,
       > sagt die SPD.
       
 (IMG) Bild: Hat es in die Stichwahl geschafft, die an diesem Sonntag stattfindet: Clara Gerlach, die Kandidatin der Grünen für den OB-Posten in Düsseldorf
       
       Berlin taz | Der Mietwucher-Check war für die Linkspartei vor der
       Bundestagswahl ein Erfolg. Drei Monate vor der Wahl [1][hatte sie das Tool
       online gestellt.] Nutzer*innen konnten damit überprüfen, ob ihre
       Miethöhe die gesetzlichen Vorgaben sprengt – und Verstöße mit einem Klick
       an die Behörden melden. Zigtausendfach wurde die Seite genutzt. Dass es die
       Linke am Ende wieder ins Parlament schaffte, schreibt sie auch dieser Idee
       zu.
       
       Zur Kommunalwahl gibt es einen Mietwucher-Check jetzt auch für Düsseldorf.
       Die Funktionsweise ist ähnlich, zusätzlich können User*innen
       rechtswidrigen Leerstand melden. [2][Das neue Tool] ist allerdings nicht
       rot eingefärbt: Es gehört zur Wahlkampagne der grünen
       Oberbürgermeisterkandidatin Clara Gerlach. Die hohen Mieten – Düsseldorf
       gehört zu den zehn teuersten Städten Deutschlands – sind in Gerlachs
       Wahlkampf auch sonst zentral. „Ich scheue mich nicht, gegen Spekulanten,
       Miethaie und Gentrifizierer vorzugehen“, heißt es auf ihrer Internetseite
       ungewohnt kämpferisch.
       
       Ein Stück weit hat sich der Ansatz schon ausgezahlt. Landesweit haben die
       Grünen bei der ersten Runde der Kommunalwahl vor zwei Wochen zwar starke
       Verluste eingefahren: 6,5 Prozentpunkte im Vergleich zu 2020. Die Partei
       selbst war allerdings zufrieden: Gemessen an der Bundestagswahl im Februar
       wurde der Abwärtstrend gestoppt, und in mehreren Städten haben es Grüne in
       die Stichwahlen geschafft, die an diesem Sonntag stattfinden, darunter auch
       Clara Gerlach.
       
       Man habe in NRW „genau die richtigen Themen“ gesetzt, sagte der
       Bundesvorsitzende Felix Banaszak am Tag danach. Vor allem „die sozialen
       Fragen nach vorne zu stellen, dafür zu sorgen, dass Mieten wieder bezahlbar
       werden“.
       
       ## Ansage an die Bauministerin
       
       Pünktlich vor der Stichwahl setzen die Grünen jetzt noch mal auf das Thema.
       „Ob in der Kölner Südstadt, der Bonner Altstadt, in Düsseldorf-Golzheim
       oder in vielen anderen Vierteln unserer Städte – überall haben
       Mieter*innen große Sorgen vor Verdrängung und Entmietung“, heißt es in
       einem Statement, das Gerlach der taz zusammen mit den grünen Kandidatinnen
       für Köln (Berîvan Aymaz) und Bonn (Katja Dörner) gegeben hat.
       
       Die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen sei „für profitorientierte
       Investoren ein Geschäftsmodell, für Mieter*innen und gewachsene
       Nachbarschaften oft das Ende“. Das Trio fordert deshalb: „Das Land muss
       endlich eine Umwandlungsverordnung erlassen, damit unsere Städte die
       Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen unter Genehmigungsvorbehalt
       stellen können.“
       
       Der Hintergrund: Der Bund hat den Kommunen [3][mit einer Gesetzesänderung
       im Jahr 2021] eigentlich die Möglichkeit gegeben, Umwandlungen in
       „angespannten Wohnungsmärkten“ zu verhindern. Zunächst muss aber die
       jeweilige Landesregierung die Regelung in Kraft setzen. Das ist in
       Nordrhein-Westfalen noch nicht passiert.
       
       ## Angriff auf den Koalitionspartner
       
       In dem Vorstoß der drei Kandidatinnen steckt zugleich ein Angriff auf die
       CDU, mit der die Grünen auf Landesebene eigentlich geräuschlos regieren.
       Zuständig für die Verordnung wäre mit Bauministerin Ina Scharrenbach eine
       Unionspolitikerin. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass die
       CDU-Bauministerin diese Möglichkeit immer noch blockiert“, sagt Dörner, die
       in Bonn eine zweite Amtszeit als Oberbürgermeisterin anstrebt. Die
       Ministerin selbst reagierte auf taz-Anfrage nicht auf die Kritik.
       
       Ob die Grünen-Strategie am Ende in der Stichwahl aufgeht? Wie Gerlach in
       Düsseldorf muss Dörner in Bonn gegen einen Kandidaten der CDU antreten.
       Angesichts der Lage auf den Wohnungsmärkten spielt auch bei den
       Wahlkämpfern der CDU die Mietenpolitik eine Rolle, hinter den Forderungen
       der Grünen bleiben sie allerdings zurück.
       
       In Köln dagegen ist die Grüne Berîvan Aymaz mit dem SPD-Mann Torsten
       Burmester in der Stichwahl. Er gibt als erste Priorität ebenfalls
       bezahlbares Wohnen an. Vorteil für ihn: Seine Partei steckt auf Landesebene
       nicht mit der Union in einer Koalition.
       
       ## Konter aus der Opposition
       
       „Es ist gut, dass drei prominente Kommunalpolitikerinnen nun an der Spitze
       der grünen Bewegung stehen, um die eigene Landesregierung endlich zu einem
       Kurswechsel zu drängen“, sagt SPD-Landeschefin Sarah Philipp. Es wirke aber
       „wenig glaubwürdig“, dass die Forderung so kurz vor der Stichwahl komme.
       „Die Mieterinnen und Mieter wissen, wer auch außerhalb von Wahlkämpfen für
       ihre Interessen eintritt.“
       
       Erst vorige Woche wurde im Landtag [4][über einen mietenpolitischen Antrag
       der SPD] abgestimmt. Die Sozialdemokrat*innen forderten darin auch,
       den Kommunen das Verbot von Umwandlungen zu ermöglichen. Die Grünen
       machten, was man als Koalitionsfraktion eben mit solchen Anträgen aus der
       Opposition macht: Sie lehnten ihn ab.
       
       Auch Hans-Jochem Witzke, Vorsitzender des Mieterbunds in
       Nordrhein-Westfalen, reagiert ambivalent auf den Vorstoß der drei
       Grünen-Kandidatinnen. Deren Forderung sei richtig, sagt er. Dass sich die
       Grünen innerhalb der Landesregierung für eine entsprechende Verordnung
       einsetzen, sei allerdings „nicht zu erkennen“. Und dort, wo die Grünen
       bereits in den Kommunen mitbestimmen, hätte er sich mietenpolitisch
       ebenfalls „ein bisschen mehr Engagement“ gewünscht.
       
       „Im Wahlkampf wird vieles versprochen“, sagt Witzke, dessen Verband sich
       als überparteilich versteht und keine Wahlempfehlung abgeben will. „Wir
       haben einen langen Atem und werden uns nach der Wahl daran erinnern.“
       
       26 Sep 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kampf-gegen-hohe-Mieten/!6054787
 (DIR) [2] https://mietschutz.jetzt/
 (DIR) [3] /Umwandlungsverbot-erhalten/!6014758
 (DIR) [4] https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD18-12776.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
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