# taz.de -- Versorgung mit Lebensmitteln: Die deutsche Ernte 2025 fällt gut aus
> Die Landwirtschaft klagt trotz guten Ergebnisses über die widrigen
> Klimabedingungen. Agrarminister Rainer will sie durch weniger Ökoregeln
> entlasten.
(IMG) Bild: Trotz wechselhaftem Wetter: Die deutschen Bauern haben 2025 viel Getreide geerntet
Berlin taz | Die deutsche Landwirtschaft fährt dieses Jahr eine gute Ernte
ein – trotz teils widrigen Wetterbedingungen wie der Dürre im Frühling oder
dem regenreichen Juli. Das zeigt der [1][Erntebericht 2025], den das
Bundeslandwirtschaftsministerium am Mittwoch vorgestellt hat. So liegt die
Erntemenge bei Getreide und Raps deutlich über dem Vorjahr und leicht über
dem mehrjährigen Durchschnitt. Auch bei Äpfeln, Kartoffeln und Wein ist die
Prognose optimistisch, auch wenn die abschließenden Zahlen noch nicht
vorliegen – in diesen Fällen läuft die Ernte beziehungsweise Lese noch.
„Aber klar ist auch – stabile Ernten gibt es in Zeiten widriger
Wetterbedingungen nur mit unermüdlichem Einsatz, Unternehmergeist und
verlässlichen Rahmenbedingungen“, sagte Agrarminister Alois Rainer (CSU).
„Genau dafür sorgen wir mit weniger Bürokratie, mehr Wettbewerbsfähigkeit
und mehr Planungssicherheit.“
Er verwies darauf, dass die Bundesregierung beispielsweise [2][die
sogenannte Stoffstrombilanz aufgehoben habe, die er ein „Bürokratiemonster“
nannte]. Gemeint ist, dass manche Bauernhöfe zuvor verpflichtend
dokumentieren mussten, wie viel Stickstoff und Phosphor sie der Umwelt
entnehmen und an sie abgeben. Das sollte beispielsweise Überdüngung
vorbeugen oder sanktionierbar machen.
Rainer lobte die eigene Regierung auch für den Plan, die jährlich 450
Millionen Euro Subvention für Agrardiesel [3][wieder vollständig
einzuführen.] Er versprach außerdem „praxistauglichen Pflanzenschutz“, also
den Einsatz von Pestiziden.
## „Mehr, nicht weniger Natur- und Klimaschutz“
Der Naturschutzbund (Nabu) warnte vor einer „Scheindebatte“ zulasten von
Umwelt- und Klimaschutz. Die Problembeschreibung teilt Nabu-Chef
Jörg-Andreas Krüger zwar mit Agrarminister Rainer: „Wetterextreme und
ausgelaugte Böden setzen landwirtschaftliche Betriebe auch weiterhin unter
Druck“, sagte er am Mittwoch.
Er zieht aber andere Schlüsse daraus: „Die Rufe, Umweltstandards in der
Landwirtschaft abzubauen, werden immer lauter, oftmals unter dem Deckmantel
des Bürokratieabbaus.“ Krüger wünscht sich, dass das Problem an seiner
Wurzel angepackt wird, also bei CO2-Emissionen und Naturzerstörung: „Was
wir jetzt brauchen, ist mehr, nicht weniger Natur- und Klimaschutz.“
Deutschland komme auch bei der Klimaanpassung nicht hinterher.
Der Deutsche Bauernverband hatte im August schon [4][eine eigene
Erntebilanz vorgelegt], die ähnliche Werte nennt wie das Ministerium.
Verbandschef Joachim Rukwied beklagte beim Getreide eine teils abnehmende
Qualität, die er auf die teils sehr intensiven Niederschläge zurückführte.
Er sprach von „spürbaren Folgen des Klimawandels“. Der Verband beklagte
unter anderem „steigende Arbeitskosten durch den Mindestlohn sowie
Einschränkungen beim Pflanzenschutz“, die die Arbeit für viele Betriebe
erschweren würden.
Teile der Branche sehen das anders. „Die deutschen Biolandwirtinnen und
-landwirte haben 2025 eine Getreideernte eingefahren, die das Vorjahr noch
übertreffen wird“, sagte Peter Röhrig, Chef des Bunds Ökologische
Lebensmittelwirtschaft. Er forderte Agrarminister Rainer auf, den
Biolandbau zu fördern.
Die vom Bauernverband beklagten Qualitätseinbußen seien zudem vor allem für
die industrielle und standardisiert arbeitende Lebensmittelbranche von
Bedeutung, das klassische Bäckerhandwerk könne besser mit wechselnden
Getreidebedingungen umgehen. „Für ein gutes Brot kommt es nicht nur auf die
Qualität des Getreides an, sondern auch auf das Können des Bäckers“, so
Röhrig.
3 Sep 2025
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/erntebericht-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=5
(DIR) [2] /Plaene-des-Agrarministeriums/!6095394
(DIR) [3] /Agrarpolitik-im-Koalitionsvertrags/!6077862
(DIR) [4] /Folgen-der-Klimakrise/!6108237
## AUTOREN
(DIR) Susanne Schwarz
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